Königslau statt Königsblau - Schalke geht die Puste aus

Kann's nicht fassen: Kevin-Prince Boateng verlor mit Schalke 04 zum zweiten Mal in Folge.
Kann's nicht fassen: Kevin-Prince Boateng verlor mit Schalke 04 zum zweiten Mal in Folge.
Foto: Getty Images
Der FC Schalke 04 kassierte beim 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach die zweite Niederlage nacheinander. Der Vorsprung im Kampf um die direkte Qualifikation zur Champions League ist auf drei Punkte geschrumpft. Die Gladbacher hingegen bejubelten ihren ersten Sieg auf Schalke seit 1992.

Gelsenkirchen.. Jens Keller griff zum Mikro, es funktionierte nicht. 94 Minuten lang hatte der Trainer des FC Schalke 04 am Sonntag vergeblich darauf gehofft, dass seinem Team ein Treffer gegen Borussia Mönchengladbach gelingen würde, und nun versagte nach der 0:1-Heimniederlage auch noch die Technik bei der Pressekonferenz ihren Dienst. Als sie wiederhergestellt war, gab sich Keller zweckoptimistisch: “Die Mannschaft wird in den letzten beiden Spielen so funktionieren, dass wir auf jeden Fall die nötigen Punkte holen werden.”

Ausgerechnet im Saison-Endspurt geht Schalke die Luft aus. Die schon sicher geglaubte Direkt-Qualifikation für die Champions League ist vor den abschließenden Partien in Freiburg und gegen Nürnberg in Gefahr geraten, der Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen beträgt nur noch drei Pünktchen. Die Gladbacher dagegen bejubelten ihren ersten Sieg auf Schalke seit 1992. Als sie damals mit 2:1 im Parkstadion gesiegt hatten, stand bei den Schalkern noch ein Talent namens Jens Lehmann im Tor. Nach 22-jähriger Wartezeit verdienten sich die Borussen den Sieg am Sonntag redlich - jetzt hoffen sie sogar selbst noch auf die Champions-League-Teilnahme. “Wir sind extrem zufrieden”, sagte Trainer Lucien Favre. Auch Jens Keller nannte Gladbachs Sieg “verdient”. Denn sein eigenes Team habe “viele leichte Fehler gemacht und zu überhastet gespielt”.

Neun Schalker Spieler waren nicht einsatzfähig

Königslau statt Königsblau - der Kraftverlust ist aber erklärbar. Schalke muss in der kompletten Rückrunde mit einem Mini-Aufgebot auskommen - auch gegen Gladbach waren neun Spieler nicht einsatzfähig, darunter Hochkaräter wie Jefferson Farfan, Benedikt Höwedes und Dennis Aogo. 72 Minuten lang saß auch noch Top-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar auf der Bank, weil ihn eine Rachen-Entzündung plagte. Jens Keller wollte die deprimierende Verletztenliste aber nicht thematisieren, er versuchte stattdessen, kein Stimmungstief aufkommen zu lassen. “Ich glaube nicht, dass der Tank leer ist”, meinte der Trainer, “es ist vielmehr ein Kopfproblem. Den Jungs ist die Leichtigkeit abhanden gekommen.” Er will ihnen deshalb in den kommenden Tagen den Glauben an die eigenen Stärken zurückgeben: “Ich werde ihnen aufzeigen, welch eine tolle Rückrunde sie gespielt haben und wie gut sie sind.”

Nach der Niederlage in Stuttgart aber wirkten sie gegen Gladbach blockiert. Strukturierter traten die Gäste auf. Sie trugen wiederholt gefährliche Angriffe über außen vor, und als sie nach 35 Minuten in Führung gingen, hatte Schalke in der Abwehr einen Totalausfall aller Systeme. In der Folge einer Ecke durfte Patrick Herrmann den Ball ungestört aus der Drehung in die Maschen schicken. “Da kamen bei uns einige Fehler zusammen”, klagte Jens Keller.

Doch selbst als die Schalker in der zweiten Hälfte mehr probierten, fehlte jegliche Effektivität. In der Defensive wackelig, in der Offensive ohne Durchschlagskraft, und die Mittelfeldarbeit war so kreativ wie Malen nach Zahlen - eine fatale Mixtur der Unzulänglichkeiten. Jens Keller probierte es mit Wechseln. Er hörte Pfiffe, als er den überforderten Max Meyer herausnahm, und Applaus, als er Klaas-Jan Huntelaar brachte. Doch auch der Niederländer konnte in der Schlussphase keine Wende mehr herbeiführen.

Schalke-Trainer Keller und Manager Heldt sind optimistisch

“Wir haben alles noch selbst in der Hand, wir sind immer noch gut im Rennen. Ich bin mir weiterhin sicher, dass wir unser Ziel erreichen werden”, betonte Jens Keller, und auch Manager Horst Heldt wollte “den Spielern gar nicht erst einreden”, dass der Akku nicht mehr voll geladen sei. “Wir haben immer gesagt, dass es wahrscheinlich bis zum Ende spannend bleiben wird”, sagte Heldt, ohne damit zu kokettieren, Recht behalten zu haben: “Wir hätten das gerne vermieden.”

 
 

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