Schalke-Jungstar Max Meyer findet Vergleiche mit Julian Draxler unpassend

Manfred Hendriock
Freut sich aufs Derby gegen Borussia Dortmund: Schalke-Jungstar Max Meyer.
Freut sich aufs Derby gegen Borussia Dortmund: Schalke-Jungstar Max Meyer.
Foto: Getty Images
Schalkes Jungstar Max Meyer spricht vor dem Revierderby gegen Borussia Dortmund am Samstag über seine erste Schwärmerei, sein Herz für die Königsblauen, die auf Schalke legendäre Rückennummer sieben - und sein Zimmer bei den Eltern.

Gelsenkirchen. Max Meyer hat die Mütze tief im Gesicht, als er durch die Tür kommt, doch auf dem Sofa setzt er das Käppi sofort ab und zieht die Jacke aus. "Klar", sagt der 18-jährige Schalker Junge, er hat viel Zeit mitgebracht. Also spricht er nicht nur übers Derby gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr, live in unserem Ticker). Sondern auch darüber, wie alles begann.

Max Meyer, Schalkes Manager Horst Heldt hat sie einmal einen frechen Hund genannt...

Max Meyer: Auf dem Platz darf man auch nicht lieb sein. Sonst hat man keine Chance.

Meistens hört man von Ihnen aber nette Dinge. Zum Beispiel sind Sie einmal extra zum Training der Schalker U23 gegangen, um dort Ihrem ehemaligen Jugendtrainer Manfred Dubski zum 59. Geburtstag zu gratulieren.

Meyer: Ich habe Manni Dubski auch viel zu verdanken. Vor meinem Wechsel nach Schalke habe ich fünf Jahre in Duisburg gespielt, und am Anfang war die Umstellung nicht leicht – da hat mir Manni Dubski sehr geholfen. Er hat mich ja auch nach Schalke geholt.

Sie waren damals 14 Jahre. Wie haben Sie das wahrgenommen, dass alle großen Vereine aus dem Westen Sie haben wollten: Schalke, Gladbach, Leverkusen, Dortmund.

Meyer: Das freut einen natürlich, weil es ein Zeichen ist, dass man gut spielt. Ich habe mich dann mit meinem Vater beraten, was ich tun soll. Seine Meinung ist mir sehr wichtig, mit ihm bespreche ich mich auch heute noch.

War Schalke dann eine Wahl des Herzens, oder haben Sie den Verstand entscheiden lassen?

Meyer: Das mit dem Herz entwickelt sich – ich bin auf Schalke ganz schnell mit dem Fieber infiziert worden. Doch wenn ich ehrlich bin, war Borussia Mönchengladbach damals meine erste Wahl, weil ich dort viele Spieler schon kannte. Aber Gladbach wäre zu weit weg von zu Hause gewesen und auch schwierig mit der Schule (Max Meyer kommt aus Oberhausen, die Red.). Im Nachhinein bin ich natürlich sehr glücklich darüber, dass ich mich für Schalke entschieden habe.

Die Schule haben Sie mit 17 Jahren abgebrochen. Sie setzen ganz auf die Fußball-Karriere.

Meyer: Abgebrochen habe ich die Schule nicht – ich habe mit der mittleren Reife aufgehört. Wenn ich noch drei weitere Jahre die Schule besucht hätte, hätte das nicht so gut funktioniert. Mit dem Fußball ist man so oft unterwegs und verpasst dann eine Menge Stoff – deswegen musste ich die zehnte Klasse auch einmal wiederholen.

Im Fußball klappt’s umso besser: Sie stehen schon oft in Schalkes Start-Elf und haben in Pokal und Bundesliga Tore erzielt. Was war Ihr schönstes Erlebnis in diesen vergangenen Monaten?

Meyer: Da gab es so viele Highlights. Wie das Hinspiel gegen Saloniki, als ich das erste Mal von Anfang an spielen durfte. Und mein erstes Bundesliga-Spiel von Beginn in Hoffenheim, auch wenn wir das nicht gewonnen haben.

Und als nächstes kommt: Ihr erster Derby-Sieg gegen Dortmund?

Meyer: Wie es ist, wenn man gegen Dortmund gewinnt, habe ich beim letzten Mal schon erlebt. Da saß ich zwar nur auf der Bank, aber wir haben gewonnen. Ich hoffe, dass schaffen wir diese Saison auch.

