Ronaldo und Co. entfachen ein kleines Feuer auf Schalke

Andree Hagel
Schalkes Trainer Jens Keller am Mittwochabend beim 1:6 gegen Real Madrid.
Schalkes Trainer Jens Keller am Mittwochabend beim 1:6 gegen Real Madrid.
Foto: dpa
Jens Keller will nach dem Schalker 1:6 gegen Real Madrid nicht alles schlecht bewertet wissen. „Wir haben fünf, sechs Wochen guten Fußball gespielt und dürfen jetzt nicht anfangen, in Panik und Hektik zu verfallen“, sagt der S04-Trainer. „Es ist ärgerlich, dass nun so ‘ne Grundnegativstimmung da rauskommt.“

Gelsenkirchen. Der Tag danach: Manager Horst Heldt hat schlecht und wenig geschlafen, ebenso Trainer Jens Keller. Und Sead Kolasinac hat in der Nacht nach dem 1:6-Debakel des FC Schalke 04 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid überhaupt kein Auge zubekommen. „Er hat einen Brummschädel, er kann nicht kauen und schlucken“, berichtet Horst Heldt am Rande des Donnerstag-Vormittagtrainings im Parkstadion, das die Reservisten des Vortags absolvieren.

Aber: Der 20-jährige Sead Kolasinac hat keinen Bruch, sondern nur eine Prellung des Kiefers erlitten, so dass ein Einsatz am Samstag (18.30 Uhr, live bei uns im Ticker) im Bundesliga-Spiel beim FC Bayern München nicht auszuschließen ist. Das gilt auch für Kevin-Prince Boateng, den muskuläre Probleme plagen, und Roman Neustädter, der über Knie-Beschwerden klagt. „Wenn sie signalisieren, dass sie fit sind, werden sie auch spielen“, sagt Horst Heldt – und damit scheint er der These, Schalke werde bei den übermächtigen Bayern lediglich eine B-Elf auf den Rasen der Allianz-Arena schicken, einen Riegel vorzuschieben. Fehlen wird aber Innenverteidiger Felipe Santana, der sich am Mittwochabend einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen hat.

Schalker Fans begeistern Jens Keller

„Wir können nicht dahinfahren“, betont der Schalker Manager, „und gleich alles aufgeben.“ Obwohl sich der 44-Jährige mit Trainer Jens Keller einig ist, dass der FC Bayern „noch ‘ne Klasse besser ist“. Und warum? „Weil die Münchener noch mehr Kompaktheit ausstrahlen als Real Madrid“, erklärt Horst Heldt. Und Jens Keller meint, dass „die Bayern noch ballsicherer sind, vom Speed her ähnlich wie Real Madrid, und sie sind wahnsinnig torgefährlich“. Hat das Star-Ensemble von Trainer Pep Guardiola denn auch Schwächen? „Wenig. Es ist schon beeindruckend, was die Bayern abliefern“, erklärt Jens Keller und schmunzelt beim Blick auf die zahlreichen Medien-Vertreter. „So viele habe ich nicht gesehen, als es bei uns anders lief“, sagt er.

Begeistert haben den Fußball-Lehrer am Mittwochabend übrigens auch Schalker. „Unsere Fans waren sensationell“, erzählt Jens Keller. „Das war absolut viertelfinalreif, vielleicht sogar endspielreif.“ Weil es zuvor eben aus den fünf Rückrunden-Spielen der Bundesliga vier Siege und ein Unentschieden gegeben hat und die erneute Qualifikation für die Champions League greifbar ist. Genau diese Tage und Wochen vor dem 1:6 gegen Real will Jens Keller auch nicht einfach ausradiert haben. „Heute gab’s ein bisschen Feuer“, erzählt er zur ausführlichen Vormittag-Analyse. „Aber wir haben fünf, sechs Wochen guten Fußball gespielt und dürfen jetzt definitiv nicht anfangen, in Panik und Hektik zu verfallen. Es ist ärgerlich, dass nun so ‘ne Grundnegativstimmung da rauskommt.“ Zumal nicht vergessen werden dürfe, dass es sich bei Madrid um die zweitbeste Mannschaft Europas handele.

Zur vermeintlich besten geht es am Samstag. Und was wird dort passieren? Wird es im sechsten Anlauf gelingen, den ehemaligen Schalker Manuel Neuer im Bayern-Kasten erstmals zu überwinden, dessen Bilanz gegen seinen ehemaligen Klub 14:0 Tore sind? „Wir sind optimistisch, wir sind aber auch realistisch“, sagt Jens Keller. „Wir müssen 90 Minuten als Mannschaft funktionieren, aggressiv sein und dürfen nur so wenig zulassen wie möglich.“ Schließlich sei bei Bayer Leverkusen auch ein Erfolg herausgesprungen. „Da haben wir uns reingehängt“, berichtet der Schalker Trainer, „für diesen Sieg gearbeitet – und nicht nach zwölf, 13 Minuten aufgegeben.“

Wie gegen Real Madrid.