Schalke friert die Champions-League-Prämien ein

Andreas Ernst
Allein auf dem Trainingsplatz: Schalke-Trainer Roberto Di Matteo verbringt vier Tage in der westfälischen Abgeschiedenheit.
Allein auf dem Trainingsplatz: Schalke-Trainer Roberto Di Matteo verbringt vier Tage in der westfälischen Abgeschiedenheit.
Foto: imago
Mit "kurzfristigen Entscheidungen" drohte Schalke-Manager Horst Heldt nach dem 0:2 in Mainz. Wir listen den Maßnahmenkatalog der Königsblauen auf.

Essen. Mit der finstersten Miene, die er gerade aufsetzen konnte, kam Schalke-Manager Horst Heldt nach dem enttäuschenden 0:2 (0:2) beim FSV Mainz 05 in die Mixed Zone. Nach dem Abpfiff hatte er erst einmal ein paar Zigaretten geraucht, um sich zu beruhigen. Danach kündigte Heldt "kurzfristige Entscheidungen" an - und das klang zunächst nach Populismus. Am Samstagmorgen sprach Heldt lange mit Trainer Roberto Di Matteo. Danach verkündeten die Beiden die Maßnahmen. Das Signal ist klar: Die Verantwortung für die desaströse Rückrunde geben die Bosse den Spielern - und nicht etwa Trainer Di Matteo. Wir listen Heldts "kurzfristige Entscheidungen" auf:

1. Trainingsfreie Tage können auf Schalke gestrichen werden

Schon am Samstag hätten die Schalke-Profis laut Trainingsplan eigentlich einen freien Tag genießen können - gestrichen nach der Niederlage in Mainz. Auch für die Zukunft behält sich Di Matteo vor, den Plan zu modifizieren, um das Ziel "Europa League" noch zu erreichen.

2. Viertägiges Trainingslager in Marienfeld mit verschärften Regeln

Normal sind Trainingslager vor Saisonbeginn, in der Winterpause, nach Trainerwechseln oder bei Mannschaften in Abstiegsgefahr. Dass ein Team, das um den Einzug ins internationale Geschäft kämpft, noch einmal mehrere Tage unter Ausschluss der Öffentlichkeit übt, ist sehr ungewöhnlich. Genauso wie die verschärften Regeln:

  • Keine Einzelzimmer, keine Auswahl des Zimmerpartners! Das soll den Teamgeist verbessern - offenbar hat Di Matteo hier Schwächen ausgemacht. Nur die Langzeitverletzten fehlen im "Hotel Klosterpforte".
  • Keine Besuche! Die Schalke-Spieler sollen durch nichts abgelenkt werden. Gerade in der Winterpause gehen zum Beispiel die Spielerberater gern in den Hotels ein und aus.
  • Viele Einzelgespräche! Di Matteo und Manager Horst Heldt wollen in Marienfeld reden, reden, reden.
  • Konzentration auf die Trainingseinheiten! Di Matteo will sein Team in Ruhe auf den nächsten Gegner VfB Stuttgart vorbereiten.

3. Schalke-Manager Horst Heldt fährt mit

Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies formulierte im Sport1-Doppelpass klare Forderungen an Manager Heldt:

  • Den Kader umbauen.
  • Alle Spieler auszusortieren, die nicht bereit sind, "zu laufen".

Heldt begleitet die Mannschaft nach Marienfeld und wird jeden Spieler genau beobachten. Wer nicht mitzieht, dürfte schlechte Karten haben.

4. Prämien für das Erreichen des Champions-League-Achtelfinals sind gestrichen

Wie WAZ.de exklusiv berichtete, hat Schalke die freiwillig in Aussicht gestellte Prämie für das Erreichen des Achtelfinals gestrichen. Nur wenn Schalke die Saison erfolgreich beendet, wird das Geld ausgezahlt. Populistische Maßnahmen wie die Kürzung der Gehälter könnte Schalke zwar ankündigen, aber nicht umsetzen - aus arbeitsrechtlichen Gründen.

5. Urlaubskürzung beim Verpassen des Minimal-Ziels Europa League

Sollten die Schalker wirklich noch die Teilnahme an der Europa League verpassen, wird der Urlaub gekürzt. Nach dem letzten Saisonspiel beim Hamburger SV (Samstag, 23. Mai, 15.30 Uhr) müssten die Spieler zehn Tage länger in Gelsenkirchen bleiben und noch einige Freundschaftsspiele bestreiten.

6. Schalke-Trainer Roberto Di Matteo wird geschützt

Tönnies und Heldt lobten den zuletzt erfolglosen Trainer in allen Interviews und bezeichneten ihn mal als "bienenfleißig", mal als "akribischen Arbeiter". Bisher blieb Di Matteo aber vieles schuldig. Dass er nun die Möglichkeit bekommt, sein Team eine Woche lang nach seinen Wünschen auf das nächste Spiel vorzubereiten, ist ein Vertrauensbeweis. "Wir stellen den Trainer nicht infrage", erklärt Heldt.

Sollte Schalke aber das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart vergeigen, dürfte die Stimmung in der Arena kippen und auch Di Matteo in die Schusslinie der Bosse geraten. Tayfun Korkut halfen die Tage in der Mähdrescherstadt Marienfeld nicht. Kurze Zeit später musste er gehen - trotz aller Treueschwüre.