Gelsenkirchen

Schalkes schwarze englische Woche

Thomas Tartemann
Die Schalker unterlagen Bayer Leverkusen.
Die Schalker unterlagen Bayer Leverkusen.
Foto: imago
  • Eine Minute vor Spielende gab es ein Gegentor
  • Schalke musste in Unterzahl spielen
  • Knappen gaben sich nicht geschlagen

Gelsenkirchen. Die englische Woche war für den FC Schalke 04 von den nackten Ergebnissen her pures Gift. Nach dem 1:2 in der Meisterschaft bei RB Leipzig und dem 0:2 in der Europa League bei RB Salzburg folgte ein 0:1 (0:0) im wichtigen Bundesliga-Duell gegen Mitkonkurrent Bayer 04 Leverkusen.

Schalke musste ab der vierten Minute mit zehn Mann auskommen, da sich Innenverteidiger Naldo nach einer Notbremse an Chicharito die rote Karte einhandelte.

Geis wurde nach hinten beordert

Die Königsblauen brachten fortan eine kämpferische Energieleistung, beorderten den etatmäßigen Mittelfeldmann Johannes Geis als neuen Abwehrchef nach hinten, erarbeiteten sich vorne zahlreiche Chancen. Am Ende reichte es trotzdem nicht.

Die entscheidende Szene, die zur Niederlage für Schalke führte, sorgte für reichlich Diskussionsstoff. S04-Talent Thilo Kehrer packte gegen Bayer-Offensivmann Hakan Calhanoglu die Grätsche aus und traf den Ball. Schiedsrichter Denis Aytekin pfiff Freistoß und rückte auch nach Studium der Fernsehbilder nicht von seiner Meinung ab.

Für Heidel war es kein Foul

Schalkes Sportvorstand Christian Heidel: „Ich habe mir die Szene dreimal bei Sky angesehen. Und ich gucke es noch zehnmal. Auch dann sage ich: Es ist kein Foul. Da kann der Schiedsrichter ruhig 20 Mal die Lupe nehmen.

Wir haben einfach keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Aber wir leben halt in einer Demokratie.“

Trotz des Unverständnisses über die Freistoß-Entscheidung hätte Schalke wacher sein müssen. „Die Standardsituation war nicht gut verteidigt“, analysierte Trainer Markus Weinzierl. Calhanoglus Ball landete genau auf dem Kopf des sträflich ungedeckten Leverkusener Torjägers Stefan Kießling, der mühelos zum 0:1 ins lange Eck vollendete.

Fußball kann so brutal sein

„Hakan ist ein hervorragender Freistoßschütze. Mit seinen Bällen kann man was anfangen. Dann habe ich ihn reingemacht“, meinte Kießling. Fußball kann so einfach sein. Und so brutal.

Markus Weinzierl war zwar total enttäuscht über den Spielausgang, nicht aber über den leidenschaftlichen Auftritt seiner Mannschaft.

„Die Jungs haben alles gegeben“, lobte der Kaderchef, „die Art und Weise hat gepasst. Am Ende war es leider das falsche Ergebnis.“ Kritisch fügte er an: „Wir haben es versäumt, unsere Konter zu nutzen und die Führung zu erzielen.“

Obwohl der ukrainische Flügelflitzer Yevhen Konoplyanka ein Riesen-Pensum abspulte und viermal Richtung Bayer-Tor schoss, musste Gäste-Schlussmann Bernd Leno nicht eine Großchance vereiteln.

Leverkusen war keinen Deut besser

Leverkusen war trotz Überzahl keinen Deut besser. Schalkes Schlussmann Ralf Fährmann rückte fünf Minuten vor Abpfiff erstmals in den Blickpunkt, als er einen Bayer-Versuch entschärfte. Kurz darauf musste Fährmann den Ball aus dem Netz fischen.

Schalke rutschte nach der Niederlage auf Platz zehn ab, Leverkusen verbesserte sich auf den achten Rang. Die Königsblauen müssen in den beiden ausstehenden Spielen gegen den SC Freiburg und beim Hamburger SV noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um den Rückstand auf die Top-Sechs zu verringern.

Heidel reagiert trotzig

„Wir hatten vorher gesagt, dass noch neun Punkte bis zur Winterpause möglich sind. Jetzt sind es eben noch sechs“, so Christian Heidel trotzig. Heidel gab zu: „Die Jungs sind nach dem Leverkusen-Spiel sehr geknickt.“

Für Weihnachtsfeiern gibt es wahrlich schönere Anlässe als eine Heimpleite. Ob sich die Situation im personellen Bereich entzerrt, ist noch offen. Zwar kehrt Kapitän Benedikt Höwedes nach abgebrummter Gelbsperre in die Startelf für das Freiburg-Spiel zurück, dafür fehlt aber der rotgesperrte Naldo.

Und bei Matija Nastasic, der wegen Adduktorenschmerzen passen musste, ist ein Comeback noch offen. So könnte Talent Kehrer erneut gefragt sein.