Schalke degradiert Starspieler Boateng - Es sieht nach Trennung aus

Zufriedenheit sieht anders aus: Kevin-Prince Boateng auf der Schalker Ersatzbank.
Zufriedenheit sieht anders aus: Kevin-Prince Boateng auf der Schalker Ersatzbank.
Foto: Imago
Kein anderer Spieler des FC Schalke 04 bekommt die Folgen des 0:3 bei Borussia Dortmund so deutlich und nachhaltig zu spüren wie der ehemalige Führungsspieler Kevin-Prince Boateng. Es läuft alles auf eine Trennung zum Saisonende hinaus. Ein Kommentar.

Berlin.. Als nach der Blamage im Revierderby vor zwei Wochen erste kritische Fragen nach der Leistung von Kevin-Prince Boateng gestellt worden waren, hatten die Verantwortlichen des FC Schalke 04 noch versucht, den exzentrischen Star zu schützen. Tenor der Aussagen von Trainer Roberto Di Matteo und Manager Horst Heldt: Nicht einer allein habe 0:3 bei Borussia Dortmund verloren, sondern die gesamte Mannschaft. Auch in der Woche danach hieß es, es werde kein Sündenbock gesucht.

Und dann musste Boateng, der in der vergangenen Saison noch als Führungsspieler gegolten hatte, im Heimspiel gegen Hoffenheim doch auf der Bank Platz nehmen und dort auch bis zum Abpfiff verweilen. Ohne ihn siegte Schalke 3:1. Und dann kam das Champions-League-Spiel bei Real Madrid, in dem Boateng gesperrt war. Ohne ihn siegte Schalke sogar beim Titelverteidiger mit 4:3.

Um die Degradierung oder gar Demontage dieses Spielers, der mal in der mannschaftsinternen Hierarchie weit oben gestanden hatte, zumindest aufzuhalten, hätte sich nun eine Aufstellung im Spiel bei Hertha BSC angeboten. Zumal die anderen ja das schwere Spiel in Madrid in den Knochen hatten, während Boateng Zeit zum Trainieren und zum Nachdenken hatte. Aber Di Matteo schrieb die elf Sieger von Madrid auf den Aufstellungsbogen, und selbst, als sich der bereits angeschlagene Eric Maxim Choupo-Moting unmittelbar vor dem Anpfiff doch noch abmeldete, setzte Di Matteo nicht auf Boateng. Sondern er verschaffte dem 19-jährigen A-Jugendspieler Leroy Sané, der nach seiner Einwechslung in Madrid wunderbar aufgespielt hatte, sein erstes Startelf-Debüt in der Bundesliga.

Boateng wird nicht behandelt wie ein Durchschnittsspieler

Das war eine deutliche Abstrafung für Boateng, der nun im Nachhinein doch wie ein Sündenbock dasteht. Von einem wie ihm erwartet man eben gerade in so wichtigen Spielen wie in Dortmund, dass er vorausgeht, dass er andere mitreißt, dass er seine ganze (zweifelsohne vorhandene) Klasse einbringt. Einer wie er sieht sich nicht als Durchschnittsspieler, also wird er auch nicht wie einer behandelt und bewertet. Erst recht nicht im Misserfolgsfall.

In Berlin, wo der für rund zehn Millionen Euro vom AC Mailand gekommene gebürtige Berliner erst ab der 79. Minute mitwirken durfte, ist Boateng deutlich aufgezeigt worden, dass Schalke nicht mehr auf ihn setzt. Wahrscheinlich wird hier gerade ein Abschied vorbereitet. Boatengs bestens dotierter Vertrag läuft zwar noch über diese Saison hinaus, aber was heißt das schon. Wenn es für beide Seiten besser ist, und danach sieht es momentan aus, dann sollte man sich trennen. Am besten mit Anstand.

 
 

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