Schalke hält an Luginger fest und glaubt an Elgert-Verbleib

"Diese Entwicklung spricht für den Trainer": Oliver Ruhnert, Direktor der Knappenschmiede, zur Vertragsverlängerung mit Jürgen Luginger.
"Diese Entwicklung spricht für den Trainer": Oliver Ruhnert, Direktor der Knappenschmiede, zur Vertragsverlängerung mit Jürgen Luginger.
Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services
Oliver Ruhnert, der Direktor der Knappenschmiede, erklärt zudem im Interview, dass Christian Pulisic auch auf Schalke ein Thema war.

Gelsenkirchen.. Wenn die Knappenschmiede als das Herz des FC Schalke 04 gilt, dann gibt Oliver Ruhnert (43) den Takt vor: Im Interview mit dieser Redaktion spricht der Direktor über die Nachwuchsarbeit, über die Jagd nach den Stars von morgen und über die Kontinuität im Trainerbereich. Auch bei Norbert Elgert gibt Ruhnert die Hoffnung nicht auf.

Herr Ruhnert, wie weit sind Sie mit den Planungen für die neue Saison der Knappenschmiede?

Oliver Ruhnert: Ich kann hier bekanntgeben, dass Jürgen Luginger auch in der kommenden Saison unser U23-Trainer sein wird und wir seinen Vertrag um ein Jahr verlängert haben. Unter seiner Leitung war das Team im zweiten Jahr in Folge in der Rückrunde deutlich stärker als in der Hinserie. Das ist ein Zeichen, dass Mannschaft und Trainer sich die Dinge gemeinsam erarbeiten - eine solche Entwicklung spricht für den Trainer.

Inwieweit war Schalkes künftiger Sportvorstand Christian Heidel schon an dieser Entscheidung beteiligt?

Ruhnert: Horst Heldt und ich haben diese Thematik schon seit längerer Zeit besprochen, aber da es um die neue Saison geht, war Christian Heidel natürlich involviert. Er trägt die Entscheidung mit, denn er hat ja auch die Entwicklung in der Rückrunde verfolgt und sieht ebenfalls keinen Grund, alles über Bord zu werfen.

Heidel kommt aus Mainz, dort spielt die U23 in der dritten Liga. Ist das auch das Ziel für Schalkes Zweite?

Ruhnert: Wenn man von der dritten Liga spricht, muss man zwei Dinge im Fokus haben. Erstens: Die Infrastruktur muss passen. Ab Januar 2018 soll im Idealfall das neue Stadion für die Knappenschmiede soweit stehen, dass wir unsere Heimspiele dort austragen können. Und zweitens: Wie ist die allgemeine Ausrichtung der U23? Das werden wir in Ruhe in den nächsten Monaten besprechen. In der kommenden Saison gibt es nicht viele Erstligisten, die eine U23 in der dritten Liga haben. Neben Mainz wahrscheinlich nur Wolfsburg, das aufsteigen kann.

Vereine wie Leverkusen und Bochum haben ihre U23 vor einem Jahr abgeschafft. Welchen Wert hat die U23 für Schalke?

Ruhnert: Es gibt zum einen eine soziale Notwendigkeit, bei der es darum geht, den A-Jugendlichen nach dem Übergang in den Seniorenbereich einen Anschluss zu bieten - sonst würden viele Jungs verloren. Bei uns haben sie die Sicherheit, weiter auf Schalke ausgebildet zu werden. Der zweite Aspekt: Jungprofis, die in der Bundesliga noch nicht zum Einsatz kommen, brauchen eine Spielmöglichkeit. Die Sinnhaftigkeit einer U23 ist definitiv vorhanden. Bei möglichen Reformen geht es um die Liga und den Wettbewerb, in dem sie spielen.

Welche Reformen sind angedacht?

