Schalke diskutiert über die Haltung der Zuschauer

Nach dem 1:1 gegen den Außenseiter FSV Mainz 05 fordert Schalke-Manager Horst Heldt von den hörbar kritischen Anhängern mehr Gespür für Realität. Die Mannschaft könne nicht „durch die Liga fliegen und jeden Gegner schlagen“.

Gelsenkirchen.. Keine Reaktion ist auch eine. Als das Spiel zwischen Schalke 04 und Mainz 05 beendet war, kam von den Rängen nichts Bemerkenswertes. Kein Applaus, keine Pfiffe – Schalkes Anhänger, gewöhnlich für die Inszenierung großer Gefühle zuständig, verharrten in Lethargie. Kaum jemand konnte das Geschehene und Gesehene richtig einordnen, weder sportlich noch emotional. Sollte man sich nun ärgern über das 1:1 gegen einen Außenseiter, das seine Ursache in einer indiskutablen Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit hatte? Oder sollte man am Ende doch froh darüber sein, dass wegen einer deutlichen Steigerung in der zweiten Hälfte wenigstens noch der Ausgleich gelang? Im engen Gerangel an der Spitze war dies zwar ein Rückschlag für die Königsblauen, aber eben nur ein kleiner.

Dabei hatte es Trainer Huub Stevens doch so gut gemeint: Fünf Offensivkräfte in der Anfangsformation waren allerdings definitiv zu viele. Ein Angriffsfeuerwerk kam nie zustande, weil sie in einer Linie auf der Lunte standen. Zu wenig Bewegung, zu wenig Tempo, zu wenig Kreativität – dem Schalker Spiel fehlte 45 Minuten lang jegliche Inspiration.

Ausgerechnet der Ex-Dortmunder Zidan trifft für Mainz 05

Die Zuschauer wunderten sich über diese Starre. Schon früh kam ein Raunen von den Rängen, wenn Chinedu Obasi den Ball zu lange hielt, wenn Christian Fuchs mit einem Querschläger einen gegnerischen Konter einleitete, wenn Joel Matip beim Aufbauversuch hängenblieb. Schalke erspielte sich bis zur Pause keine einzige Torchance – und lag seit der 15. Minute mit 0:1 im Rückstand. Getroffen hatte ausgerechnet der erst wenige Tage zuvor aus Dortmund nach Mainz zurückgekehrte Ägypter Mohamed Zidan.

„Irritiert“ sei er wegen der Reaktionen des Publikums gewesen, sagte Schalke-Manager Horst Heldt. „Die Zuschauer schienen ein bisschen nervös zu sein, nach Ballverlusten wurde es schnell hektisch. Sie dürfen ja auch pfeifen, aber doch bitte nicht gleich beim ersten Fehlpass.“ Heldt meinte, dies sei „der hohen Erwartungshaltung geschuldet, die nach mehreren Siegen entsteht“. Der Manager fürchtet, dass der tabellarisch mögliche Titelgewinn eine realistische Einschätzung der Schalker Lage verhindern könnte: „Man darf nicht nur mit blau-weißer Brille durch die Gegend laufen. Wer glaubt, dass wir durch die Liga fliegen und jeden Gegner schlagen, der verkennt, dass wir in der ausgeglichensten und deshalb stärksten Liga Europas spielen. Die Leute dürfen träumen, aber sie sollten uns auch helfen. Die Nordkurve nehme ich ausdrücklich aus, sie hat uns 90 Minuten lang vorbildlich unterstützt.“

Farfan ist wieder da

Heldt hatte natürlich auch gesehen, was sportlich schief gelaufen war, und er sprach es deutlich an: „Fünf, sechs Leute standen vorne im Sturm auf einer Linie, sie haben sich nicht abgestimmt und keine Lösung gefunden.“

Huub Stevens wechselte deshalb zur Pause Jefferson Farfan und Jose Manuel Jurado ein, und die beiden Neuen brachten den erhofften Schwung. Jurado lieferte Ideen, Farfan wirbelte erstmals nach dreimonatiger Verletzungspause wieder über die rechte Seite. Das Ausgleichstor aber schoss einer, dem zuvor nichts gelungen war: Chinedu Obasi traf in der 59. Minute nach einem feinen Übersteiger mit einem Schuss aus spitzem Winkel ins kurze Eck.

Stevens lobte sein Team für das Engagement in der zweiten Hälfte und glaubte den Grund für die Verunsicherung in der ersten zu kennen: „Mainz war sehr gut organisiert.“ Diese gegnerische Qualität erkannte auch Heldt an, der am Ende nicht als Tiefstapler oder Spaßbremse dastehen wollte: „Wenn Sie mich fragen, ob ich Erster werden möchte, dann sage ich: Natürlich möchte ich das. Aber man muss auch mal demütig und mit einem 1:1 zufrieden sein.“

 
 

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