Schalke-Legende Anderbrügge: "Huub ist so modern wie Tuchel"

Ingo Anderbrügge
Gelsenkirchen, im Juli 1999: Schalke-Trainer Huub Stevens im Gespräch mit Ingo Anderbrügge.
Gelsenkirchen, im Juli 1999: Schalke-Trainer Huub Stevens im Gespräch mit Ingo Anderbrügge.
Foto: imago
Ingo Anderbrügge trainierte unter Coach Huub Stevens auf Schalke. Was er von ihm gelernt hat, erklärt der frühere Mittelfeldspieler in seiner Kolumne.

Gelsenkirchen. Zugegeben, ich war schon überrascht, als mein alter Trainer Huub Stevens jetzt wieder beim VfB Stuttgart angefangen hat. Die Umstände, warum er nach der letzten Saison dort aufgehört hat, kann ich nicht beurteilen. Aber vielleicht war er mit seiner Arbeit in Stuttgart noch nicht fertig, vielleicht war es doch eine schöne Zeit. Und ganz sicher ist er immer noch ehrgeizig, und wenn er sagt, dass er wieder heiß ist, dann kann man ihm das glauben. Aber überrascht hat mich sein Comeback trotzdem.

Auch wenn Huub Stevens jetzt zum zweiten Mal als Retter in der Not nach Stuttgart kommt, will ich ihn nicht als Feuerwehrmann abstempeln. Wertvoll ist für einen Verein in dieser Situation seine Erfahrung. Huub Stevens ist selbstbewusst und macht einfach sein Ding, ohne dabei den ganzen Verein umzukrempeln – das schätzt man an ihm. Und er ist für mich auch in seinem Alter ein genauso moderner Trainer wie zum Beispiel ein Thomas Tuchel. Er hat schon ein gutes Konzept – das sind sicher keine alten Methoden.

Praktikum bei Stevens in Hamburg

Ich kann da ein bisschen aus meiner eigenen Zeit mit Huub Stevens erzählen. Schon als er 1996 zu uns nach Schalke kam, hat er ein sehr modernes Training gemacht. Und mit der Zeit hat er sich immer noch weiterentwickelt. Im Jahr 2008 habe ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Fußballlehrer bei ihm in Hamburg ein Praktikum gemacht. Ich war total erstaunt, wie viele technische Hilfsmittel er in der Zwischenzeit in seine Arbeit aufgenommen hat, um den Spielern ihre Werte über die Laufleistung oder die Zweikampfstärke vor Augen zu halten.

Auch gegen Schalke wird er jetzt alles tun, um das Spiel zu gewinnen. Nicht, um Schalke noch eins auszuwischen, sondern weil Huub einfach nicht verlieren kann. Deswegen wird er seine Jungs heiß machen und mit dem 4:1-Sieg vor einer Woche bei seinem Debüt in Freiburg im Rücken wird seine Mannschaft hinten mit Sicherheit schön stabil stehen. Das macht die Aufgabe für unsere Schalker noch schwieriger.

Aber unsere Mannschaft hat auch immer noch etwas gutzumachen. Ein Sieg gegen Mainz bedeutet nicht gleich Friede, Freude, Eierkuchen auf Schalke. Das Auftreten ist seit Monaten sehr instabil, und ich fürchte, dass bei einer Niederlage in Stuttgart die Reise nach Maribor in der nächsten Woche ein sehr schwieriges Unterfangen werden könnte. Allerdings wirkt Trainer Roberto Di Matteo sehr stabil und vielleicht ist in unserer Mannschaft ja auch der eine oder andere dabei, der gerade gegen Huub Stevens besonders motiviert ist.

Glückauf.