Schalke blieb Magath fremd

Peter Müller
Felix Magath wollte aus dem FC Schalke den FC Magath machen. Er unterschätzte, dass er es mit Menschen zu tun hat, für die dieser Klub zum Leben gehört. Schalke und Magath - ein großes Missverständnis. Ein Kommentar.

Essen. Deutscher Meister mit dem VfL Wolfsburg, danach Vizemeister mit einer in Teilen noch extrem unerfahrenen Schalker Mannschaft: Dieser Felix Magath, dachten viele Fußballfans im Lande, der wird auch Mineralwasser in Champagner verwandeln können. Magath selbst dachte wohl ähnlich.

Im Erfolg macht der Mensch bekanntlich die größten Fehler, und Magath leistete sich gleich zwei besonders schwere. Er glaubte, ein riskanter Totalumbau der Mannschaft würde ihn auf jeden Fall am Ende erneut zum Erfolg führen. Und, schlimmer noch: Er ignorierte, dass sich Wolfsburger Strategien nicht auf Schalke übertragen lassen.

Magath unterschätzte, dass Schalke anders tickt. Dass er es hier auch mit Menschen zu tun hat, für die dieser Klub zum Leben gehört. Dass diese Leute auch von neuen Führungskräften zumindest Identifikation erwarten.

Der Trainer und Manager betonte, er könne kein Schalke-Fan sein, weil er professionell denken müsse. Doch er wollte aus dem FC Schalke den FC Magath machen. Der Klub, den er strukturell für komplett überholungswürdig hielt, sollte sich gefälligst ihm anpassen, nicht umgekehrt. Er sei schließlich als Retter geholt worden.

Ein paar Kilometer weiter in Dortmund beweist Jürgen Klopp, wie es anders geht. Wie man Spieler durch Vermittlung von Begeisterung zu Höchstleistungen animiert, wie man auch die Anhängerschaft durch Authentizität und Leidenschaft mitreißt.

Die Trennung von Magath und seinem großen Stab wird Schalke viel Geld kosten. Trotzdem ist die Klubführung der Überzeugung, dringend die Entscheidung korrigieren zu müssen, den Verein in Magaths Hände gegeben zu haben. Schalke und Magath: Es war von Anfang an ein großes Missverständnis.