Julian Draxler und der machtlose Schalke-Trainer

Schalkes Nationalspieler Julian Draxler und Trainer Jens Keller.
Schalkes Nationalspieler Julian Draxler und Trainer Jens Keller.
Foto: dpa
Schalkes Nationalspieler sucht Verantwortung für die schwachen Auftritte bei sich und seinen Teamkollegen. „Bei solchen Fehlern, wie sie gegen Hoffenheim passiert sind“, sagt der 20-Jährige, „ist jeder Trainer machtlos.“ Doch wie lange genießt Jens Keller noch den Rückhalt seiner Fußballer?

Gelsenkirchen. Das ist doch mal eine Nachricht – völlig unaufgeregt: Die Bundesliga-Fußballer des FC Schalke 04 werden während ihrer Vorbereitung auf die Rückrunde am 18. Januar (Samstag) ein Testspiel beim Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Köln absolvieren. Anstoß wird um 15.30 Uhr im Rhein-Energie-Stadion sein, ehe die Königsblauen einen Tag später beim Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen antreten werden (14 Uhr).

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Aufregung rund um den Ernst-Kuzorra-Weg in diesen Tagen immens groß ist, dass fast schon selbstverständlich die Frage gestellt werden muss: Wer wird der Schalker Trainer sein, wenn eben diese Freundschaftsspiele stattfinden werden? Horst Heldt, der Manager, hat dem nun seit einem Jahr geduldeten, aber überhaupt nicht geliebten Jens Keller eine Job-Garantie bis Weihnachten geben. Aber kann er diese auch halten, wenn die Königsblauen am Mittwochabend (20.45 Uhr/live auf Sky und bei uns im Ticker) gegen den FC Basel scheitern und aus der Champions League fliegen sollten?

„Die Situation ist kritisch“, sagte Nationalspieler Julian Draxler dem Kicker, ist aber auch nicht in der Lage, das ständige Auf und Ab der Mannschaft zu erklären – wobei das Ab einen klaren Vorsprung hat. „Im Prinzip kriegen wir das ja hier schon seit Jahren nicht in den Griff“, erklärt der 20-Jährige. „Das ist auf Dauer sehr frustrierend.“

Es ist nicht verwunderlich: Die Zahl der Kritiker Jens Kellers ist nach dem Pokal-Aus gegen die TSG 1899 Hoffenheim sowie der 1:2-Pleite bei Borussia Mönchengladbach und dem daraus resultierenden Sieben-Punkte-Rückstand auf Bundesliga-Platz vier nicht kleiner geworden. Allerdings scheinen die Spieler hinter dem 43-jährigen Fußball-Lehrer zu stehen. „Der Trainer gibt uns einen klaren Plan. Aber wir müssen ihn auch umsetzen“, berichtet Torwart Ralf Fährmann. „Bei solchen Fehlern, wie sie gegen Hoffenheim passiert sind, ist jeder Trainer machtlos“, sagt Julian Draxler.

Marc Wilmots als Schalke-Trainer?

Ob sich Jens Keller noch lange über den Rückhalt seiner Fußballer freuen darf, ist ungewiss. Zumal nicht nur der Name Thomas Schaaf herumgeistert, sondern auch der des beim FC Fulham beurlaubten Martin Jol oder der des Nationaltrainers Belgiens, der Name Marc Wilmots, des Kampfschweines, das 1997 in der Schalker Mannschaft stand, die in Mailand den Uefa-Pokal gewann.

Klar: Über solche Spekulationen sollten sich die Spieler so kurz vor dem entscheidenden Gruppenspiel der Champions League gegen den FC Basel keine Gedanken machen. Und Benedikt Höwedes scheint wegen der doch sehr großen Aufregung etwas überrascht zu sein. „Wir hätten zwar bei einem Erfolgserlebnis mit viel Selbstvertrauen ins Spiel am Mittwoch gehen können, aber ich sehe keinen Grund, Panik zu machen oder Angst zu haben“, sagt der Kapitän, der sich das nächste Bundesliga-Spiel gegen Freiburg (Sonntag, 15.30 Uhr/live in unserem Ticker) wegen seiner Gelb-Roten Karte vom Samstag nur als Zuschauer ansehen darf. Dieses Problem hat am Mittwoch schon Jermaine Jones. Der Nationalspieler der USA muss seine Sperre abbrummen, nachdem er in der Partie bei Steaua Bukarest vor zwei Wochen seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb gesehen hat.

3,5 Millionen Euro für den Einzug ins Achtelfinale

Die Bedeutung des Spiels gegen den FC Basel, der als Gruppen-Zweiter einen Punkt mehr als die Königsblauen hat, nämlich acht, und auch nur einen Zähler hinter dem FC Chelsea liegt, muss nicht besonders herausgestellt werden. Und da passt sogar einer der Lieblingssätze Jens Kellers: „Es geht hier nicht um meine Person.“ Stimmt: Es geht um den FC Schalke 04. „Wir stehen in der Verantwortung, Gas zu geben“, betont Julian Draxler, dem am 1. Oktober in der Schweiz das Siegtor gelungen ist, und strahlt zugleich Zuversicht aus. Warum? „Weil wir beim 1:0 in Basel gezeigt haben, dass wir diesen Gegner schlagen können. Die Überzeugung ist da.“

Schließlich geht es auch um viel Geld: Die 16 Teams, die ins Achtelfinale der Champions League einziehen, erhalten jeweils 3,5 Millionen Euro. Die Schalker, die am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren werden, wollen die Vereinskasse aber gleich um 4,5 Milllionen aufbessern – eine Million Euro springt für einen Sieg heraus. Eine halbe Million Euro, die es für ein Unentschieden gibt, wäre nicht mal ein Trostpflaster.

 
 

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