Ruhnert: Ein Modell, das diskutiert wird, ist eine deutschlandweite zusätzliche Regionalligastaffel, in der nur U23-Mannschaften spielen - mit Auf- und Abstieg in die dritte Liga. Sie können sicher sein: Dem DFB ist es ein Dorn im Auge, dass so viele Vereine ihre U23 zurückgezogen haben, denn dadurch gehen Top-Talente verloren. Deswegen wird überlegt, bessere Strukturen zu schaffen.

Wie viel Geld kostet Schalke die U23 pro Jahr?

Ruhnert: Es gibt da kein Budget, an dem man das festmachen kann, aber klar ist, dass der Verein sich dies etwas kosten lässt. Man muss aber auch sehen: Ein Spieler wie Philipp Max, der heute in Augsburg in der Bundesliga spielt, hat sich über unsere U23 dorthin entwickelt, und davon profitiert auch Schalke (Anm. der Red.: Vor einem Jahr kassierte Schalke 700.000 Euro für Max). Auch Sead Kolasinac hat nach der A-Jugend ein halbes Jahr in der U23 gespielt, so wie es heute Thilo Kehrer, Marvin Friedrich und Alexander Nübel tun. Es ist richtig, dass Schalke immer an der U23 festgehalten hat und dass auch der künftige Manager bekräftigt hat, dies tun zu wollen.

Steht schon fest, welche Spieler aus der aktuellen U19 aufrücken werden?

Ruhnert: Fabian Reese und Christian Sivodedov haben schon Lizenzspielerverträge, Joshua Bitter ist auf dem Weg dorthin. Aber auch alle anderen Spieler, auf die wir Wert legen, sind schon an den Verein gebunden worden. Und Anfragen gibt es für viele Jungs…

Haben Sie sich eigentlich schon auf die Suche nach einem Nachfolger für Norbert Elgert gemacht, der ja seine Zukunft auf Schalke selbst infrage gestellt hat?

Ruhnert: Am Ende kennt die Zukunft von Norbert Elgert nur Norbert Elgert selbst. Er weiß, was für ihn sinnvoll ist, und ich glaube, dass er sich bei uns nach wie vor sehr wohl fühlt. Er wird seinen Vertrag, der noch zwei Jahre bis 2018 läuft, sicher erfüllen und ich habe den Eindruck, dass er sich gut vorstellen kann, auch darüber hinaus hier zu arbeiten.

Das wäre ein für Schalke erfreulicher Sinneswandel…

Ruhnert: Norbert Elgert hat seine Äußerungen ja sehr schnell relativiert und gesagt, dass das nicht so definitiv gemeint war. Wir haben einen Trainer, der deutschlandweit sehr hoch angesehen wird. Es ist durchaus so, dass mögliche Neuzugänge oder deren Eltern wissen wollen, ob er weiterhin der Trainer ist - dann sagt er, dass er seinen Vertrag erfüllen wird. Und ich kenne Norbert Elgert so, dass sein Wort zählt.

Sie sprechen das Thema Neuzugänge selbst an: Gibt es schon neue Spieler für die U19?

Ruhnert: Fest ist noch nichts. Aber ich habe mit dem bisherigen und mit dem neuen Manager entsprechende Gespräche geführt. Vor diesem Hintergrund bin ich zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, wieder ein oder zwei ambitionierte Spieler zu verpflichten, die über die A-Jugend hinaus bei Schalke 04 eine Perspektive haben.

Im Winter haben Sie mit Haji Wright, Alper Ademoglu und Bernard Tekpetey drei Spieler aus dem Ausland nach Schalke geholt. Ist das ein Trend, dass man sich künftig in der ganzen Welt nach Talenten umsehen muss?

