Magaths riskanter Kurs mit den Fans

Reinhard Schüssler
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Die Entlassung des Fanbeauftragten Rolf Rojek belegt einmal mehr: Felix Magath krempelt Schalke ohne Rücksicht auf Verluste um. Für den Erfolg setzt er jedoch die Seele des Vereins aufs Spiel.

Der Profifußball ist längst ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor, der Marktwert der Spieler geht in die Abermillionen. Gleichwohl pflegen die Klub-Verantwortlichen als ihr „größtes Kapital“ stets die Fans zu preisen. Und Trainer wie Kicker werden nicht müde, ihre Anhängerschaft als „zwölften Mann“ zu feiern.

Unter diesen Vorzeichen gilt es als selbstzerstörerisch, mindestens aber als Eigentor, sich mit den eigenen Fans anzulegen. Umso bemerkenswerter, dass Felix Magath in seinem Bestreben, den FC Schalke 04 nach seinen Vorstellungen umzukrempeln, selbst vor diesem Tabuthema nicht zurückschreckt. Ein riskanter Kurs.

Eine Frage des Stils

Dabei ist es im konkreten Fall unerheblich, ob der Trainer und Vorstandssprecher vielleicht gute Gründe hat, den „Ur-Schalker“ Rolf Rojek als Fan-Beauftragten abzusetzen. Es geht um den Stil, die Vermittlung und die öffentliche Wahrnehmung einer Handlung, die fatal daran erinnert, dass Magaths erste „Sanierungsversuche“ auf Kosten von acht langjährigen Mitarbeitern, u.a. einem Hausmeister, gingen.

Noch schützt die Erfolgsaura den 56-Jährigen. Und wenn er den Titel holt, wird keiner mehr nach Rojek fragen. Sollte Magath jedoch irgendwann verbrannte Erde hinterlassen, wird einer wie Rojek immer noch die Schalker Fahne hochhalten. Aufsichtsratschef Tönnies täte gut daran, dies zu bedenken.