Schalke-DNA allein reicht für einen optimalen Trainer nicht

Reinhard Schüssler
Mit der belgischen Nationalmannschaft ist Marc Wilmots erfolgreich - doch ist er auch der richtige Coach für Schalke 04?
Mit der belgischen Nationalmannschaft ist Marc Wilmots erfolgreich - doch ist er auch der richtige Coach für Schalke 04?
Foto: imago/Panoramic International
Um Schalke 04 auf Kurs zu bringen, bedarf es mehr als nur der Klub-DNA, die für Marc Wilmots spricht. Doch wer soll es sonst machen? Ein Kommentar.

Essen. Liebe macht blind. Und Angst ist ein schlechter Ratgeber. Beim FC Schalke 04 kommt derzeit beides zusammen. Was die aktuellen Probleme naturgemäß verschärft. Weil die Vereinsführung durch den Fehlgriff mit Roberto Di Matteo unter Zugzwang steht, dürfte sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein. Die Frage ist: Traut sie sich, einen Coach zu engagieren, von dem sie zwar überzeugt ist, der aber nicht die höchste Akzeptanz bei den frustrierten Anhängern genießt? Oder hört sie, um vermeintlich auf Nummer sicher zu gehen, allein auf Volkes Stimme?

Womit wir bei Marc Wilmots, einem Liebling der Fans, wären. Angesichts des zuletzt so blutleeren königsblauen Fußballs erfüllt der „Eurofighter“ mit dem bezeichnenden Spitznamen „Kampfschwein“ wie kein zweiter die Bedürfnisse der Schalker Seele.

Zeitungsboulevard bedient Gefühle der Schalke-Fans

Aber reicht das aus, um eine verunsicherte Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen? Statt freilich Wilmots Fähigkeiten zu diskutieren, bedient vor allem der Zeitungsboulevard ausschließlich die Gefühle der Fans und verstärkt sie noch, indem täglich andere Experten, vorzugsweise selbst ehemalige „Eurofighter“ (Thon, Anderbrügge), versichern dürfen, dass Wilmots selbstverständlich „Schalke kann“.

Gegen den 46-Jährigen spricht, dass er als Vereinstrainer noch ein unbeschriebenes Blatt ist, sieht man von zwei (erfolglosen) Kurzzeit-Jobs auf Schalke (2003) und beim belgischen Klub VV St. Truiden (2004) ab. Für ihn, dass er in Belgien hochkarätige Talente und erfahrene Profis zu einem erfolgsversprechenden Nationalteam geformt hat.

Schalke braucht einen Trainer, der seine Philosophie durchsetzt

Und, in einem sensiblen Umfeld nicht unwichtig: dass er wohl auf Anhieb die sich zuletzt aufgetane Kluft zwischen Vereins und Fans wieder schließen könnte.

Gleichwohl wäre es fahrlässig, einen Trainer allein deshalb zu verpflichten, weil diesem die Klub-DNA zugeschrieben wird. Man sollte schon überzeugt davon sein, dass er ein Team disziplinieren und mit ihm eine Spielphilosophie durchsetzen kann. Warum bloß beschleichen einen Zweifel, dass die aktuelle sportliche Leitung von S04 zu einer solchen Beurteilung befähigt ist?!