Gelsenkirchen

Kampf-Derby endet 1:1 - BVB hadert mit der Chancenverwertung, Schalke mit dem Schiedsrichter

Thomas Tartemann
Die Schalker Spieler forderten in der Nachspielzeit einen Elfmeter und belagerten nach dem Spiel Schiedsrichter Zwayer.
Die Schalker Spieler forderten in der Nachspielzeit einen Elfmeter und belagerten nach dem Spiel Schiedsrichter Zwayer.
Foto: firo
  • Das 150. Bundesliga-Derby endet 1:1
  • Aubameyang brachte den BVB in Führung, Kehrer glich für Schalke aus
  • Eine strittige Szene erhitzte die Gemüter kurz vor Schluss

Gelsenkirchen. 62271 Fans erlebten beim Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund eine emotionale Achterbahnfahrt. Zunächst jubelten die rund 7000 mitgereisten BVB-Fans über das Führungstor von Pierre-Emerick Aubameyang und rauften sich nach mehreren vergebenen Großchancen die Haare, dann kam Schalke 04 durch Talent Thilo Kehrer doch noch zum Ausgleich. Am Ende trennten sich die Rivalen 1:1 (0:0). Schalke verließ stocksauer den Rasen, da Schiedsrichter Felix Zwayer ein BVB-Handspiel im Strafraum (90+3) nicht als elfmerterreif wertete.

Schalkes Trainer Markus Weinzierl brachte erstmals seinen spanischen Verteidiger Coke in einem Pflichtspiel. Coke rückte für den angeschlagenen Sead Kolasinac in die Viererkette auf die rechte Seite. Thilo Kehrer, der zuletzt rechts vertedigte, übernahm die linke Seite.

Heißes Derby ab Anpfiff

Schon nach 180 Sekunden brannte es im Schalker Strafraum. Ousmane Dembélé lief Benjamin Stambouli davon, tanzte S04-Verteidiger Benedikt Höwedes aus, fand aber in der Mitte des Fünfmeterraums keinen Abnehmer. Matija Nastasic löschte den Brandherd. Schalke antwortete zügig. Vorstoß Thilo Kehrer, Pass auf Guido Burgstaller, abgewehrt zur Ecke (5.).

Nach vielversprechendem Beginn schraubten beide Seiten ihre Bemühungen, im gegnerischen Strafraum für Gefahr zu sorgen, zurück. Gerade bei den Gastgebern fehlte oftmals die zündende Idee, viele Aktionen wirkten umständlich, die Überraschungseffekte fehlten.

Dembélé bringt Schalkes Defensive ins Schwitzen

Nach einem Missverständnis zwischen Leon Goretzka und Daniel Caligiuri, der zu spät schaltete, startete erneut Dembélé durch. Schalkes Torwart Ralf Fährmann war jedoch auf dem Posten (21.). Die Königsblauen versuchten es durch Caligiuri aus der Distanz – sein Freistoß zischte am langen Eck vorbei (26.).

Kurz vor der Pause musste Ralf Fährmann erneut sein Können unter Beweis stellen, nachdem Pierre-Emerick Aubameyang auf das Schalker Tor zustürmte. Bedrängt von Benedikt Höwedes war der Schuss des Gabuners nicht ganz so präzise, so dass Fährmann parieren konnte (34.).

Aubameyang mit Maskenjubel

Nach Wiederanpfiff nahm das Ruhrpott-Derby mehr Fahrt auf. Nach einem Goretzka-Konter landete der Ball bei Guido Burgstaller, der aber von Dortmunds Sokratis energisch bedrängt wurde und nur einen Schuss zustande brachte, mit dem BVB-Torhüter Roman Bürki keine Schwierigkeiten hatte (53.).

Der sofortige Gegenangriff brachte Dortmund in Führung. Nach feinem Zuspiel von Shinji Kagawa klappte Schalkes Abseitsfalle nicht. Dembélé passte quer auf den freistehenden Aubameyang, der ins leere Tor einschoss (54.). Der Gabuner zog sich beim Jubeln eine Stoffmaske über sein Gesicht und ließ sich vor dem schwarz-gelben Fanblock feiern.

Dortmund verhibt Hochkaräter

Schalke antwortete durch einen wuchtigen Höwedes-Kopfball, den Bürki mit einem starken Reflex zur Ecke abwehren konnte (57.). Glück hatten die Königsblauen, dass eine ähnliche Situation wie beim 0:1 ohne Folgen blieb. Das Zuspiel von Kagawa erreichte zwar Aubameyang, doch dessen Querpass-Versuch auf den einschussbereiten Dembélé wurde von Höwedes abgefischt (58.).

Glück hatte Schalke, als der quirlige Dembélé in der 74. Minute nur den Innenpfosten des Schalkes Kastens traf. Dann explodierte die Freude auf der anderen Seite. Hackentrick Goretzka, Flachschuss Thilo Kehrer – 1:1 (77.). Sein erstes Profitor, das Sportvorstand Christian Heidel zu einem ein Meter hohen Luftsprung am Spielfeldrand veranlasste, wird Kehrer ewig in Erinnerung behalten.

Strittige Hand-Szene in den Schlusssekunden

In der Schlussphase brachten sowohl Markus Weinzierl als auch BVB-Coach Thomas Tuchel frische Offensivkräfte, aber es blieb in der hektischen Schlussphase bei der Punkteteilung. Schalkes Trainer Markus Weinzierl wurde wegen Reklamierens eines BVB-Handspiels im Strafraum sogar noch auf die Tribüne verwiesen.

Bitter für Schalke: Bentaleb holte sich bei einer Rudelbildung die zehnte gelbe Karte ab und ist am Dienstag beim Auswärtsspiel in Bremen gesperrt.

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