Gelsenkirchen

Schalke-Torwart Fährmann vor dem Revierderby: „Ich wurde einfach blau-weiß infiziert“

Manfred Hendriock
Meiner! Schaklkes Torhüter Ralf Fährmann mit einer Glanzparade in einem Derby gegen die Dortmunder.
Meiner! Schaklkes Torhüter Ralf Fährmann mit einer Glanzparade in einem Derby gegen die Dortmunder.
Foto: Getty Images
  • Schalkes Torhüter Ralf Fährmann spricht vor dem Revierderby über seine Erfahrungen mit der Rivalität
  • Ein Wechsel zum BVB käme für ihn niemals in Frage

Gelsenkirchen. Ralf Fährmann muss nicht lange überlegen, als wir ihm dieses Thema zum Interviewtermin vorschlagen: Wie denkt eigentlich ein aktiver Fußballprofi über die Rivalität zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund? Ergebnis: Schalkes Torwart tickt ähnlich wie die Fans – er fiebert dem Duell an diesem Samstag (15.30 Uhr) in der Arena genauso entgegen.

Herr Fährmann, Schalker Fans nennen die Anhänger von Borussia Dortmund oft „Zecken”. Wie nennen Sie eigentlich die Dortmunder?

Ralf Fährmann: So ähnlich (lacht). Wenn neue Spieler aus dem Ausland zu uns kommen, versucht man ihnen schon beizubringen, dass man den Namen dieser Stadt nicht ausspricht und das ganz charmant umgehen kann, indem man zum Beispiel Lüdenscheid sagt. Insofern halten wir es so wie die Fans.

Wie weit darf man als Profi gehen, um diese Rivalität im Revier auszuleben?

Fährmann: Es darf nie der zwischenmenschliche Respekt verloren gehen. Man darf das auch alles nicht zu ernst nehmen. Aber ein paar Sprüche passen doch gut zum Ruhrgebiet, wo die Leute frei nach Schnauze reden und das nicht böse meinen. Es hat noch niemandem geschadet, sich gegenseitig auf die Schüppe zu nehmen oder die eine oder andere Spitze zu verteilen.

Sie wohnen in Recklinghausen, mitten im Ruhrgebiet, wo es auch Dortmunder Fans gibt...

Fährmann: Schalke hat bei uns klar die Oberhand, das muss ich an dieser Stelle festhalten.

Haben Sie trotzdem Kontakt zu Dortmundern?

Fährmann: Natürlich, sogar in der Familie. Der Onkel meiner Frau ist Anhänger des falschen Vereins, schon sein ganzes Leben lang. Wir sagen immer: Er ist schwer krank, mit dem falschen Virus infiziert. Wir versuchen, das seit Jahren zu ändern, aber das Fieber scheint bei ihm ziemlich hartnäckig zu sein.

Gibt es bei Ihnen daheim etwas, das sofort auf Schalke schließen lässt?

Fährmann: Aber sicher: Wenn man bei mir zu Hause ist, merkt man relativ schnell, dass da viel Blau-Weißes im Busch ist. Im Garten habe ich auf unseren neuen Zisternendeckel das Schalke-Emblem eingraviert. Und in der Garage haben wir an der Wand eine Skyline mit Bildern, die für die Region stehen. Da ist einmal das Rathaus von Recklinghausen, die Zeche Ewald und auch die Schalker Arena. Und im Haus habe ich einen Raum mit Bildern und Trikots von früher.

Sie haben im Jahr 2008 Ihr erstes Bundesliga-Spiel ausgerechnet in Dortmund gemacht - das passt, oder?

Fährmann: Ja, und da habe ich gleich alles erlebt, was das Derby ausmacht - das war wirklich kein normales Fußballspiel. mehr Wir haben 3:0 geführt, hatten die Chance auf das vierte oder fünfte Tor, haben dann zwei Platzverweise gegen uns bekommen und einen Elfmeter, der keiner war. Am Ende stand es 3:3 und gefühlt hätten wir fast noch verloren, wenn das Spiel zwei Minuten länger gedauert hätte. Ich wurde quasi ins kalte Wasser geworfen und das Wasser hatte fast Minusgrade. Ein Spiel, das ich nie vergessen werde – typisch Derby.

Welches war Ihr bestes Derby?

Fährmann: Die schönsten sind die, die man gewinnt. Vor zwei Jahren zu Hause zum Beispiel: Ich hatte an dem Tag Geburtstag und wir haben 2:1 gewonnen - das war das schönste Geschenk für mich. Davon werde ich später meinen Kindern noch erzählen, dass es ausgerechnet an meinem Geburtstag war.

Ein halbes Jahr vorher gab es ein 0:0 in Dortmund mit dem besten Ralf Fährmann, den man sich denken kann.

Fährmann: An das Spiel kann ich mich auch noch gut erinnern. Ich hatte viel zu tun, konnte die Null halten, so dass wir nicht verloren haben.

Danach haben tatsächlich BVB-Fans gesagt: Wir können uns keinen Schalker in Dortmund vorstellen, aber den Fährmann könnten wir auch gebrauchen…

Fährmann: Das wird aber nicht passieren (lacht). An diesem Beispiel erkennt man, wie schöne Rivalität aussieht: Man kann flachsen, macht Scherze übereinander, aber der Respekt geht nicht verloren, so dass man sich dann auch mal ein Lob für den Gegner eingesteht.

Für Sie ist es unvorstellbar, für den BVB zu spielen?

Fährmann: Definitiv, für mich ist das völlig ausgeschlossen. Natürlich gab es in der Vergangenheit immer mal Spieler, die auch für beide Vereine gespielt haben und das ist ja auch jedem selbst überlassen, wie sehr er sich mit seinem Verein identifiziert. Ich bin hier schon in der Jugend groß geworden, wurde einfach blau-weiß infiziert.

Was ist aus Ihrer Sicht schöner an Schalke als an Dortmund?

Fährmann: Das fängt schon mit den Farben an: Blau ist der Himmel, weiß sind die Wolken - das finde ich schöner als eine Hummel in Schwarz-Gelb. Und ich denke, wir haben auch das schönere und modernere Stadion: Was dort Westfalenstadion und Westfalenhalle ist, ist bei uns in der Arena alles in einem. Dazu kann ich mich auch mit der Geschichte von Schalke mehr anfreunden. Für mich ist Schalke noch mehr Ruhrgebiet als Dortmund.

Ist Schalke offener für die Fans als Dortmund?

Fährmann: Ja klar. Ich finde, dass wir einfach ein Stück weit nahbarer und geerdeter sind. Wir haben häufig offenes Training, das Vereinsgelände ist frei zugänglich, wie das im Ruhrgebiet sein sollte.

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