Raúls Rekordabend auf Schalke

In seinem elften Pflichtspiel für Schalke 04 war Raúl erstmals der „Mann des Tages". Spaniens Fußball-Legende schoss beim 3:1-Sieg gegen Tel Aviv zwei Tore, ist auf Schalke angekommen - und stellte nebenbei einen Rekord auf.

Gelsenkirchen.. Alle Schalke-Spieler hatten den Kabinengang schon verlassen. Hatten ihre Taschen gepackt, ihre Trainingsanzüge angezogen und waren in der VIP-Etage der Arena verschwunden. Alle? Nein, einer fehlte noch. Raúl. Der Held des Tages.

Geredet worden war über Spaniens Fußball-Legende nach dem 3:1-Sieg gegen Hapoel Tel Aviv eigentlich schon genug. Raúl González Blanco, 33, hatte nicht nur die ersten beiden Tore erzielt, sondern nebenbei noch einen Rekord aufgestellt. Bester Torschütze in der Champions-League war er schon (dort hat er jetzt insgesamt 68-mal getroffen). In allen Europapokal-Wettbewerben schraubte er sein Torkonto auf 70 - und hat damit den Italiener Pippo Inzaghi überholt.

Aber diese Statistik war eher Nebensache an diesem spanischen Fußball-Abend.

Es ging vielmehr darum, dass Raúl nach einem schweren Start in Deutschland nun endlich angekommen ist. Die Fans diskutierten schon darüber, ob Raúl ein Fehleinkauf ist, ob es ein Fehler von Trainer Felix Magath war, die Mannschaft um Raúl aufzubauen. Am Mittwoch waren die Zweifel kein Thema mehr. Das langgezogene "Raúúúúúúúúúúl" hallte mehrfach durch die Arena, von DerWesten gab's in der Einzelkritik die Note 1 - und Christoph Metzelder fühlte sich an magische Spiele bei Real Madrid erinnert. "Das war wie in Bernabeu", schwärmte der Abwehrspieler, der gut mit Raúl befreundet ist.

Doch nicht nur Metzelder freute sich für den Stürmer. „Man kann Raúl einen Superstar nennen - und er ist brutal auf dem Boden geblieben. Wir haben einen Super-Angriff", sagte Jermaine Jones. „Das ist unglaublich", ergänzte Christoph Moritz. „Der hat so viele Champions-League-Spiele absolviert wie der Rest bei uns zusammen - und ist trotzdem ein so bescheidener Mensch."

Am meisten freute sich Trainer Felix Magath für seinen wichtigsten Zugang: „Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft, holt Bälle, schleppt sie mit nach vorn. Ich hoffe, dass er damit auch die Akzeptanz beim Publikum erhöht - bei mir hat er sie eh schon lange. Es ist eine Freude, so einen Mann in der Mannschaft zu haben."

Und dieser Mann, dieser hochgelobte Superstar, kam um genau 23.44 Uhr dann doch noch aus der Kabine, über eine Stunde nach dem Abpfiff. Viel zu sagen hatte er nicht. Er lächelte brav und meinte nur: „Es ist wichtig für die Mannschaft, zwei Siege in der Champions League geholt zu haben. Wir haben gute Aussichten, weiterzukommen."

Dass er nun Rekordtorschütze im Europapokal ist, schien ihm ein wenig peinlich zu sein. „Es ist schon etwas Besonderes, diesen Rekord zu haben. Ich konnte mir nie vorstellen, einmal so viele Tore im Europapokal zu schießen."

Sprach's und verschwand. In Richtung VIP-Etage. In Richtung Mannschaft.

 
 

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