Raúl verzaubert Schalke - doch wie lange noch?

Andreas Ernst
Raúl über allen: Jefferson Farfan (unten) und Julian Draxler (l.) freuen sich mit Schalkes Superstar.
Raúl über allen: Jefferson Farfan (unten) und Julian Draxler (l.) freuen sich mit Schalkes Superstar.
Foto: Reuters
Raúl faszinierte ein weiteres Mal alle Schalker. Beim 3:0-Erfolg über Hannover 96 traf Raúl zweimal. Doch der Spanier hat immer noch nicht entscheiden, wo er in der kommenden Saison spielt. Schalke-Manager Horst Heldt glaubt nicht, dass Raúl nach Katar wechseln wird.

Gelsenkirchen. Dieser Moment, dieser eine Moment. Raúl Gonzalez Blanco vom FC Schalke 04, 34 Jahre alt, bekommt den Ball im Strafraum, steht frei vor Torwart Ron-Robert Zieler von Hannover 96. Der Winkel scheint ein wenig zu spitz zu sein - und doch bleiben Raúl so viele Möglichkeiten, den Abschluss zu suchen. Vielleicht ein Heber? Vielleicht ein Gewaltschuss? Vielleicht ein Querpass zu einem Mitspieler? Nein! Raúl streichelt den Ball mit der linken Sohle an Zieler vorbei und schließt sofort mit dem rechten Fuß ab - zum 2:0. Am Ende gewinnt Schalke mit 3:0, und wieder einmal lieferte die Legende aus Spanien eine wunderbare Show (DerWesten-Note: 1).

„99 von 100 Fußballern hätten sofort geschossen, das macht Raúl super", lobte Hannovers Kapitän Steven Cherundolo. Und auch Ron-Robert Zieler staunte: „Manchmal muss man einfach anerkennen, wenn ein Spieler eine so tolle Aktion zeigt.“ Auch Schalke-Manager Horst Heldt sprang begeistert auf. In der Mixed Zone fielen ihm immer neue Sprüche ein. Erst sagte er: "Ich hätte mir dabei einen Kreuzbandriss geholt." Dann: "Da sind mir die Plomben rausgefallen." Und schließlich noch: "Da stand der Mund offen." 14 Bundesligatore, insgesamt 22 Pflichtspieltore in dieser Saison - Raúl verzaubert nicht nur Heldt, Raúl verzaubert ganz Schalke. Doch wie lange noch? Fünf Pflichtspiele bestreiten die Königsblauen in den kommenden 27 Tagen. Es könnten die letzten fünf Spiele und die letzten 27 Tage für Raúl beim FC Schalke 04 sein.

Raúls Vertrag läuft aus, das ist lange bekannt. Der Vertragspoker läuft schon seit Januar, auch das ist bekannt. Schalke hat ein Angebot vorgelegt, das selbst Raúl als "gut" bezeichnet. Ein weiteres Jahr soll Raúl bleiben. Doch Neuigkeiten gibt es nicht, Raúl hat seine Entscheidung nicht verkündet - und die Schalker wissen nicht, wann das sein wird. "Wir kennen seine Prioritäten nicht", sagt Heldt. "Ich glaube, dass viele Faktoren eine Rolle spielen: Will er weiter Fußball spielen? Will er vielleicht noch ein anderes Land kennenlernen?" Heldt ist sich sicher, dass "nicht um Geld und nicht um die Dauer des Vertrages geht. Es geht um seine persönliche Zukunftsplanung."

Heldt bezweifelt Raúl-Wechsel nach Katar

Entscheidet sich der Familienrat für eine Zukunft in Katar? Die spanische Zeitung "Marca", die Raúls Ex-Klub Real Madrid nahe steht, vermeldete den Transfer als fast perfekt. Horst Heldt zweifelt das an: "Ich kann nur sagen, was ich vermittelt bekomme. Ein Wechsel nach Katar würde mich sehr überraschen. Ich glaube dem Berater mehr als der Zeitung. Es sind gute, respektvolle Gespräche." Vielleicht könnte eine Qualifikation für die Champions League Raúls Entscheidung beeinflussen. Noch ist Raúl der Rekordtorschütze der Champions League - und er könnte in "seinem" Wettbewerb seine große Karriere beenden. "Es wäre ein gutes Argument für Schalke. Wenn wir in die Champions League kommen, können wir einen Raúl in Topform gut gebrauchen", glaubt Julian Draxler. Klaas-Jan Huntelaar ergänzt: "Ich denke, dass er alles mitnimmt in seine Entscheidungen." Was spricht überhaupt für Katar? „Dass er Zeit mit seiner Familie am Strand verbringen kann“, sagte Christoph Metzelder und grinste danach. Raúl selbst sagte nichts nach seiner erneuten Gala, verschwand schnell nach seiner Auswechslung in der 71. Minute (Schalke-Trainer Huub Stevens: "Wenn es so läuft wie heute, dann kannst du ihn ein paar Minuten schonen") in der Kabine und noch schneller in den Katakomben der Arena.

Ob er dort in der kommenden Saison noch spielt, erfährt Horst Heldt in einem noch nicht terminierten Gespräch. "Ich denke nicht, dass ich die Entscheidung aus der Zeitung erfahre", sagte der Manager. Heldt selbst würde auch nicht nach Katar wechseln: "Ist viel zu heiß da."