Metzelder geht von Schalke zurück nach Haltern

Zum Abschied in Herten: Christoph Metzelder bei seiner letzten Pressekonferenz als Fußballprofi im Revue-Palast Ruhr auf dem Gelände der Zeche Ewald.
Zum Abschied in Herten: Christoph Metzelder bei seiner letzten Pressekonferenz als Fußballprofi im Revue-Palast Ruhr auf dem Gelände der Zeche Ewald.
Foto: Marcus Simaitis/dpa
Ein Mann mit Mut und Demut beendet seine erstaunliche Karriere: Christoph Metzelder startete als junger Profi bei Borussia Dortmund durch und hört nun als Routinier bei Schalke 04 auf. Seine ferne Zukunft sieht er im Vereinsmanagement – und seine nahe als Altherren-Spaßfußballer.

Herten.. Höflich war er immer schon. Er stiefelte nicht einfach ignorant an den Reportern vorbei, er entschuldigte sich. „Tut mir leid, ich darf nicht“, sagte Christoph Metzelder und grinste stolz, als alle wissen wollten, welcher Charakter sich hinter diesem jungen Kerl verbarg, der sich gerade mit einem verblüffenden Debüt in der Bundesliga angemeldet hatte. Die Art der Absage gab schon Aufschluss.

An jenem 11. August 2000, einem Freitag, eröffnete Borussia Dortmund unter Flutlicht die Saison mit einem 1:0-Sieg gegen Hansa Rostock. Heiko Herrlich besorgte das Goldene Tor – der Glanz für den Mann des Abends fiel dennoch nicht auf ihn ab. Ein 19-jähriger Nobody stahl ihm die Show. Ein Junge aus Haltern, der gerade erst von Preußen Münster zum großen BVB gekommen war, brillierte in der Abwehr mit ungewöhnlich abgeklärtem Stellungsspiel und erstaunlicher Zweikampfstärke. Es wäre nicht nötig gewesen, den schon damals von Vernunft geleiteten Christoph Metzelder anschließend zu schützen, Matthias Sammer sah dies dennoch als notwendig an. Der Borussen-Trainer untersagte dem Neuen jegliche Journalisten-Kontakte.

Pressekonferenz im Revue-Palast Ruhr auf Zeche Ewald in Herten

Knapp 13 Jahre später, am 16. Mai 2013, muss sich Christoph Metzelder nicht mehr vorschreiben lassen, wann und mit wem er reden darf. Er lädt die Medien persönlich ein, selbstbewusst und stilsicher inszeniert er seinen Abschied. Er hat in den Revue-Palast Ruhr gebeten, in diese formvollendet umgestaltete Industriehalle auf Zeche Ewald in Herten, als Moderator ist der ehemalige DFB-Mediendirektor Harald Stenger engagiert worden, ein versierter Pressekonferenz-Profi.

Es wird ein kurzer Film gezeigt, der die Stationen nachzeichnet: „Metze“ als BVB-Jüngling, der in seiner zweiten Saison schon den Meistertitel mitnimmt („Der hebt nicht ab, der hat Abitur!“, urteilt Haudegen Jürgen Kohler); als Nationalspieler, der 2002 Vize-Weltmeister und 2006 Sommermärchenprinz wird; als Mitglied im Superstar-Ensemble von Real Madrid; und schließlich: ausgerechnet als Schalker.

„Ich bin unendlich dankbar für diese großartige Karriere“, sagt er nun auf einem grell ausgeleuchteten Podium und denkt zurück an den Anfang: „Matthias Sammer ist ein Risiko eingegangen. Wäre ich im ersten Spiel nicht gut gewesen, wäre wohl alles anderes verlaufen.“

Scheinbar irreparabel verletzte Achillessehne

Demut muss ihm keiner beibringen. Wegen einer scheinbar irreparabel verletzten Achillessehne konnte er 2003 und 2004 nicht spielen, es waren zwei zermürbend lange Jahre. „Aber ich habe mich immer wieder durchgekämpft“, sagt er und untertreibt damit. Dass er damals dem inneren Schweinehund das Futter verweigerte und die Kraft zum Comeback aufbrachte, war trotz der Titel, die er mit allen drei Vereinen gewann, eine der beiden bemerkenswertesten Leistungen seiner Laufbahn. Die andere stemmte er mit dem Mut eines Schwimmers im Piranhabecken: 2010 traute er sich als ehemals überzeugter Schwarz-Gelber zu den Blau-Weißen, er ließ sich auspfeifen und beschimpfen, bis er auch den letzten schwer belehrbaren Schalker Fan von sich überzeugt hatte. „Ich habe mich immer tadellos verhalten“, erklärt er, „und so etwas respektieren die Menschen hier im Ruhrgebiet.“

Als Kenner nennt er die beiden Revier-Rivalen heute „ähnlicher, als sie es zugeben wollen“, auch die Fans: „Der Kumpel aus Gelsenkirchen und der Stahlarbeiter aus Dortmund sind in ihren Grundzügen gleich.“ Schalke sei noch einen Tick verrückter und leidenschaftlicher, aber: „Schalke stand sich oft auch selbst im Weg.“

Experte beim TV-Sender Sky

Und nun? Er hört auf, „weil der körperliche Verschleiß zunahm“, aber einer wie er ist natürlich vorbereitet. „Ich verspüre keine Leere“, sagt Christoph Metzelder. Er hat sich als Experte beim TV-Sender Sky verpflichtet, er wird sich verstärkt um seine Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern, und er peilt eine neue Karriere an: Das Vereinsmanagement reizt ihn, kein Wunder.

Sein Spielerpass landet auch nicht im Altpapier, Schalke muss ihn weiterreichen. Christoph Metzelder geht zurück nach Hause: „Die Alten Herren des TuS Haltern freuen sich schon auf mich.“

 
 

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