Justiz ermittelt nach Schalke-Spiel gegen 23 Polizisten

Die Justiz ermittelt gegen Polizisten und Besucher im Stadion.
Die Justiz ermittelt gegen Polizisten und Besucher im Stadion.
Foto: Getty
Gut sieben Monate nach dem umstrittenen Polizeieinsatz am Rande des Champions-League-Qualifikationsspiels gegen PAOK Saloniki in der Schalker Arena ermittelt die Justiz jetzt gegen mehrere Polizisten und Besucher im Stadion. Darüber informierte der Innenminister am Donnerstag den Landtag NRW.

Düsseldorf/Gelsenkirchen.. Aus dem aktuellen Champions-League-Wettbewerb ist Schalke 04 jüngst ausgeschieden. Doch die Ereignisse aus der Qualifikationsrunde vom Heimspiel gegen PAOK Saloniki vom 21. August vergangenen Jahres haben noch immer Nachwehen - juristische.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile gegen 23 Polizeibeamte und 40 Besucher des Spiels. Hintergrund ist der umstrittene Polizeieinsatz, bei dem Beamte einer Einsatzhundertschaft die Nordkurve der Schalker Veltins Arena gestürmt hatten.

Eine "rückhaltlose Aufklärung der Ereignisse" zu dem Vorfall hatte Innenminister Ralf Jäger (SPD) bereits im vergangenen September versprochen. Auf Antrag der Piraten-Fraktion hat Jäger nun einen schriftlichen "Nachbericht" vorgelegt. An diesem Donnerstag wird er im Innenausschuss des Landtags vorgestellt.

Justiz ermittelt auch gegen 40 Schalke-Anhänger

Demnach ermittelt die Staatsanwaltschaft Essen gegen 23 Polizeibeamte wegen "Körperverletzung im Amt", weil sie beim Sturm in den Fanblock in der Nordkurve Reizgas und den "Einsatzmehrzweckstock" eingesetzt hatten. Gleichzeitig laufen 40 Ermittlungsverfahren gegen Stadionbesucher; die juristischen Vorwürfe lauten Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte bis hin zu gefährlicher Körperverletzung.

Inwieweit die Ermittlungen gegen die Polizeibeamten auch dienstrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, lässt man im Innenministerium derzeit offen: "Wir warten das Ergebnis der Ermittlungen ab", sagt ein Sprecher.

Dass Betroffene bei Widerstandsanzeigen durch die Polizei ihrerseits Beamte anzeigen, sei "Normalität". Je nachdem wie schwer die Vorwürfe gegen die Beamten sind, würden auch Dispziplinarverfahren gegen die betroffenen Polizisten eingeleitet.

Provokation durch eine Ultra-Flagge

Bei dem Champions-League-Spiel hatten Schalker Anhänger die Fans des griechischen Gegners PAOK Saloniki provoziert. Sie hatten ein Banner befreundeter Ultras des mazedonischen Fußballklubs Vardar Skopje am Gitter ihres Fanblocks aufgehangen.

Laut Polizei sei es dem Schalker Ordnungsdienst trotz Aufforderung durch die Einsatzleitung nicht gelungen, die Fahne bereits in der ersten Halbzeit zu entfernen. In der Mitte der zweiten Halbzeit hatte die Polizei dann den Block gestürmt, um die Fahne zu entfernen. Laut Sprecher des Innenministeriums "drohte ein Sturm des Blocks durch 2500 hoch emotionalisierte Griechen".

Der Einsatz hatte dennoch enorme Verwerfungen ausgelöst. Verein und Fans kritisierten, die Polizei sei unverhältnismäßig und brutal vorgegangen. NRW-Innenminister Ralf Jäger und Polizeigewerkschaften nahmen die Polizei in Schutz und griffen ihrerseits den Schalke-Vorstand an. Die Situation ist mittlerweile befriedet, heißt es im Innenministerium.

Schalke entschuldigt sich für "zu scharfe" Kritik an Polizeieinsatz

Laut Bericht "räumt der FC Schalke 04 ein, dass die öffentlich geäußerte Kritik am Polizeieinsatz in Wortwahl und Tenor zu scharf war". Künftige Auseinandersetzungen werde man nicht mehr öffentlich führen.

Zudem habe die Polizei ihre Sicherheitskonzepte optimiert: "Die Präsenz von Einsatzkräften im Stadion hat sich bei Spielen ohne besonderes Sicherheitsrisiko verringert" - und zwar "bei der weit überwiegenden Mehrheit der Spielbewegungen" auf Schalke. Klassische Ordneraufgaben übernehme die Polizei "grundsätzlich nicht mehr".

Auch Schalke 04 hat laut dem Bericht des Innenministeriums Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen. Derzeit laufe die Ausschreibung für einen neuen Ordnungsdienst. Neben einem neuen Fanbeauftragten sei im Stadion zudem "neue Kameratechnik verbaut worden".

Schalke jedoch dementiert diese Aussage: "Es besteht kein Zusammenhang zwischen den Ereignissen während des Spiels und der Verpflichtung eines neuen Sicherheitsdienstes", heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Die Ausschreibung sei bereits lange vorher geplant gewesen. Auch die Neubesetzung des Fanbeauftragten hätte andere Gründe.

 
 

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