Schalke-Torwart Ralf Fährmann: "Ich bin keine Maschine"

Ralf Fährmann.
Ralf Fährmann.
Foto: Getty Images

München. Mutig aufgetreten, viel probiert, beherzt gekämpft, aber trotzdem verloren. Die Profis des FC Schalke 04 schlichen nach der 1:2 (1:2)-Niederlage bei Tabellenführer Bayern München mit hängenden Köpfen Richtung Mannschaftsbus. „Wir nehmen viel Positives mit, aber leider keine Punkte“; bilanzierte S04-Trainer Domenico Tedesco. Der Deutsch-Italiener zeigte sich trotz der Enttäuschung über die Niederlage sofort wieder kämpferisch. „Ich bin überzeugt davon, dass es mit dieser Spielweise eine Frage der Zeit ist, bis wir die Punkte einfahren.“

In der Allianz-Arena war für die Königsblauen letztlich deswegen nichts zu holen, weil gravierende Fehler zu beiden Gegentoren führten. Beim frühen 1:0 wehrte Torwart Ralf Fährmann einen Schuss von Thomas Müller so ab, dass Bayern-Stürmer Robert Lewandowski mühelos abstauben konnte (6.). Das zweite Bayern-Tor erzielte Müller in die kurze Ecke – da sah Fährmann ebenfalls unglücklich aus (36.). „Den ersten Ball wollte ich über das Tor abwehren. Beim zweiten Gegentor dachte ich, dass er quer spielt. Hätte ich bei Thomas Müller nicht machen dürfen. Das waren zwei bittere Gegentore“, bilanzierte Fährmann nach dem Abpfiff bei Sky. Und weiter: "Ich bin keine Maschine. Ich hätte das gerne anders verteidigt.“

Vorwürfe aus der Mannschaft gab es keine. Ganz im Gegenteil. Schalkes Stürmer Franco Di Santo, der das zwischenzeitliche 1:1 mit einer sehenswerten Direktabnahme nach einem missglückten Seitfallzieher des starken Leon Goretzka erzielt hatte (29.), stärkte den Schlussmann: „Ralf ist unser Kapitän. Das hat einen Grund. Er hat uns schon 100 Mal gerettet.“

In manchen Situationen fehlte das Glück

Schalke ließ sich trotz der Rückschläge nicht unterkriegen und bot dem Favoriten bis zum Schluss einen beherzten Kampf. In manchen Situationen fehlte das Glück (Goretzka, Kehrer), teilweise die Präzision (Harit, Embolo) und manchmal auch das richtige Timing. Guido Burgstaller, der von Leon Goretzka mit einem feinen Pass in Szene gesetzt wurde, nahm den Ball an, umkurvte Torwart Sven Ulreich und ließ sich dann fallen, nachdem er Ulreich auf den Fuß getreten hatte. Statt des möglichen Ausgleichs gab es Gelb für Burgstaller (50.).

Domenico Tedesco sah trotz des vergeblichen Anrennens viele Dinge, die ihn zuversichtlich stimmen. Sein Schachzug, mit Embolo, Burgstaller und Di Santo auf drei Spitzen zu setzen und nicht die von vielen Klubs in München bevorzugte Betonmischer-Taktik zu wählen, wäre fast belohnt worden. „Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten besonders gegen die großen und spielstarken Innenverteidiger eine gewisse Körperlichkeit bringen. Das ist uns gut gelungen“, so Tedesco, „meine Mannschaft war mutig. Wir haben vieles richtig gemacht.“ Aber eben nicht alles. Um bei Bayern erfolgreich zu sein, bedarf es eines perfekten Arbeitstags. Und den brachte Schalke letztlich nicht zustande. „Die Bayern haben nichts anbrennen lassen und mit Ruhe und Cleverness agiert“, stellte Tedesco fest. Leon Goretzka, der an seiner künftigen Wirkungsstätte stark auftrumpfte, fand den Schalker Auftritt gut: „Wir haben den Fans ein attraktives Spiel geboten und versucht, den Spieß umzudrehen. Die Münchner sind es nicht gewohnt, dem Ball hinterher zu laufen. Das war unser Plan. Den haben wir gut umgesetzt. Dass wir es nicht geschafft haben, uns zu belohnen, tut ein bisschen weh.“

Heynckes schickte eine SMS

Ungewöhnlich: Bayern-Trainer Jupp Heynckes erlebte den Heimsieg über den Malocher-Klub nicht am Spielfeldrand mit, sondern im Bett. Heynckes musste das Spitzenspiel wegen Grippe sausen lassen und die Verantwortung an seinen Assistenten Peter Hermann übertragen. „Peter ist“, wie Verteidiger Niklas Süle zwinkernd feststellte, „ein lässiger Typ, aber diesmal ein bisschen nervöser als sonst.“ Hermann griff nach der Partie und der Pressekonferenz zum Telefon, um Heynckes anzurufen. „Jupp hat mir eine SMS geschickt. Glückwunsch zum Sieg stand darin. Ich denke, Jupp hat vor dem TV am meisten mitgezittert“, so Hermann. Mit einem Lob für Schalke verabschiedete er sich: „Schalke hat sehr gutes Pressing gespielt und war immer präsent.“ So richtig freuen kann sich Domenico Tedesco über die Worte nicht.

 
 

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