Huntelaar und Tönnies loben und tadeln Schalke-Fans

Andreas Ernst
Energisch: Schalke-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar motivierte nach dem 2:2 die Fans.
Energisch: Schalke-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar motivierte nach dem 2:2 die Fans.
Foto: Sebastian Konopka / FUNKE FotoServices
Beim Stand von 1:2 feierten die Schalke-Fans Stuttgarts Trainer Huub Stevens. Nach dem 3:2-Erfolg gab es dafür leise Kritik von Vereinsboss Tönnies.

Gelsenkirchen. Es lief die 71. Minute, der Tabellenletzte VfB Stuttgart führte im Bundesligaspiel beim Europa-League-Anwärter FC Schalke 04 mittlerweile verdient mit 2:1. Dann stimmten die Schalke-Fans das an, was die Verantwortlichen befürchtet hatten. "Huub Steeeeeevens" riefen Zehntausende eine Minute lang. Der königsblaue Jahrhunderttrainer, inzwischen in Diensten des VfB, erhob sich und applaudierte. Dieses Wechselspiel funktionierte, denn der S04-Anhang stimmte unmittelbar die Eurofighter-Hymne "Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon..." an. Das Spiel gegen Stuttgart war Nebensache und schien verloren.

20 Minuten später stand es 3:2, die Schalker hatten das Spiel gedreht. Stevens schlich enttäuscht aus der Arena und für die eigenen Spieler gab es nicht mehr Spott, sondern Beifall. Höhen, Tiefen, große Emotionen - Schalke eben.

Doch vergessen hatten die Schalker Verantwortlichen und Spieler die schwierige Phase nach dem 1:2 nicht. "Die Reaktion der Fans war bemerkenswert", sagte Schalke-Boss Clemens Tönnies, fügte dann aber hinzu: "Sie haben zwischenzeitlich ein bisschen nachgelassen. Dann kamen sie aber wieder, und das war klasse." Auch von Doppel-Torschütze Klaas-Jan Huntelaar gab es Lob und Tadel für die S04-Fans. Huntelaar hatte die Nordkurve nach seinem Treffer zum 2:2 (78.) aktiv aufgefordert, die Mannschaft wieder zu unterstützen. "Die Kurve hat sich von uns abgewendet", erklärte Huntelaar und ergänzte: "Es war wichtig für uns, heute ein Erfolgserlebnis zu erreichen. Das ist einfacher mit der Kurve als ohne." Der "Hunter" war enttäuscht, dass die Fans nach dem 1:2 den Spielern zeitweise den Rücken zukehrten: "Es ist mir eigentlich egal, wenn wir als Mannschaft weitermachen und eine Reaktion zeigen. Wenn es wie diesmal die Mannschaft runterzieht, ist es natürlich schlecht." Für die Unterstützung nach dem 2:2 gab es aber lobende Worte vom Stürmer.

Schalke-Manager Heldt findet Stevens-Rufe nicht schlimm

Manager Horst Heldt wollte sich nicht auf eine Fan-Kritik einlassen. Die Stevens-Rufe fand er nicht schlimm. "Das ist ganz normal und berechtigt. Huub hat alle Anerkennung bei den Leuten, bei den Verantwortlichen, bei mir. Dass unsere Fans ihn huldigen, ist mehr als richtig." Heldt wollte die Stevens-Rufe nicht als Kritik am derzeitigen Schalke-Coach Roberto Di Matteo verstanden wissen: "Huub hat einen Stein im Brett bei den Fans. Das ist kein Misstrauen gegen einen anderen."

Di Matteo wagte ebenfalls keine Fan-Kritik. Er sagte: "Ich möchte mich bedanken. Die Fans haben die Mannschaft phänomenal unterstützt und dazu beigetragen, dass wir heute gewonnen haben." Auch er hakte die Stevens-Rufe schnell ab: "Er verdient allen Respekt hier."