Huntelaar fordert einen Schalke-Plan - Manager Heldt knurrt

Andreas Ernst
Schalke-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (l.) mit Trainer Jens Keller.
Schalke-Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (l.) mit Trainer Jens Keller.
Foto: imago
Die Saison 2014/2015 ist erst vier Wochen alt - und doch geht es beim FC Schalke 04 drunter und drüber. Schalke verlor von den ersten vier Pflichtspielen drei - und nach der 1:4-Packung in Mönchengladbach gab es auch noch Wirbel um einen Satz von Klaas-Jan Huntelaar.

Mönchengladbach. Der Mannschaftsbus des FC Schalke 04 stand schon abfahrbereit vor dem Kabinentrakt im Borussia-Park, nur Benedikt Höwedes fehlte noch. Der Kapitän weilte bei der Dopingprobe. Alles war schon gesagt nach der 1:4-Packung bei Borussia Mönchengladbach, doch Manager Horst Heldt kehrte trotzdem in die Mixed Zone zurück. Es ging um eine Aussage von Klaas-Jan Huntelaar, mit der Heldt ein paar Minuten zuvor konfrontiert worden war. "Wir müssen einen Plan haben, um das zu verbessern", hatte Huntelaar am Ende einer dreiminütigen Klartext-Analyse gesagt.

Im ersten Moment hatte Heldt noch ironisch reagiert - bei seinem Überraschungs-Auftritt in der Mixed Zone zu später Stunde äußerte sich der Manager deutlich gereizter: "Ich habe mir die Tonbandaufnahme angehört und kann nicht erkennen, dass Klaas-Jan gegen irgendjemanden schießt. Ich kriege das Gefühl vermittelt, dass Klaas-Jan gesagt haben soll, dass wir keinen Plan gehabt hätten. Das ist nicht in Ordnung." Die Saison ist keine vier Wochen alt - und schon muss sich Heldt mit vielen Baustellen beschäftigen. Es geht um einen Fehlstart in der Bundesliga mit nur einem Punkt aus drei Spielen, das peinliche Aus im DFB-Pokal, die auffällige Häufung von Muskelverletzungen, den Social-Media-Fehltritt von Tranquillo Barnettas Agentur - und auch einfach nur um die Kommunikation mit Journalisten.

Und es geht um einen Plan. Was war denn der königsblaue Plan in Mönchengladbach?

Noch am Freitag hatte Trainer Jens Keller die Stärken der Borussia hervorgehoben: "Sie kommen über die Geschwindigkeit." Doch gleich zwei Tore - das 0:1 (17., Torschütze: André Hahn) und 1:3 (56., Torschütze: Max Kruse) - fielen nach Geschwindigkeits-Angriffen, weitere Konter ließen die Gladbacher ungenutzt. Was immer sich Keller hatte einfallen lassen - es ging schief. Rechtsverteidiger Christian Clemens fing nur gut an - und legte vor dem 1:4 (79.) dem Torschützen Raffael den Ball perfekt auf den Fuß. Auf der Doppel-Sechs versagten Roman Neustädter und Marco Höger (WAZ.de-Note für beide: 5,5). Beide liefen ständig hinterher, sahen früh Gelb. Neustädter unterlief vor dem Freistoß, der zum 0:2 (49., Torschütze: André Hahn) führte, das entscheidende Foul. Christian Fuchs ging auf der linken Seite in der Offensive unter. Und dass Keller Kevin-Prince Boateng vertraute, war auch kein glorreicher Einfall. Boateng leitete mit einem Ballverlust das erste Gegentor ein.

Benedikt Höwedes jedenfalls sprach, nachdem er die Dopingprobe hinter sich gebracht hatte, sehr wohl von einem Schalker Plan: "Die taktischen Vorgaben haben wir katastrophal umgesetzt." Höwedes schoss gegen seine Mitspieler, ohne Namen zu nennen: "Wir haben nicht genug Verantwortung auf einigen Positionen übernommen. Jeder muss sich jede Woche aufs Neue hinterfragen, ob er alles für die Mannschaft getan hat, alles gegeben hat, ob wir genug Einsatz und Wille an den Tag gelegt haben. Ich glaube nicht, dass das der Fall war. Sonst hätten wir nicht vier Tore kassiert." Das bittere Fazit des Weltmeisters: "Gladbach hat auch in der Höhe verdient gewonnen."

Kellers wiederholte Hoffnung - "Die Mannschaft hat es oft genug weggesteckt"

Leichter wird es für die Schalker nicht. Schon am Mittwoch (20.45 Uhr, live in unserem Ticker) treten sie in der Champions League beim FC Chelsea an. Die Personalsituation ändert sich nicht. Weiterhin fehlen acht Spieler, Christian Fuchs und Dennis Aogo mussten auch noch angeschlagen raus. Torwart Ralf Fährmann wollte sich nicht herausreden: "Natürlich haben wir viele Verletzte, aber das darf keine Ausrede sein. Die Qualität im Kader ist vorhanden." Höwedes sagte: "Es ist nicht förderlich, dass so viele Spieler fehlen - aber wir dürfen nicht rumlamentieren, dass die Situation so ist, wie sie ist." Horst Heldt fügte hinzu: "Es bringt nichts, sich Alibis zu verschaffen. Das ist immer der falsche Weg."

Trainer Keller hingegen schob die erneute Pleite hingegen auf die lange Verletztenliste, ob in TV-Interviews oder auf dem Podium im Presseraum der Borussia. "Wir tun uns schwer, die Ausfälle zu kompensieren. Wir hatten vier Spieler auf dem Platz, die monatelang nicht gespielt haben. Man hat am Ende gesehen, dass der Spielrhythmus nicht da ist. So kam es zur Niederlage", sagte Keller - und fügte dann hinzu: "Die Mannschaft hat das aber oft genug weggesteckt. Sie hat im letzten Jahr ähnliche Situationen durchlebt. So wird es auch diesmal sein."

Das sagte Keller nach dem Pokal-Aus in Dresden und dem 1:2 in Hannover nahezu wortgleich. Es änderte sich wenig.