Schalke-Trainer Stevens ist der Titelkampf egal

Bemühen sich um eine friedliche Stimmung: Schalke Trainer Stevens (l.) und BVB-Coach Klopp.
Bemühen sich um eine friedliche Stimmung: Schalke Trainer Stevens (l.) und BVB-Coach Klopp.
Foto: imago
Vor dem immergrünen Derby gilt Schalkes Trainer Huub Stevens Aufmerksamkeit nur dem dritten Rang. Der Meisterschaftskampf ist ihm dabei ebenso gleichgültig wie die immergrüne Rivalität mit dem BVB.

Gelsenkirchen. Ist das nun ein gutes Omen am Freitag, dem 13.? Als die Pressekonferenz zum bevorstehenden Derby stattfindet, ist der grüne Rasenteppich – besser: Flickenteppich – erst zur Hälfte in die Arena eingefahren worden. Aha, denkt man, womöglich ein verzweifelter Versuch, dem alten und wohl auch neuen Deutschen Meister doch noch den Boden unter den Füßen wegzuziehen? Aber vermutlich würde selbst dieser unlautere Trick nicht helfen, um die schier unbeirrbaren Dortmunder von ihrem Titelkurs noch abzubringen.

Selten hat man die Verantwortlichen des FC Schalke 04 so kleinlaut erlebt wie vor diesem immergrünen Kräftemessen von Blau-Weiß mit Schwarz-Gelb. Das eigene 1:4 am Mittwoch in Nürnberg, der Rückfall in längst vergessen geglaubte Zeiten, mahnt wohl zur Zurückhaltung. Und die Leistung der Dortmunder im Gipfeltreffen mit den Bayern besorgte den Rest.

Der Meisterschaftskampf ist Stevens egal

„Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, wir stünden nach dem 30. Spieltag an dritter Stelle, dem hätte ich geantwortet: Nein, niemals. Und jetzt sind wir beide oben dabei, das ist doch schön“, pflegt Schalke-Trainer Huub Stevens den Status Quo. Und vor fremde Karren spannen lassen möchten sich die Königsblauen auf keinen Fall. Darum ist es ihnen egal, ob sie dem Meisterschaftskampf doch noch ein bisschen Restspannung zurückgeben können: „Das ist bei euch vielleicht ein Thema, wir wollen gerne Dritter werden am Ende, und das Schöne ist, dass wir auch nach diesem Spieltag Dritter bleiben, egal, wie die Partie ausgeht“, richtet Stevens sein Grußwort an diesmal in stattlicher Stärke aufgebaute Fernsehkameras.

Personell kann der Schalke-Coach wohl wieder seine nominell beste Elf aufs Feld schicken. Kapitän Benedikt Höwedes, den unter der Woche noch ein Infekt zurückgeworfen hatte, ist am Donnerstag zumindest wieder gelaufen und wird nach absolviertem Abschlusstraining am Freitag wieder mit dabei sein. Ebenso wie Christian Fuchs, dessen Erkältung in dieser Trainingswoche kein Thema mehr war, auch wenn er in Nürnberg noch geschont wurde. Dagegen läuft es bei Chinedu Obasi (muskuläre Probleme) noch nicht wieder rund, der Ex-Hoffenheimer konnte nur teilweise mittrainieren.

Schalke will noch schneller umschalten als Dortmund

Aber an der taktischen Ausrichtung werden die personellen Veränderungen im Schalker Spiel wohl wenig ändern, die gibt – Pardon – wohl der Hochgeschwindigkeits-Fußball der Gäste vor. Wie man der besonderen Stärke der Dortmunder, dem blitzschnellen Umschalten in jeder Spielsituation, die zerstörerische Wirkung nehmen wolle, darauf hat Huub Stevens eine verblüffend einfache Antwort: „Indem wir versuchen, noch schneller umzuschalten. So ist der heutige Fußball: Die Zeit zwischen Ballverlust und Ballbesitz ist unglaublich wichtig.“ Wenn nur die verdammte Praxis nicht wäre.

So weit die Theorie. Aber Derby heißt auch ein Extraschub an Emotionen – und die sind nicht immer berechenbar. Vor allem, wenn auf der Gegenseite einer wie Kevin Großkeutz mitwirkt, da muss vielleicht der eine oder andere der Königsblauen sein Temperament besonders zügeln. Extra darauf einstimmen wird Stevens seine Kandidaten dabei nicht: „Ich gehe davon aus, dass ich es nicht mit Kindern zu tun habe, sondern mit Professionals.“ Und mit lebenden Legenden. Wenn man den Gerüchten glaubt, dürfte es Raúls letztes Derby werden. Zeit für ein Abschiedsgeschenk.

 
 

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