Ruhnert: Das ist eine gute Frage, zumal es das auch schon in der Vergangenheit gab. Man darf nicht vergessen, dass wir beispielsweise auch Carlos Zambrano oder Levan Kenia für die damalige U19 verpflichtet haben Fakt ist aber, dass sich die globale Entwicklung auch im Fußball weiter fortsetzt. Dabei geht es um junge Fußballer, die erkennbare Ausnahmespieler in ihren Jahrgängen sind. Wenn wir solche Spieler sehen, ist es eine Verpflichtung für uns, zu versuchen, sie für Schalke zu gewinnen. Bei ihnen steht weniger im Fokus, woher sie kommen, es geht vielmehr darum, was sie mitbringen. In diesem Kontext ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir Christian Pulisic, der jetzt in Dortmund ist, auch gerne verpflichtet hätten. Denn der Trend geht dahin, dass Top-Talente aus anderen Nationen immer früher geholt werden. Oft hat man nur dann die Chance, sie überhaupt verpflichten zu können – wenn sie hingegen schon ein oder zwei Jahre in der ersten Liga gespielt haben, wird es angesichts der Summen, die da kursieren, deutlich schwieriger. Da muss man abwägen, welche Risiken man bereit ist, einzugehen - auch finanziell. Neben Schalke gibt es ja auch andere Vereine, die verstärkt in die Jugendarbeit investieren - noch mehr als wir.

Das heißt, es gab ein Bieten zwischen Borussia Dortmund und Schalke um Pulisic?

Ruhnert: Nein, überhaupt nicht. Wir haben Wright und Pulisic vor eineinhalb Jahren bei einem Turnier gesehen und wollten beide Spieler haben, weil wir sie außergewöhnlich fanden. Doch bei inzwischen 51 Nachwuchsleistungszentren bleibt ein Talent nicht lange verborgen und so waren wir nicht die einzigen, die das erkannt haben - leider hatte Pulisic schon seine Zusage in Dortmund gegeben, und das mussten wir dann auch akzeptieren. Haji Wright haben wir verpflichten können, er hat ebenso wie Alper Ademoglu noch ein ganzes Jahr A-Jugend vor sich. Beide zeigen gute Ansätze, aber auch sie müssen sicherlich noch einige Dinge erlernen.

Schmerzt es Sie eigentlich, dass der BVB in diesem Jahr mal die Nase vorn hat in der Jugend?

Ruhnert: Es ist natürlich schöner, wenn wir vorne stehen. Aber wenn ich die Tabellen der vergangenen fünf Jahre sehe, dann waren wir viermal vorne. Und die Dortmunder haben mit 1997 und 1998 absolute Ausnahme-Jahrgänge in ihren Reihen. Nach dieser Saison kann ich sagen, dass der Abstand da nicht mehr so groß ist wie zuvor. Wir haben in allen Leistungsmannschaften - U17, U19, U23 - kein Spiel gegen Dortmund verloren.

Sie haben in den vergangenen Jahren sehr eng mit Horst Heldt zusammengearbeitet. Sind Sie traurig, dass er geht?

Ruhnert: Ja, absolut. Wir haben ein absolutes Vertrauensverhältnis aufgebaut, deswegen bin ich natürlich traurig, dass er künftig nicht mehr zuständig ist. Aber wir sind im Fußball, und da ist das so. Auf der persönlichen Ebene werden wir das beibehalten. Und ich habe auch beim neuen Manager ein sehr, sehr gutes Gefühl und freue mich auch da auf die Zusammenarbeit.

Wie wichtig ist es für Sie, dass die U17 in diesem Jahr Zweiter der Bundesliga wird und damit um die Deutsche Meisterschaft spielt?

Ruhnert: Ich weiß gar nicht, ob mir das so wichtig ist wie unserem Trainer Frank Fahrenhorst (lacht). Meisterschaften sind immer etwas Schönes, aber nicht das Entscheidende. Wir haben in dieser Saison mehr erreicht, als wir vorher hoffen durften - Dortmund und Leverkusen schienen bei der U17 sehr weit weg zu sein. Aber wir haben mit den Spielern, die wir dazu geholt haben, sehr gut gelegen. Dass uns das gelungen ist, stimmt mich sehr zufrieden. Wenn wir jetzt noch um die Meisterschaft spielen dürften, wäre das ein zusätzliches Bonbon - aber es wäre nicht entscheidend. Doch wehren würde ich mich dagegen auch nicht...

 
 

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