Schalke-Trainer Rangnick wird unruhig

Manfred Hendriock
Schalkes Trainer Ralf Rangnick muss auf weitere Zugänge warten – weil nicht genug Geld zur Verfügung steht. „Die Situation ist ernster, als ich dachte“, sagte Rangnick. Eigene Transfererlöse sind derzeit nicht in Sicht.

Gelsenkirchen. Am Sonntag feierte Schalke ein schönes Fest. Fast 100 000 Fans kamen zur Saisoneröffnung, doch ein weiterer Neuzugang wurde – wie auf Schalke bei dieser Gelegenheit schon einmal geschehen – diesmal nicht vorgestellt. Und wahrscheinlich wird auch zu Beginn des zweiten Trainingslagers, das ab Dienstag in Österreich stattfindet, keine zusätzliche Verstärkung dabei sein. „Ich rechne nicht damit“, sagt jedenfalls Trainer Ralf Rangnick.

Es liegt, wie sollte es anders sein, mal wieder am Geld. Rangnick hatte damit gerechnet, dass die Aktivitäten der vergangenen Monate den Spielraum für Transfers erhöhen würden: Schalke hatte in der Champions League satte Zusatzeinnahmen verbucht und habe laut Rangnick für Manuel Neuer eine höhere Ablösesumme als erwartet kassiert – zudem wurden die Personalkosten durch bislang 15 Abgänge reduziert. Rangnick hält es daher für legitim, wenn die Neuer-Millionen weitgehend in die Mannschaft investiert würden. Doch auch bei einem Treffen am Samstag mit Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies, Manager Horst Heldt und Finanzchef Peter Peters drehten die Bosse nicht den Geldhahn auf. „Die Situation ist ernster, als ich es gedacht habe“, sagte Rangnick danach. Anders ausgedrückt: Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre will Schalke das vorhandene Geld diesmal auch in den Schuldenabbau stecken – und nicht nur in die Mannschaft.

Rangnick hätte gerne noch zwei bis drei neue Spieler, die in sein Schema vom Tempofußball passen. Doch eine Verpflichtung des Franzosen Nolan Roux von Stade Brest, dessen Ablösesumme auf acht Millionen Euro festgeschrieben ist, würde fast das komplette, noch zur Verfügung stehende Budget aufbrauchen. „Wenn wir einen Spieler für sechs, sieben, acht Millionen verpflichten, dann gibt es keine Möglichkeit, noch etwas anderes in diesen Dimensionen zu machen“, sagt der Trainer. Und ob Roux diesen Königstransfer wert ist, darüber ist sich Schalke noch nicht schlüssig. „Er ist nicht der Spieler von dem wir sagen: Der muss es unbedingt sein“, so Rangnick: „Wir sind bisher nicht bereit, acht Millionen für ihn zu zahlen, und ob wir das irgendwann sein werden, wird sich zeigen.“

Die einzige Möglichkeit, den Spielraum zu erhöhen, sind eigene Transfererlöse. Doch laut Manager Heldt hat Schalke derzeit keine Angebote vorliegen: Nicht für Jose-Manuel Jurado, nicht für Klaas-Jan Huntelaar und auch nicht für Rückkehrer Jermaine Jones, der nach dem Trainingslager wieder in Schalke anfangen soll, weil er hier noch einen Vertrag hat – „ob das in zwei Wochen auch noch so ist, wird man sehen“ (Rangnick). Ohnehin wäre für Jurado oder Huntelaar derzeit kaum das Geld zu erzielen, das Schalke vor einem Jahr für sie ausgegeben hat. Und Heldt hält wenig davon, sie unter Wert zu einem Transfer zu drängen. Huntelaar etwa habe sich „eindeutig geäußert“, seinen Vertrag auf Schalke erfüllen zu wollen: „Wir werden auf ihn setzen.“

Rangnick hingegen sucht „auf jeden Fall noch einen schnellen Stürmer“ – womit er nicht gesagt haben will, dass Huntelaar nicht schnell ist. Er schwärmt aber vom Freiburger Papiss Cisse: „Er ist schnell und schießt Tore – ist aber auch deutlich teurer als Roux“. Heldt hat einmal locker in Freiburg angeklopft, um die Konditionen für Cisse zu erfahren – an sich hält er das Unterfangen aber für aussichtslos. Ein Angebot hat er nicht abgegeben – kann er auch gar nicht, da Schalke derzeit nicht das Geld für einen solchen Transfer im zweistelligen Millionenbereich hat.

So muss sich Rangnick in Geduld üben, was nicht eben die herausragende Eigenschaft des ehrgeizigen Trainers ist. Der 53-Jährige stellt die Frage, ob es besser sei, jetzt zu investieren, oder noch abzuwarten – verbunden mit dem Risiko, dass in einigen Wochen die umworbenen Spieler vielleicht gar nicht mehr zu haben sind. Nur eines ist für Rangnick angesichts der begrenzten Möglichkeiten klar: „Die Transfers, die wir jetzt machen, die müssen sitzen.“