Schalke-Manager Heidel: Darum freue ich mich auf das Spiel in Leipzig

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel
Schalkes Sportvorstand Christian Heidel
Foto: imago
  • Nach zwölf ungeschlagenen Spielen in Folge geht es für Schalke 04 jetzt zum unbesiegten Tabellenführer RB Leipzig
  • S04-Manager Christian Heidel schaut derzeit gerne auf die Tabelle und hatte Leipzig vorher schon auf dem Schirm
  • Dem Aufsteiger die erste Niederlage zuzufügen sieht Heidel als "große Herausforderung"

Gelsenkirchen.. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel hatte nie gezweifelt. Er glaubte immer an Trainer Markus Weinzierl und die Mannschaft - auch am 25. September nach der fünften Niederlage im fünften Bundesliga-Spiel. Nun hat sich für die Königsblauen alles gedreht. In der Bundesliga ist Schalke nach dem 3:1-Erfolg über Darmstadt 98 Achter - und in den Pokalwettbewerben überwintert S04. Heidel ist hochzufrieden. Wir haben ihm in der Mixed Zone genau zugehört.

Schauen Sie im Moment gern auf die Tabelle?

Christian Heidel: "Ich schaue jetzt lieber drauf als vor ein paar Wochen. Auf dem 18. Platz sind wir nach fünf Niederlagen gestartet - jetzt sind wir Achter. Und seitdem ist nicht viel Zeit vergangen. Deswegen zeigt das, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Können Sie mit dem Begriff "Genugtuung" etwas anfangen?

Heidel: "Genugtuung ist ein komisches Wort. Das passt nicht. Es ist eine Zufriedenheit, dass trotz der fünf Niederlagen das gegriffen hat, woran die Mannschaft und wir geglaubt haben. Jeder sagt immer: Sensationell, was da für eine Ruhe ist. Daran hat auch die Mannschaft einen großen Anteil. Unruhe kommt nicht immer aus dem Verein, sondern auch aus der Mannschaft. Und da kam nichts. Aber wir haben erst den zwölften Spieltag absolviert. Deshalb hat alles noch nichts zu bedeuten."

War das Spiel gegen Darmstadt ein Spiegelbild der Saison?

Heidel: "Dieses Spiel ist gut für unsere Entwicklung. Während eines Spiels wünsche ich mir nie, dass wir in Rückstand geraten - im Nachhinein bin ich froh. Wenn etwas Schalke 04 nachgegangen ist, dann, dass man nie Rückstände drehen konnte. Auch das ist eine Entwicklung, dass man 20 Minuten nicht gut gespielt hat, mit der ersten Chance in Rückstand geraten ist und dann doch das Spiel in den Griff bekommen hat."

Hatten Sie Sorge, dass es schiefgeht?

Heidel: "Ich bin im Spiel der Pessimist pur. Ich habe an eine Klatsche gedacht. Wir lagen 0:1 zurück, Darmstadt hatte noch ein, zwei gefährliche Szenen, zudem kann man Sirigu und Heller schwer packen. Die sind überragend schnell. Ich hatte Bedenken, weil im ganzen Umfeld jeder gesagt hat: Wir gewinnen gegen Darmstadt und fahren dann nach Leipzig. Man ertappt sich selbst dabei. Und wenn ich schon so denke, wie denken dann die Spieler? Das ist in den Köpfen drin, dass man - ohne dass man das mit Absicht will - dieses Spiel zu schnell auf der Habenseite verbucht hat. Dann liegst du 0:1 hinten und merkst: So einfach geht das doch nicht. Danach haben sie es aber gut geregelt. Ich kann der Mannschaft alles vorwerfen, nur nicht Überheblichkeit."

War Schalke überrascht, dass Darmstadt nicht so defensiv gespielt hat wie erwartet?

Heidel: "Ich fand sie schon recht defensiv. Sie kamen ja nur mit Kontern vor unser Tor. Da sind sie brutal gefährlich. Sie haben uns damit riesige Schwierigkeiten gemacht. Was in Darmstadt für Diskussionen laufen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe ja das Gefühl, dass sie um die europäischen Plätze spielen müssen. Die haben uns alles abverlangt. Die Menschen, die da für Unruhe sorgen in Darmstadt, müssen schauen, wo der Verein herkommt. Ich fand sie richtig gut heute."

Was sagen Sie zur Außenzange? Schöpf und Kolasinac gehörten zu den Torschützen?

Heidel: "Durch die Umstellung im System spielen die zwei Außenverteidiger viel offensiver. Das sind fast Mittelfeldpositionen. Man sieht bei Kolasinac und Schöpf, dass es ihnen einfach liegt, ohne dass die Defensive außer in ein, zwei Szenen vergessen wird."

Kolasinac hat zum ersten Mal in dieser Saison getroffen...

Heidel: Hat er überhaupt schon einmal ein Kopfballtor gemacht? Kann ich mich nicht dran erinnern... Das zeugt von Selbstbewusstsein, auch wenn man sich seinen Laufweg vor dem Tor anschaut."

Was sagen Sie zu Choupo-Motings verschossenem Elfmeter?

Heidel: Elfmeter in die Mitte sind so eine Geschichte... (lächelt) Choupo-Moting hat es richtig gesagt: Er hätte anders schießen können. Wenn er drin ist, sagen alle: Schau mal wie abgezockt."

Dafür macht er das "schwierige" Tor zum 2:1...

Heidel: "Das war Gerd-Müller-Manier. 50 Prozent dieses Tores gehören Max Meyer, der es überragend vorbereitet. Ich habe Choupo schon häufiger auf dieser Position im Sturm spielen sehen als alle Schalker. Ich wusste, dass er das kann, weil er es in Mainz fast immer gespielt hat."

Nächste Woche muss sich dann RB Leipzig warm anziehen...

Heidel: "Diese Schlagzeile liefere ich ganz sicher nicht... (lächelt) Mich überrascht es nicht so, wie es viele zu überraschen scheint, dass Leipzig eine gute Rolle spielt. Ich habe sie nicht mit fünf Punkten Vorsprung an der Spitze erwartet, aber der eine oder andere hat ja suggeriert, dass die gegen den Abstieg spielen. Darüber habe ich mich totgelacht. Das ist eine gestandene, eingespielte Mannschaft mit einem eingespielten System, die eine Euphorie mitträgt. Das wird brutal schwer in einer guten Atmosphäre in Leipzig. Ich freue mich auf das Spiel. Wir haben die Aufgabe, die momentan noch keiner erfüllen konnte: Leipzig schlagen! Das wird eine große Herausforderung!"

 
 

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