Schalke hat Ihnen vor der Saison die legendäre Rückennummer sieben von Raúl gegeben. Im ersten Moment mussten Sie schlucken…

Meyer: Ja, denn ich habe schon darüber nachgedacht, wie wohl die anderen Spieler reagieren werden, wenn ich mit 17 Jahren die Sieben bekomme. Es gab auch ein paar Sprüche, aber die waren nur Spaß. Und ich weiß ja auch, dass das ein Ansporn von Horst Heldt sein sollte. Dieses Vertrauen versuche ich nun zurückzugeben.

Sie werden immer wieder mit Julian Draxler verglichen – ist das berechtigt?

Meyer: Zunächst einmal freut mich das, weil Julian ein super Fußballer ist. Aber am Ende steht jeder Spieler für sich, und deswegen finde ich solche Vergleiche eigentlich eher unpassend.

Dabei wollten wir Sie jetzt mit Thomas Häßler vergleichen, dem Sie als Spielertyp sehr ähnlich sind…

Meyer: Das habe ich schon oft gehört, auch von Manni Dubski. Doch ich weiß gar nicht, wie Thomas Häßler gespielt hat – ich habe ihn nie bewusst erlebt (bei Häßlers letztem Bundesliga-Spiel 2003 war Meyer sieben Jahre alt).

Haben Sie auch so einen Karriere-Plan wie Julian Draxler, der gerne eines Tages bei einem ganz großen europäischen Verein spielen möchte, oder spielt das mit 18 Jahren bei Ihnen noch keine Rolle?

Meyer (zögert): Doch, man hat so etwas schon im Hinterkopf, jeder Spieler träumt davon, in seiner Karriere einmal bei einem noch größeren Verein zu spielen. Wenn man sportlich soweit ist und den Schritt wagen möchte, dann sollte man es auch machen. Aber das ist so weit weg, ich möchte mich auf Schalke durchsetzen. Und wer weiß: Vielleicht werden wir mal so gut, dass ich hier gar nicht mehr weg muss.

Schalkes Max Meyer über sein Elternhaus in Oberhausen 

Sie wirken sehr heimatverbunden. Ihr Elternhaus in Oberhausen, wo Sie nach wie vor wohnen, haben Sie neulich mal als Ihren Lieblingsort bezeichnet.

Meyer (lacht): Ja, ich fühle mich hier einfach wohl. Meine Eltern machen alles für mich. Sie sind auch bei fast jedem Spiel dabei.

Also leben Sie noch in Ihrem Jugendzimmer – mit Postern von Stars an der Wand?

Meyer: Poster habe ich nie an der Wand gehabt. Aber mein Zimmer ist nie aufgeräumt. Da meckert meine Mutter dann immer, doch da muss sie durch, wenn sie will, dass ich zu Hause wohnen bleibe.

Über die Poster wollten wir herausfinden, für wen Sie als kleiner Junge geschwärmt haben…

Meyer: Ich weiß gar nicht, ob ich das sagen kann. Ganz, ganz früher war es Bayern München, aber das ist wirklich sehr lange her.

Mit 18 sind Sie nun volljährig. Was bedeutet es Ihnen zum Beispiel, jetzt alleine Auto fahren zu dürfen?

Meyer: Man ist viel freier, einfach unabhängiger.

Menschen, die Sie gut kennen, sagen: Sie treten nicht überheblich auf, weil Sie ein gutes Elternhaus haben.

Meyer: Stimmt. Mir wurde zu Hause immer gesagt, dass ich bescheiden bleiben soll – egal wie gut es läuft. Ich fühle mich bestimmt nicht als etwas Besseres, weil ich Fußballer bin.

Was sagt Ihnen der Name Hermann Gerland?

Meyer: Ich finde seinen Humor klasse. Ein guter Typ, so wie er auftritt.

Dem Schalker Jahrbuch haben Sie anvertraut, dass Sie sich mit Gerland gerne mal über Fußball unterhalten würden. Weil er so gut mit jungen Spielern kann?

Meyer: Durch seine Schule sind Spieler wie Schweinsteiger, Lahm oder Hummels gegangen. Das zeigt: Der Mann hat Ahnung.