Schalke 04 hat sich den vierten Platz verdient

Grenzenloser Jubel bei Schalke 04: Der 4. Platz ist gesichert.
Grenzenloser Jubel bei Schalke 04: Der 4. Platz ist gesichert.
Foto: Afp
Am Ende der 50. Bundesliga-Saison hat jeder das bekommen, was er verdient hat: Schalke 04 hat Nervenstärke bewiesen und so gerade eben den vierten Platz gesichert. Fortuna Düsseldorf muss nach dramatischen Schlussminuten zurück in die 2. Liga. Ein Kommentar.

Freiburg. In Freiburg wollte die Party kein Ende nehmen. Den ganzen Abend lang feierten sie im Stadion das, was es an diesem Tag zu feiern gab: Der SC Freiburg spielt in der kommenden Saison in der Europa League – das ist vielleicht das eigentliche Fußball-Wunder dieser 50. Bundesliga-Saison, die am Samstag zu Ende gegangen ist. Dass es für die dicke Champions League nicht gereicht hat, werden sie im Breisgau verschmerzen können. Eines Tages sicher auch Trainer Christian Streich, der direkt nach der 1:2-Niederlage gegen Schalke noch so mürrisch war und gar nicht einstimmen wollte in den Jubelchor.

Schalke war den entscheidenden Tick besser als Freiburg und Frankfurt

Schalke hat die Qualifikation für die Playoffs zur Champions League geschafft – für den deutschen Fußball ist das gut. Denn Schalke ist nach all den guten Auftritten in den vergangenen Jahren auf der europäischen Bühne gesetzt und darf damit rechnen, es bei den Playoffs im August mit einem schlagbaren Gegner zu tun zu bekommen. Vor einem Jahr war der Bundesliga-Vierte Borussia Mönchengladbach nicht gesetzt, erwischte mit Dynamo Kiew einen dicken Brocken und schied aus. Wenn Schalke es diesmal packt, wäre die Bundesliga in der kommenden Saison mit vier Mannschaften in der Gruppenphase der Champions League vertreten – neben den Königsblauen noch mit Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Das würde dem gewachsenen Stellenwert der Bundesliga auf europäischer Ebene gerecht.

Schalke hat mit dem vierten Platz genau das bekommen, was der Klub nach der Berg- und Talfahrt in dieser Saison verdient hat. Der Rückstand nach oben ist – mit Recht – gewaltig, aber bei aller Anerkennung für die Leistungen von Freiburg und Frankfurt: Schalke war über die Saison gesehen schon den entscheidenden Tick besser und hat Platz vier nicht durch Zufall ergattert.

„Et hätt noch immer jot jejange“ sagen sie in Köln, und auch auf Schalke ist es gerade noch mal gut gegangen. Der Klub wird sich nun die Frage stellen, warum in dieser Saison so viele Punkte gegen nominell schwächere Mannschaften verschenkt wurden. Warum die Mannschaft nicht konstanter und souveräner gespielt hat. Warum der enorme finanzielle Aufwand, den Schalke nach wie vor betreibt, sich in der Tabelle nicht mit einem deutlicheren Abstand zu Mannschaften wie Freiburg und Frankfurt niedergeschlagen hat. Diese Fragen müssen beantwortet werden bei der Analyse nach der Saison. Aber schämen muss sich Schalke für Platz vier sicher nicht. Die Champions-League-Quali wurde nicht geklaut, sondern erspielt.

Fortuna Düsseldorf hat sich den Abstieg selbst zuzuschreiben

Das vielleicht größte Lob in Schalke gebührt Trainer Jens Keller, der in einem für ihn enorm turbulenten Halbjahr niemals die Ruhe verloren und sein Ding gegen alle Vorbehalte durchgezogen hat – dafür wurde er schon vor einer Woche mit der Vertragsverlängerung belohnt. Es wäre eine enorm schwere Hypothek für Keller gewesen, wenn Schalke das Ding in Freiburg noch vergeigt hätte – nun hat er den ersten Erfolg als Schalkes Cheftrainer eingesackt. Auch Keller wird seine Lehren aus diesem Jahr ziehen und die Mannschaft nach der Sommerpause auf die Playoffs Ende August vorbereiten. Denn ein Selbstläufer werden die Qualifikationsspiele zur Königsklasse nicht: Schalke ist schon einmal (und zwar im August 2008 an Atletico Madrid) in den Playoffs gescheitert. Noch ist Schalke also nicht in der Champions League.

Und die weiteren Entscheidungen dieser 34. Bundesliga-Runde? Fortuna Düsseldorf ist direkt abgestiegen und hat sich dies im Endeffekt dank einer atemberaubenden Talfahrt in der Rückrunde selbst zuzuschreiben. Bei aller verständlichen Verärgerung über den Hoffenheimer Sieg in Dortmund: Die Düsseldorfer haben es in den Wochen vorher verpasst, für klare Verhältnisse zu sorgen. Und Hoffenheim hatte, im Gegensatz zur Fortuna, in der entscheidenden Phase unter Trainer Markus Gisdol noch einmal zuzulegen. Die Hoffenheimer dürfen nun in der Relegation gegen Kaiserslautern nachsitzen und auf das Last-Minute-Ticket zur Rettung hoffen – zutrauen muss man es ihnen.

Gelöst hat das Ticket bereits der FC Augsburg – und das allemal verdient. Die Augsburger sind, wenn man so will, das zweite kleine Fußball-Wunder dieser 50. Bundesliga-Saison – nach dem SC Freiburg.

 
 

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