Keller oder Veh - Schalke in der Trainer-Zwickmühle

Manfred Hendriock
Wer trainiert Schalke in der kommenden Saison - Armin Veh (l.) oder Jens Keller (r.)?
Wer trainiert Schalke in der kommenden Saison - Armin Veh (l.) oder Jens Keller (r.)?
Foto: imago
Während bei Schalke 04 die Gerüchte um eine Verpflichtung von Armin Veh neue Nahrung erhalten, gibt es vereinsinterne Stimmen, die sich für Jens Keller als Dauerlösung aussprechen. Noch ist keine Entscheidung gefallen. Veh will aber in Kürze erklären, ob er in Frankfurt bleibt.

Gelsenkirchen/Nürnberg. Am vergangenen Mittwoch, als in Rom gerade ein neuer Papst gewählt wurde, waren auch die Schalker Entscheidungsträger zu einer wichtigen Sitzung zusammengekommen. Vorstand und Aufsichtsrat berieten über die Trainerfrage für die kommende Saison, und nach der Sitzung sahen nicht wenige Teilnehmer auch über der Schalker Geschäftsstelle bald weißen Rauch aufziehen. Es habe „eine Tendenz pro Jens Keller“ gegeben, hieß es danach aus der Runde; man sei es dem jungen Trainer „schuldig, dass seine gute Arbeit gewürdigt wird“. Nach Möglichkeit wolle man noch in diesem Monat eine Entscheidung herbeiführen – nach den Bundesligaspielen in Nürnberg und dann am Ostersamstag gegen Hoffenheim.

Das erste dieser zwei wegweisenden Spiele ging am Samstag beim 1.FC Nürnberg mit 0:3 verloren.

Nun ist es selbst auf Schalke nicht so, dass alle Überlegungen nach nur einem Spiel wieder verworfen werden, aber die Dynamik des Wochenendes verdeutlichte einmal mehr die große Zwickmühle, in der Schalke bezüglich der Trainerfrage für die neue Saison steckt. Während Jens Keller die Chance zur weiteren Eigenwerbung verpasste, erhielten die bekannten Gerüchte um Frankfurts Trainer Armin Veh neue Nahrung. Veh, so hieß es, werde im Sommer nach Gelsenkirchen wechseln. Eine Darstellung, die von allen Seiten als vorschnell zurückgewiesen wurde: „Nichts ist perfekt“, sagten unisono Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Manager Horst Heldt. Und auch Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner betonte: „Ich kann nur sagen, dass da nix dran ist. Wir sind nach wie vor erster Ansprechpartner, und die Chance ist groß, dass Armin bei uns bleibt.“

Veh will sich in der Länderspielpause äußern

Der 52 Jahre alte Veh will sich in der Länderspielpause dazu äußern, ob er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bei der Eintracht verlängert. Nach der 1:2-Niederlage am Sonntag gegen den VfB Stuttgart zeigte er sich genervt von den Spekulationen und sagte: „Dieses Rumgeeiere ist auf Dauer unerträglich.“ Menschen, die Veh nahe stehen, verweisen freilich darauf, dass eine Absage des Trainers an Frankfurt nicht automatisch einen Wechsel nach Schalke zur Folge hätte.

Dass Schalke mit Armin Veh in Kontakt steht, ist ein Fakt, der von keiner Seite bestritten wird. Dies zu verleugnen, würde Horst Heldt als „lächerlich“ empfinden angesichts seiner Freundschaft zu Veh, die in gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart entstanden ist: Damals führten sie den VfB 2007 zur Deutschen Meisterschaft. Auch Veh sagt: „Natürlich kann ich mir vorstellen, mit Horst Heldt noch einmal zusammenzuarbeiten.“ Etwas anderes zu behaupten, „wäre doch eine Lüge.“ Doch weiter sind die Kontakte bisher nicht gediehen. Nach Informationen dieser Zeitung hat es bisher weder ein schriftliches Schalker Angebot für Veh, noch eine mündliche Absprache oder irgendein zielführendes Treffen gegeben. Aber das kann natürlich schnell gehen: Gerade angesichts der kurzen Wege zwischen Veh und Heldt.

Wagnis mit Keller - oder vermeintlich sichere Lösung mit Veh?

Zumal Schalke eben die grundsätzlichen Bedenken bezüglich der Reputation von Jens Keller nicht ignorieren kann. Der 42-Jährige, der im Winter Huub Stevens ablöste, mache einen ausgezeichneten Job, sei hungrig auf Erfolg und habe eine gute Ansprache sowie ein hohes Ansehen bei der Mannschaft, heißt es auf Schalke. Doch nach den Erfahrungen zu Beginn der Keller-Zeit müssen die Königsblauen damit rechnen, dass der einstige Jugend-Trainer keinerlei Kredit in der Öffentlichkeit erhält, um eine Reihe von Misserfolgen zu überstehen. Schon nach der Niederlage in Nürnberg ahnte Keller, dass die Zeiten für ihn nun „wieder ein bisschen unangenehmer“ werden würden.

Deswegen steckt Schalke in der Zwickmühle zwischen dem Wagnis mit Keller und der vermeintlich sicheren Lösung mit Veh. Weißer Rauch über der Geschäftsstelle ist da noch nicht in Sicht.