Schalke hat das Europa-League-Ticket noch selbst in der Hand

Manfred Hendriock
Acht Wochen ist das schon her: Max Meyer und Tranquillo Barnetta bejubeln Schalkes 3:1-Sieg gegen Hoffenheim.
Acht Wochen ist das schon her: Max Meyer und Tranquillo Barnetta bejubeln Schalkes 3:1-Sieg gegen Hoffenheim.
Foto: imago
Seit dem 7. März hat der FC Schalke 04 kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Am Samstag muss das Team gegen den VfB Stuttgart eine Reaktion zeigen.

Gelsenkirchen. Der 7. März war ein guter Tag für den FC Schalke 04, und deswegen haben wir für extra noch einmal ein Foto von diesem Tag herausgesucht: Es zeigt den Jubel der Schalker Spieler beim 3:1-Sieg gegen 1899 Hoffenheim – es war Schalkes bislang letzter Erfolg in der Fußball-Bundesliga. Drei Tage später folgte noch das – letztlich wertlose – 4:3 in der Champions League bei Real Madrid, und seitdem hat Schalke bis zum heutigen Tag kein Spiel mehr gewonnen – quälend lange Wochen durch den gesamten April.

Und dennoch haben es die Königsblauen immer noch selbst in der Hand, wenigstens noch das Trostpreis-Ticket für die Europa League zu lösen und damit das Allerschlimmste in dieser so freudlosen Saison abzuwenden: An diesem Samstag (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) kommt der VfB Stuttgart in die Arena – mit einem Sieg könnte viel zur Beruhigung der Lage getan werden.

Es liegt nur an Schalke.

Seit dem Donnerstag ist die Mannschaft aus dem Trainingslager in Marienfeld zurück, wo Roberto Di Matteo mit den Spielern in Klausur gegangen war – „in außergewöhnlichen Situationen muss man außergewöhnliche Maßnahmen treffen“, sagt der Trainer. Sie haben öffentlich gedroht (Urlaubskürzung beim Verpassen der Europa League), intern gemaßregelt (keine Prämienauszahlung für den Einzug ins Achtelfinale der Champions League) und auch die Frage der Ehre gestellt(wer nicht mitziehen wollte, hätte sich vor dem Trainingslager abmelden können). Am Ende der Woche glaubt Manager Horst Heldt nun: „Ich denke, dass wir die Situation in den Griff bekommen.“ Doch zeigen müssen sie dies jetzt gegen Stuttgart.

Es liegt nur an Schalke.

So angespannt die Lage ist, so klar ist doch auch: Wenn die Mannschaft auf dem Rasen Signale aussendet, dass sie den Fight um ihre Ehre annehmen will, dann wird auch das Publikum hinter dem Team stehen – das ist auf Schalke immer so. Die Frage ist nur, wer am meisten dafür bereit ist – oder: wer am meisten dazu in der Lage ist. Erfahrene Spieler wie der seit Wochen verschmähte Kevin-Prince Boateng? Oder doch lieber junge und hungrige Kicker vom Schlage eines Max Meyer oder Leroy Sané, die vielleicht in dieser Phase mehr Kredit beim Publikum haben?

Roberto Di Matteo lässt sich dazu vorab nicht in die Karten schauen, mögliche Änderungen in der Mannschaftsaufstellung will er von den allerletzten Eindrücken abhängig machen. Lediglich einen Hinweis ließ er erkennen: Boateng spielt bei ihm keine Rolle als ordnender Sechser im defensiven Mittelfeld – „ich sehe ihn mehr im offensiven Bereich“. Somit darf man gespannt sein, ob der Trainer andere Alternativen zu der Doppel-Sechs mit Roman Neustädter und Dennis Aogo findet – zu zwei Spielern, die die Geduld der Fans längst (über-)strapaziert haben.

Die angeschlagenen Schalke-Spieler sind dabei

Klar soll sein: Für Marco Höger kommt nach seinem Bänderriss ein Einsatz noch zu früh, während die unter der Woche angeschlagenen Joel Matip, Sead Kolasinac und Jefferson Farfan seit Donnerstag wieder im Mannschaftstraining stehen. Julian Draxler musste sich diesbezüglich noch bis zum Freitag gedulden: Er hatte im Training noch einem langen Schritt wieder Beschwerden im Oberschenkel, die jedoch nicht als beunruhigend empfunden werden. Ein Einsatz von Beginn an dürfte aber noch nicht zur Debatte stehen – genauso wenig wie bei Leon Goretzka, der nach seiner langen Pause lieber erstmal kleine Schritte macht, um wieder in den Rhythmus zu kommen.

Doch egal, wer heute auf dem Platz steht: Es liegt an Schalke, jetzt eine Reaktion zu zeigen. Der schwarze April ist vorbei.