Keller und Di Matteo - der große Schalke-Trainer-Vergleich

Ex-Schalke-Torwart Timo Hildebrand verteidigte Ex-Trainer Jens Keller. Wir haben Keller mit dem aktuellen Coach Roberto Di Matteo verglichen.

Gelsenkirchen. Der ehemalige Schalke-Torwart Timo Hildebrand verteidigte in einem Facebook-Beitrag nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage der Königsblauen beim FSV Mainz 05 Jens Keller, den Vorgänger von Trainer Roberto Di Matteo. Wir haben Keller und Di Matteo verglichen. Fazit: Beide wurden von den Fans nicht verehrt, der Fußball war bei beiden zu oft langweilig, die Leistungen waren nicht konstant - aber Keller erreichte immerhin die Saisonziele und setzte glaubhaft auf Talente.

Vorteil Keller oder Vorteil Di Matteo - wer liegt vorn? Hier ist die Schalke-Bilanz! 

Sportliche Bilanz

Dreimal erreichte Jens Keller das größte Saisonziel - die Teilnahme an der Champions League. Erstmals in der Vereinsgeschichte gelang den Schalkern dies hintereinander. In der Champions League zog Schalke unter Keller zweimal ins Achtelfinale ein - auch hier erfüllte der Coach die Forderungen, ohne allerdings zu überraschen. Lediglich Kellers DFB-Pokal-Bilanz ist schwach. Trotzdem kann sich Kellers Statistik (76 Pflichtspiele - 36 Siege, 16 Unentschieden, 24 Niederlagen) sehen lassen, in der Schalker Bundesliga-Geschichte waren nur Mirko Slomka und Ralf Rangnick besser. Roberto Di Matteo saß bisher in 29 Spielen auf der Schalke-Bank (12 Siege, 7 Unentschieden, 10 Niederlagen). Er erreichte zwar das Champions-League-Achtelfinale und schaffte gegen Titelverteidiger Real Madrid beinahe eine Sensation. In der Bundesliga kann Schalke aber schon am 30. Spieltag das Ziel nicht mehr erreichen. Die Liga-Bilanz (neun Siege, neun Unentschieden, sieben Niederlagen) ist mit diesem Luxus-Kader ein Desaster. Keller spielte in der vergangenen Saison die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte, Di Matteo momentan die schlechteste seit 15 Jahren. Das Argument "Verletzungspech" zieht nicht, denn auch Keller musste zahlreiche Stammkräfte ersetzen. Dieser Punkt geht ganz klar an Jens Keller.

Attraktivität des Fußballs und eigene Handschrift

Unter Jens Keller sahen die Fans einige torreiche Spiele. Kellers Bundesliga-Zeit begann mit einem 5:4 gegen Hannover 96. Kellers Toreschnitt ist deutlich höher als Di Matteos. Allerdings gelang es Keller in 76 Pflichtspielen nicht, dem Schalke-Fußball eine eigene Handschrift zu verpassen. Schalke spielte meist im berechenbaren 4-2-3-1-System; ohne Gegenpressing, meist auch ohne Tempo. Den Erfolg hatte Keller oft den guten Indivdualisten im Team oder einem guten Torwart zu verdanken. Es gab unter Keller zahlreiche unterirdische Spiele (Beispiele: 1:2 gegen Fürth, 1:1 gegen Maribor, 1:6 gegen Madrid, 1:5 in München). Roberto Di Matteo steht für ein massives Abwehr-Bollwerk. Das ist zwar nicht sehr attraktiv, aber als Schalke den Gegnern wochenlang im 3-5-2-System begegnete, war das Di-Matteo-Fußball. Heißt: Schalke zeigte unter Keller zwar keinen Vollgas-Fußball, aber immerhin fielen Tore. Di Matteo brachte immerhin eigene Ideen ein. Konstant spielten die Schalker weder unter Keller noch unter Di Matteo. Unentschieden.

Akzeptanz bei der Mannschaft

Nach Kellers letzter Niederlage in Hoffenheim verfolgte Manager Horst Heldt die Spielanalyse und senkte danach den Daumen. "Ich habe in die Gesichter der Spieler geschaut", sagte Heldt seinerzeit, als er den Rauswurf begründete. Das hieß: Die Spieler folgen Keller nicht mehr. Schon vorher gab es Risse. In einem Auswärtsspiel in Bremen stellte Kevin-Prince Boateng auf dem Platz eigenständig die Taktik um, unter Di Matteo unvorstellbar. Und nach einigen Spielen wie einem 1:5 in München oder dem 0:0 gegen Mainz hinterfragten einige Spieler Kellers Taktik oder lobten auffällig den Trainer des Gegners. Di Matteo stellte schon bei der Vorstellung klar: "Ich bin der Boss!" Heldt schwärmte von Di Matteos Fähigkeit, "mit Stars umgehen zu können." Hier hatte Keller offenbar Schwächen. Vorteil Di Matteo.

Förderung der Talente

Die "Knappenschmiede" spielt auf Schalke eine große Rolle. So viele Jugendspieler wie möglich sollen den Weg in die Profimannschaft finden. Als ehemaliger U17-Trainer kannte Keller die meisten Talente genau. Unter Keller entwickelten sich Sead Kolasinac, Kaan Ayhan und Max Meyer zu gestandenen Bundesliga- und sogar Nationalspielern. Auch der Ex-Bochumer Leon Goretzka schaffte den Sprung in die Stammelf. Julian Draxler, Ralf Fährmann und Joel Matip wurden zu festen Größen. Unter "RdM" stagnieren Meyer und Ayhan. Kolasinac, Draxler und Goretzka fehlten wegen langwieriger Verletzungen. Einzig Leroy Sané ist ein Gewinner unter Di Matteo. Vorteil Jens Keller.

Rückhalt des Vorstandes

In diesen Tagen wird auf Schalke trotz der dürftigen Resultate an Roberto Di Matteo nicht gerüttelt. Immer wieder verweist Manager Horst Heldt auf den langfristig laufenden Vertrag, lobt Di Matteo überschwänglich. Soviel Rückhalt hätte sich Keller gern gewünscht. Lange zierten sich die Schalker, Zukunftspläne über 2015 hinaus zu verkünden - und schwächten so Kellers Position. Heldt verhandelte mehrfach mit anderen Kandidaten. Als Schalke-Boss Clemens Tönnies sechs Wochen vor Kellers Rauswurf Gespräche ankündigte, stand längst fest, dass Keller spätestens am Saisonende gehen muss. Vorteil Roberto Di Matteo.

Beliebtheit bei den Fans

Vorab: Beide Trainer wurden von den königsblauen Fans nicht auf Händen getragen. Nach Kellers Rauswurf gab es nur wenige kritische Stimmen. Allerdings lobten viele Anhänger den stets ehrlichen Trainer für die Fähigkeit, jeglicher Kritik mit viel Ruhe zu begegnen. Roberto Di Matteo hingegen können viele Fans noch gar nicht so richtig einschätzen, da sich "RdM" in einem hochemotionalisierten Umfeld kaum eine Miene verzieht. Die Anzahl der nicht öffentlichen Trainingseinheiten hat sich drastisch erhöht. Da die Erfolge ausbleiben, gibt es von Woche zu Woche mehr Kritiker an Di Matteo. Vorteil Jens Keller.

 
 

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