Schalke schwankt in München zwischen harmlos und leblos

Andree Hagel
Ratlos: Jermaine Jones nach der Schalker 0:4-Pleite in München.
Ratlos: Jermaine Jones nach der Schalker 0:4-Pleite in München.
Foto: Frank Leonhardt / dpa
Beim 0:4 bei den Bayern ließ der FC Schalke 04 jede Aufbruchstimmung vermissen. Auch Manager Horst Heldt wird allmählich ratlos. „Wir haben die Zweikämpfe nicht so geführt, wie wir sie hätten führen müssen“, sagte Heldt.

München. Ein wohl ganz entscheidender und nicht falscher Vorwurf kam vom ehemaligen Trainer und Manager. Er habe den Eindruck gehabt, sagte Felix Magath nach dem 0:4 des FC Schalke 04 beim FC Bayern München, dass sich die Königsblauen „nur achtbar aus der Affäre ziehen und eigentlich gar nicht gewinnen wollten“. Und letztlich gab es die Bestätigung des Kapitäns. „Wir haben versucht, mit drei Sechsern kompakt zu stehen“, sagte Benedikt Höwedes. Das eigentliche Ziel eines Fußball-Spiels, Tore zu schießen, hatte Trainer Jens Keller anscheinend gar nicht in Betracht gezogen.

Es war ein harmloser, ein mutloser, ja fast sogar ein lebloser Auftritt der Schalker vor 71 000 Zuschauern in der Allianz-Arena. Doch es gab dann sogar einen aus dieser Sechser-Reihe, der glatt noch positive Ansätze fand. „Wir haben gut gestanden“, sagte Roman Neustädter, der quasi das Synonym für die Krise am Ernst-Kuzorra-Weg ist. „Die Münchener machen in der ersten Halbzeit aus zwei Standards zwei Tore. Sonst haben wir nichts zugelassen.“ Zu allem Überfluss, muss man schon sagen, hatte er auch noch gute Offensiv-Aktionen gesehen. Der Schalker, wohlgemerkt. Ob er an den Freistoß gedacht hatte, den Michel Bastos dazu nutzte, um dem Ball mal das Umfeld der Allianz-Arena zu zeigen? „Bei dem einen oder anderen Konter waren wir zu überhastet“, erklärte Roman Neustädter. „Da hätten wir konsequenter sein müssen. In München kriegst du nicht viele Chancen.“ Um das mal ein bisschen aufzuklären, hilft der Blick auf die Statistik: null Schüsse in 90 Minuten auf das Tor von Manuel Neuer.

Schalke-Manager Heldt erkannte drei irreguläre Münchener Tore

Okay: Es hatte fast etwas mehr als 1000 Sekunden 0:0 gestanden. „In den ersten 18 Minuten haben wir die Räume sehr, sehr eng gehalten“, sagte Trainer Jens Keller, sprach von einem FC Bayern München, „der derzeit in einer anderen Liga spielt“, und sinnierte, ob der Münchener Elfmeter, der zum 0:1 geführt hatte, denn einer gewesen sei. Die Antwort gab Horst Heldt unmissverständlich und legte auch noch zwei drauf. „Vor dem 1:0 war’s kein Elfmeter, vor dem 2:0 war’s kein Freistoß, und drittens war es ein Abseits-Tor zum 3:0“, sagte der Schalker Manager. Drei irreguläre Münchener Tore hatte Horst Heldt also erkannt. „Aber unabhängig davon hätten die Bayern“, sagte er dann, „die Tore auch anders gemacht.“

Hätten sie. Und zwar deshalb, weil sie auf eine sicherlich extrem ersatzgeschwächte, aber eben auch auf eine extrem wehrlose Schalker Mannschaft getroffen waren. „Wir haben die Zweikämpfe nicht so geführt, wie wir sie hätten führen müssen“, sagte Horst Heldt und machte denjenigen Schalkern, die auf dem Rasen der Allianz-Arena waren, einen klaren Vorwurf. „Die, die auf dem Platz stehen, müssen sich mehr wehren“, sagte der 43-Jährige. „Wir hätten viel mehr in die Waagschale werfen müssen.“

Auffällig war, dass den Schalkern in München nicht nur die Qualität, sondern vor allem auch der Mut fehlte. Nicht nur das. Es fehlt noch mehr, nämlich etwas, das der FC Bayern München besitzt. „Alle haben gezeigt, dass sie Lust und Freude am Fußballspielen haben“, sagte Trainer Jupp Heynckes. „Das sieht alles so leicht aus, aber das ist sehr harte und intensive Arbeit.“ Hart arbeiten müssen auch die Schalker in den kommenden Tagen. „Wir können das jetzt nicht einfach so laufen lassen und die Spiele abschenken“, sagte Christoph Metzelder, der einer von vier Innenverteidigern in der Viererkette gewesen war.

„Wir haben überhaupt nichts zu verschenken“, schickte Horst Heldt gleich hinterher. Aber was macht dem Manager – der Champions-League-Qualifikationsplatz, also Eintracht Frankfurt, ist jetzt schon acht Punkte entfernt – Mut für die kommenden Aufgaben? So richtig konnte er, eben auch ein bisschen ratlos, die Frage nicht beantworten. „Wir müssen die Tugenden an den Tag legen, die wir heute haben vermissen lassen“, sagte Horst Heldt. Um am kommenden Samstag beim FSV Mainz 05 (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) zu punkten und im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Galatasaray Istanbul (20. Februar, 20.45 Uhr, live in unserem Ticker) gut auszusehen. „Aber diese Gegner haben ja auch nicht die Qualität des FC Bayern“, sagte der Schalker Manager, sprach dann aber auch deutlich davon, dass „die Spieler an der Ehre gepackt werden müssen. Es geht ja auch um ihre Zukunft“.

Schalke ist nur noch Tabellenzehnter

Wo immer die auch hinführen mag. Die Plätze zur Qualifikation für die Europa League sind ja für den seit Sonntagabend nur noch Tabellenzehnten 13 Spieltage vor Saisonende in Reichweite.