Rangnick versucht es nochmal auf Schalke

Gerrit Dorn
Ralf Rangnick verließ Schalke, weil er nicht mit Ex-Manager Rudi Assauer zurecht kam. Jetzt ist Assauer weg und Rangnick wieder da. Klappt es diesmal?

Essen. Schalkes neuer Trainer ist ein altbekannter: Ralf Rangnick soll den Verein übernehmen, das meldet die Bild-Zeitung. Schon beim Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli am 1. April soll Rangnick auf der Bank sitzen.

„Es ist eine riesengroße Herausforderung. Ich habe mich sehr darüber gefreut, als man mit mir Kontakt aufnahm. Ich wollte gern eine Mannschaft übernehmen, mit der mehr möglich ist, als nur gegen den Abstieg zu kämpfen. Dies ist in Schalke der Fall.“ – das sind die Worte des neuen Schalke-Trainers Ralf Rangnick, bloß sind sie nicht neu. Rangnick sagte sie im September 2004, kurz nachdem er erstmals bei den Knappen anheuerte.

Unter Rangnick kehrte der Erfolg zurück

Damals übernahm er am sechsten Spieltag der Saison den Job von Interimstrainer Eddy Achterberg. Wenige Wochen zuvor hatten die Verantwortlichen Jupp Heynckes nach einem missratenen Saisonstart vor die Tür gesetzt. Als Rangnick das Ruder übernahm stand Schalke auf Tabellenplatz 15, nur zwei Siege gelangen bis dato in der noch jungen Saison.

Unter Rangnick, der zuvor den VfB Stuttgart und Hannover 96 betreut hatte, kehrte der Erfolg zurück. Im DFB-Pokal erreichten die Knappen das Finale gegen die Bayern (1:2), in der Bundesliga reichte es am Ende für Tabellenplatz zwei. Damit zogen die Schalker in die Champions League ein.

Schwere Gruppe in der Champions League

Doch die Königsklasse war für Rangnicks Knappen in der Saison 2005 /2006 eine Nummer zu groß. In einer schweren Gruppe mit dem AC Mailand, PSV Eindhoven und Fenerbahce Istanbul landete S04 nur auf dem dritten Rang. Das letzte Gruppenspiel verloren sie mit 2:3 in Mailand, das bedeutete das Aus. Sechs Tage später warf Ralf Rangnick das Handtuch.

Doch nicht der internationale Misserfolg war verantwortlich dafür, dass der Trainer abdankte. Er hatte genug vom ewigen Gerangel mit dem damaligen Management um Rudi Assauer. Die Fans standen bis zum Schluss hinter ihm. Mit Transparenten wie "Ralf, du musst bleiben" oder – etwas schärfer - "Intrigen-Vorstand raus! Ralf, wir sind auch traurig.“ forderten sie ihren Trainer auf, seine Entscheidung zu überdenken.

Zoff mit Assauer

Als er nach Differenzen mit Assauer über eine Vertragsverlängerung den Stuhl räumen musste, verabschiedete sich Rangnick legendär: mit einer Ehrenrunde. Es könnte offenbar bald eine neue folgen. 44 Spiele, 26 davon gewonnen, 10 Unentschieden, 8 Niederlagen – das ist die Bundesliga-Bilanz von Ralf Rangnick als Schalke-Trainer. Gut fünf Jahre ist sein letztes Engagement bei den Schalkern her. Seitdem hat sich im Verein viel getan. Insbesondere Rangnicks Intimfeind Rudi Assauer ist weg. Doch das Schalke niemals richtig zur Ruhe kommt, zeigt das unwürdige Ende der Amtszeit von Felix Magath nur zu deutlich.

Erfolg und Misserfolg als Hoffenheim-Coach

Doch auch Ralf Rangnick hat sich weiter entwickelt, hat Erfahrungen gesammelt. Bis vor wenigen Wochen war Rangnick noch Coach vom Bundesliga-Konkurrenten TSG Hoffenheim. Er führte die Mannschaft aus der Regionalliga in die erste Bundesliga und schnupperte mit dem Team sogar eine Halbserie lang an der Meisterschaft. Was dann folgte, war eine Ernüchterung der hochgeschaukelten Erwartungen.

Das gute Verhältnis zwischen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und seinem Trainer Rangnick litt gewaltig. Zum Eklat kam es in der Winterpause, als Hopp angeblich ohne Wissen und Beteiligung Rangnicks den Wechsel von Luiz Gustavo zum FC Bayern einleitete. Rangnick wollte Gustavo frühestens zum Saionende ziehen lassen. „Es ist ein ungewöhnlicher, einzigartiger Vorgang, dass so ein Spieler ohne direkten Informationsfluss zum Trainer verkauft wird. Da war alles klar, daraus habe ich meine Schlüsse gezogen“, sagte Rangnick damals. „Welches Zeichen ist das für die Rückrunde an die Mannschaft, wenn der beste, weil konstanteste Spieler verkauft wird?“ Wie schon auf Schalke nahm Rangnick freiwillig seinen Hut, weil er mit den Entscheidungen der Vereinsführung nicht einverstanden war: „„Das war das letzte Signal, dass sie mich hier nicht mehr brauchen“, erklärte er seinen selbst gewählten Abschied.

Jetzt also ein neuer Versuch auf Schalke. „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir noch unter die ersten Fünf kommen können“, sagte Rangnick 2004 bei seinem Einstand als Trainer. Auch wenn die Schalker Ansprüche generell die gleichen geblieben sein dürften, wird das in dieser Saison wohl nicht mehr gelingen. Doch es bleiben ja noch das DFB-Pokalfinale und die Champions League.