Schalke-Profis suchen nach Mainz-Pfiffen Gespräch mit Fans

Andreas Ernst
Bekannt für königsblau-weiße Choreographien: die Fans des FC Schalke 04.
Bekannt für königsblau-weiße Choreographien: die Fans des FC Schalke 04.
Foto: imago
"Scheiß Millionäre" riefen die Schalke-Fans nach dem 0:2 in Mainz. In Marienfeld gab es ein Gespräch. Auch der Manager und der Trainer waren dabei.

Gelsenkirchen. Huub Stevens lehnte sich zurück, sagte in der Pressekonferenz das, was er seit Jahrzehnten sagt, wenn ein Spiel gegen einen Ex-Klub ansteht. "Ich konzentriere mich auf das Wesentliche", erklärte der Trainer des VfB Stuttgart vor dem Spiel beim FC Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) und meinte damit natürlich das Fußballspiel. Aber doch fügte Stevens zu: "Natürlich triffst du Leute, die du lange nicht gesehen hast. Und darauf freust du dich." Zwei Drehbücher gibt es für das brisante Duell zwischen den kriselnden Königsblauen und dem Schlusslicht VfB - und in beiden wird Huub Stevens freundlich verabschiedet.

Die Stimmung auf Schalke ist explosiv. "Scheiß Millionäre" brüllten die mitgereisten Fans nach dem 0:2-Desaster in Mainz, äußerten auf allen Wegen ihren Unmut. "Das waren keine schönen Szenen", sagte Manager Horst Heldt. Im Trainingslager in Marienfeld gab es deshalb nicht nur viele Gespräche mit den Spielern, sondern auch mit Fan-Vertretern. "Es gab ein beiderseitiges Bedürfnis und es ist sinnvoll, den Dialog weiterzuführen, wenn es verbal knallt", erklärte. Neben Heldt und den Fan-Vertretern auch Trainer Roberto Di Matteo und Spieler mit am Tisch.

Schalke-Legende Anderbrügge über Stevens: "Er wird mit dem Publikum spielen"

Diese Runde gab es vor Saisonbeginn schon einmal. Da vereinbarten Spieler und Fans die Aktion "Du gewinnst nie allein" - und seitdem gibt es vor den Spielern immer ein Ritual: Die Spieler stellen sich Arm in Arm vor die Kurve, werden gefeiert - und dann geht's zusammen ins Spiel. "Dieses gemeinsame Projekt ist einzigartig und wird von den Fans auch mit Choreos gepflegt", schwärmt Heldt.

Auch vor dem Stuttgart-Spiel werden sich Spieler und Fans gemeinsam einstimmen. Doch gibt es eine große Gefahr: Sollten die Schalker nicht gut ins Spiel finden, drohen schnell Pfiffe. Denn die Geduld der Anhänger ist überstrapaziert. Und dann wäre da noch Schalkes Jahrhunderttrainer Stevens auf der Stuttgarter Bank. Pfiffe für Di Matteo, Applaus für Stevens? Nicht undenkbar - auch wenn Horst Heldt sagt: "Alle freuen sich, Huub zu sehen. Auch in der Vergangenheit wurde er herzlich empfangen. Er hat das verdient. Das ist beim Jahrhunderttrainer selbstverständlich."

Schalke-Legende Ingo Anderbrügge glaubt nicht, dass sich Stevens nur auf seine Mannschaft konzentriert. "Huub ist schlau. Er ist so schlau wie kein anderer Trainer, den ich gehabt habe. Er wird an der Linie stehen und mit dem Publikum spielen - auch als Stuttgart-Trainer noch", sagte er in einer Sport1-Talkrunde. Anderbrügge muss es wissen. Er wurde 1997 als Mitglied der "Eurofighter" unter Stevens Uefa-Cup-Sieger. Gerade diese Fähigkeit fehlte nach Meinung der Fans zuletzt. In Mainz riefen sie auch: "Wir wollen euch kämpfen sehen!"

Wenn die Schalker souverän gewinnen, verabschieden sie Huub Stevens mit freundlichen Wünschen für den Abstiegskampf - das ist der Wunsch von Di Matteo und Heldt. Spielen die Schalker schlecht, bekommt Stevens nicht nur Applaus, sondern Ovationen. Dieses zweite Drehbuch ist für die Verantwortlichen weniger reizvoll.