Gelsenkirchen

Außenseiter im eigenen Stadion? Hoffenheims Erfolgstrainer Julian Nagelsmann will auch auf Schalke erfolgreich sein

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann
Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann
Foto: Getty Images
  • Am Sonntag gastiert die TSG Hoffenheim in der Schalke-Arena
  • Die Kraichgauer haben derzeit einen beeindruckenden Lauf
  • Ein Grund: Erfolgstrainer Julian Nagelsmann

Gelsenkirchen. „Wir müssen höllisch aufpassen, die Hoffenheimer haben momentan einen Lauf”, sagt Trainer Markus Weinzierl. „Hoffenheim ist mit Leipzig in diesem Jahr die absolute Überraschungsmannschaft, da wartet wirklich ein schwieriges Spiel auf uns”, meint Kapitän Benedikt Höwedes.

Schalke 04 zeigt Respekt: vor einem Gegner, der sich für die Champions League bewirbt und den Königsblauen am Sonntag (17.30 Uhr/Sky) alles abverlangen wird.

Hoffenheim spielt stärker, stabiler und erfolgreicher als Schalke

Wer einen Blick auf das Aufgebot von 1899 Hoffenheim wirft, kommt nicht auf Anhieb auf die Idee, dass es besser besetzt ist als das des FC Schalke 04.

Warum also schaffen es die Hoffenheimer, dort zu stehen, wo die Schalker ursprünglich hin wollten? Weshalb spielen die Kraichgauer stärker, stabiler und erfolgreicher als die Königsblauen?

Schalke mit beispiellosem Verletzungspech

Ein Grund dafür, dass Hoffenheim satte elf Punkte mehr hat als Schalke, liegt auf der Hand: Die Gelsenkirchener werden von beispiellosem Verletzungspech geplagt, mussten deshalb vor allem im Angriff in der ersten Saisonhälfte häufig improvisieren und sind nach einem gründlich vermasselten Saisonstart dauerhaft auf der Suche nach Kontinuität.

Der zweite Grund hat einen Namen: Julian Nagelsmann. Der Trainer von 1899 Hoffenheim ist erst 29 Jahre jung, umso bewundernswerter ist sein Wirken. Als er die Mannschaft im Febuar 2016, vor genau einem Jahr also, nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Huub Stevens übernahm, stand sie auf einem Abstiegsplatz.

Vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Aspiranten

Der Neue hielt sie nicht nur in der Bundesliga, sondern er entwickelte sie in dieser Saison zu einem Königsklassen-Anwärter. In Zusammenarbeit mit Alexander Rosen, dem mit 37 Jahren jüngsten Manager der Liga, hat Nagelsmann an fast allen Stellschrauben gedreht und für ein komplett anderes Klima gesorgt.

„Gute Spieler waren vorher schon da”, betont Schalkes Trainer Markus Weinzierl. Es muss also an seinem Kollegen Nagelsmann liegen, wenn aus Individualisten plötzlich ein Team wird, wenn gehemmte Fußballer zu spielfreudigen werden.

Nagelsmann hat den richtigen Draht zu seinen Spielern

Nagelsmann begann auf Anhieb mutig, so dass nicht nur die gesamte Branche sofort aufhorchte, sondern vor allem intern ein Signal ankam.

„Ein entscheidender Faktor war, dass ich in Bremen, in meinem ersten Spiel nach zwei Trainingseinheiten, eine neue Grundordnung gewählt habe, die das Team noch nie gespielt hatte”, erzählte Nagelsmann nach geschafftem Klassenerhalt im vergangenen Sommer im Interview mit dieser Zeitung.

„Die Spieler haben gemerkt, dass der Trainer ein bisschen verrückt ist. Danach haben wir vier Spiele gewonnen.”

Kein Trainer-Bubi mehr

Natürlich wurde Julian Nagelsmann, der als Jugendlicher für den FC Augsburg und den TSV 1860 München spielte und seine Karriere mit 20 Jahren wegen eines Knorpelschadens im Knie beenden musste, weiterhin argwöhnisch beäugt.

Das weckte in ihm nur noch mehr Ehrgeiz: „Es hieß immer über mich: Trainer-Novize oder Trainer-Bubi - immer begleitet von einem süffisanten Unterton. Denen, die so dachten, bewiesen zu haben, mit der Mannschaft gut arbeiten zu können, war mir wichtig.”

Charakter zählt

Nicht nur aufgrund seines Alters hat er den richtigen Draht zu seinen Spielern. Julian Nagelsmann sieht nicht ein, warum man in schwierigen Situationen als Trainer draufhauen sollte.

Richtig erfolgreich könne man nur sein, wenn man ein guter Typ sei und ein gutes Verhältnis zur Mannschaft habe: „Ein guter Menschenführer ist mehr wert als ein Top-Fachmann.”

Direkter Kontakt zu den Spielern

Natürlich arbeitet auch er detailreiche taktische Konzepte aus, doch ein Geheimnis seines Erfolges ist, dass er den Profis dennoch viele Freiheiten lässt. Die alte Weisheit „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” gilt für ihn nicht.

Trainer der alten Garde reizten früher die Profis, indem sie teilweise wochenlang nicht mit ihnen sprachen und eine sehr einseitige Kommunikation pflegten: Es gab Ansagen - und sonst nichts. Wenn Julian Nagelsmann etwas missfällt, sucht er sofort den direkten Kontakt zu den Spielern. Die danken ihrem Chef diese gepflegte Umgangsart. Was auf dem Platz zu erkennen und an der Tabelle abzulesen ist.

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