Heldt trägt eine Mitverantwortung an der Schalker Krise

Dirk Graalmann
In der Kritik: Schalke-Manager Horst Heldt.
In der Kritik: Schalke-Manager Horst Heldt.
Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
In Krisensituationen wie die Schalker sie derzeit durchmachen stellt sich stets die Frage nach der Verantwortung. Eine Generalabrechnung mit dem FC Schalke im Allgemeinen, Trainer Jens Keller im Besonderen – und Manager Horst Heldt im Speziellen wäre eine natürliche Reaktion. Ein Kommentar.

Essen. Das denkbar Populärste in dieser Situation wäre eine Generalabrechnung mit dem FC Schalke im Allgemeinen, Trainer Jens Keller im Besonderen – und Manager Horst Heldt im Speziellen. Es wäre ein Reflex. Der kann richtig sein. Muss es aber nicht.

Es gibt durchaus zahlreiche Dinge, die an dieser Stelle zur Verteidigung des viel gescholtenen Horst Heldt vorgebracht werden könnten. Der Schalker Sportvorstand trägt keine Verantwortung für die Verletzungen diverser Hochleistungsprofis; Heldt ist als treuer Diener seines Herrn womöglich auch nicht so frei im Transfergebaren wie er es gerne wäre; und zudem darf man Heldt attestieren, nach der Blamage seiner sündhaft teuren, aber einfallslosen Truppe gegen die engagierten Billigheimer aus Fürth zumindest nicht beschwichtigt, nicht gefaselt zu haben: „Das war beschämend“, sagte Heldt – und stellte sich selbst mit in den Orkan der Entrüstung. Das war aufrichtig. Das war korrekt.

Heldt hat Fehler begangen

Das alles aber ändert nichts an der Mitverantwortung, die der selbst hoch dotierte Sportvorstand des FC Schalke an der derzeitigen Krise des Klubs trägt. Die Mannschaft ist schwer erziehbar? Heldt hat sie mit zusammengestellt. Die Erwartungshaltung der königsblauen Fans ist zu hoch? Mitnichten. Heldt selbst hat immer wieder – völlig zurecht – das Ziel Champions League ausgegeben. Die Mannschaft wirkt defensiv nicht gefestigt, ihr fehlt ein Spitzenkönner zwischen den Pfosten? Heldt hat diese Torhüterlösung mitgetragen.

Fehlt noch was? Ach so, der Kredit des neuen Trainers Jens Keller, auf Betreiben eben jenes Horst Heldt installiert, ist längst aufgebraucht. Die kritischen Fragen nach einer möglichen Demission häufen sich, Kellers Bilanz (Pokal-Aus, Testspiel-Debakel gegen die Bayern, sieglos gegen die Schlusslichter Augsburg und Fürth) ist numerisch wie psychologisch verheerend. Es wäre also ein leichtes, den 42-Jährigen im gnadenlosen Ergebnissport Fußball in den Senkel zu stellen.

Und die Frage, ob die Berufung des unerfahrenen Keller ein kluger Schachzug von Heldt war, brennt. Wenn Keller alsbald positive Ergebnisse liefert, dann gebührt dem loyalen Heldt der Lorbeer – und die Absolution all’ der Zweifler. Wenn nicht, wird Keller gehen. Und Horst Heldt wird sich die Frage stellen müssen, ob er noch bleiben kann.