Schalke gelingen Big Points gegen Wolfsburg - 2:1

Ralf Wilhelm
Königsblauer Jubel dank Kevin-Prince Boateng.
Königsblauer Jubel dank Kevin-Prince Boateng.
Foto: dpa
Schalke 04 hat am 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga Big Points gelandet. Gegen den direkten Konkurrenten VfL Wolfsburg gelang der Elf von Jens Keller ein 2:1-Erfolg. Kevin-Prince Boateng hatte wieder einmal großen Anteil am Erfolg der Gelsenkirchener, die das Match in Überzahl beendeten.

Gelsenkirchen. Big Points für den FC Schalke 04. Der 2:1 (1:0)-Sieg gegen den VfL Wolfsburg kann noch Gold wert sein in der Endabrechnung. Zumindest in der Momentaufnahme verschafft er dem Team von Trainer Jens Keller ein wenig Luft im engen Konkurrenzkampf ums internationale Geschäft. Mit diesem Dreier hat Königsblau erst einmal vier Punkte Vorsprung auf den unmittelbaren Rivalen und kann den Blick wieder auf die Champions League-Plätze richten. Es war allerdings wieder mal ein hartes Stück.

Vor der Partie wurde es noch einmal feierlich: Julian Draxler erhielt die Auszeichnung zum „Tor des Jahres“ der ARD-Sportschau, stellvertretend für den Kollegen Raul, der das Tor letztlich erzielte. Eins für die Ewigkeit – und nichts für den Alltag.

Der begann kurz darauf mit einer fünfminütigen Anlaufzeit gegen den VfL Wolfsburg, die Herrschaften hatten mordsmäßigen Respekt voreinander. Die Gastgeber waren es, die ihn zuerst ablegten. Acht Minuten waren gespielt, als Chinedu Obasi, der für den verletzten Christian Fuchs mal wieder eine Chance von Beginn an erhielt, auf Prince Boateng passte. Der Deutsch-Ghanaer lag quer in der Luft, doch seinen Seitfallschuss lenkte VfL-Keeper Diego Benaglio mit den Fingerspitzen in Weltklasse-Manier zur Ecke. Die Durchschnaufphase dauerte für Wolfsburg genau 30 Sekunden: Ecke Farfan, Boateng köpft die Kugel im Fallen gegen das Schulter-Eckgelenk des heranstürzenden Felipe Santana – und der Ball kullert in Slow-Motion über die Linie. Eine Szene, die heute die Fußballexperten wieder vor- und zurückspielen werden. Aber am Ergebnis ist nichts mehr zu rütteln: 1:0 für Schalke.

Vielleicht war es das in dieser Saison ungewohnte Gefühl einer Heimführung, jedenfalls war dies die letzte gefährliche Aktion für Königsblau in der ersten Hälfte. Sie ließen sich von stürmenden Wolfsburgern, bei denen Neuzugang Kevin de Bruyne den diegofreien Raum im Mittelfeld weidlich ausfüllte, immer mehr hinten hereindrängen. Die Abwehr stand nun im Blickpunkt, allen voran der vorzügliche Ralf Fährmann.

Nach 18 Minuten hatte auch Schalkes Torhüter Glück, als die Kugel im Netz lag, aber Wolfsburgs Naldo hatte bei seinem Kopfball auch Abwehrspieler Santana umgerammt – kein Tor. Die Schalker blieben aber anfällig für schnell vorgetragene Wolfsburger Angriffe. Ivica Olic schimpfte wie ein Rohrspatz, weil Ivan Perisic zu ungenau von der linken Seite geflankt hatte und den freistehenden Kroaten in der Mitte einfach übersah.

Dann kam Fährmann: Einen 25-Meter-Kracher von Patrick Ochs lenkte der Lange über die Latte (21.). Sensationell seine Parade, nach einem Freistoß von Ricardo Rodriguez, als er einen Kopfball von Luiz Gustavo aus kurzer Distanz entschärfte (25.). Und als Rodriguez in den Lauf von Olic spielte, war Fährmann einen Tick eher zur Stelle (41.). Die Pause unterbrach endlich diese lange Wolfsburger Drangphase, der Schalker Applaus klang auch ein wenig erleichtert.

Unverändert kamen beide Teams, für die Gäste hatte dies nur noch fünf Minuten unfreiwilligen Bestand: Felipe Santana hatte Daniel Caligiuri auflaufen lassen, doch der Freistoßpfiff durch Schiedsrichter Wolfgang Stark blieb aus. Der Wolfsburger war mit dieser Entscheidung wohl nicht einverstanden, was er dem Linienrichter in einem kurzen Plausch wohl mitteilte. Offensichtlich zu drastisch – jedenfalls zog Start glatt Rot! Nun waren die Wölfe endgültig gereizt. Und hätten fast die Übersicht verloren, als Klaas-Jan Huntelaar völlig frei vor Benaglio auftauchte, aber drei Meter am langen Pfosten vorbei zielte (53.).

Nach einer Stunde wurde das Personal auf beiden Seiten gewechselt, planmäßig. Für Obasi, der sich bemüht hatte, in vielen Situationen aber noch unglücklich agierte, kam Leon Goretzka. Und auf Gästeseite ging Olic und machte Platz für Bas Dost – ein anderer Stürmertyp, der eine Etage höher agiert.

Boatengs individuelle Klasse sorgte für den Unterschied

Von numerischer Überlegenheit war auch in der Folgezeit nichts zu sehen. Und nach 65 Minuten war auch das Ergebnis wieder ausgeglichen: Perisic durfte auf der linken Angriffsseite gemütlich in den Strafraum marschieren und Maxi Arnold, einer aus der eigenen und vorzüglichen Jugendschmiede den Abpraller über die Linie bugsieren. Der Ausgleich hatte sich angekündigt, war längst verdient, was auch das zunehmend unruhiger werdende Schalker Publikum mit Murren registrierte. Nach 72 Minuten schwoll der Unmut an zu einem wütenden Pfeifkonzert: Maxi Arnold verfolgte Farfan in den Strafraum und brachte ihn zu Fall. Schiedsrichter Stark war bei dieser Aktion sogar in die Hocke gegangen, um freie Sicht auf die Szene zu bekommen; was er sah, war anscheinend nicht elfmeterwürdig.

Die Partie bog auf die Zielgerade und es wurde deutlich: Ein individueller genialer Moment aus dem Mittelfeld musste her, wenn diese drei Punkte noch am Schalker Markt bleiben sollten, zumal Boateng und Huntelaar in vorderer Reihe einfach nicht mehr stattfanden. Und es war einer, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war: Roman Neustädter, der bis dahin überhaupt keine Akzente gesetzt hatte, spielte den tödlichen Pass in den Strafraum – und Boateng tauchte aus dem Nichts wieder auf und vollendete zum 2:1 (80.).

Danach machte Jens Keller die Schotten dicht: Kaan Ayhan für Torschütze Boateng, Risiko herunterfahren, drei Punkte einfahren. Es glückte, auch wenn Torhüter Fährmann gegen einen De-Bruyne-Schuss (90.) noch einmal die Fäuste ausfahren musste. Durchatmen!