Heldt bezeichnet Schiedsrichter als Pappnasen

Falk Blesken
Die krasse Fehlentscheidung der Unparteiischen gegen Schalke 04 im Europa-League-Achtelfinale in Enschede hat Manager Horst Heldt und Trainer Huub Stevens zur Weißglut getrieben. Heldt sparte nicht mit Kritik an dem Schiedsrichtergespann.

Gelsenkirchen. Diese eine Szene, sie ließ gestern Abend alles andere in Vergessenheit geraten. Und sie ließ die Emotionen hoch kochen. Nach dem Schlusspfiff, nach dem 0:1 (0:0) des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League bei Twente Enschede noch mehr als unmittelbar nach dem Pfiff des Schiedsrichters. „Was soll ich dazu sagen“, schimpfte Manager Horst Heldt, als ihm zum x-ten Mal die Fernsehbilder dieses für Schalke wenigstens gestern Abend schicksalhaften Augenblicks präsentiert wurden.

Drei Pappnasen

Dann echauffierte sich Heldt, dann explodierte der sonst besonnene, seine Worte stets wohl überlegende Manager richtig: „Jeder sieht, dass der über seine eigenen Beine fällt. Und da stehen drei Pappnasen und sehen es nicht“, meckerte er in Richtung des Schiedsrichtergespanns, „und dann gibt es noch einen Torrichter. Ich weiß gar nicht, was der macht. Nichts, das ist Beschäftigungstherapie. Das macht keinen Spaß, wenn man so Amateure am Rand stehen hat. Diese Entscheidung ist eine Vollkatastrophe.“

Was in der 60. Minute passiert war, dass die Schalker, allen voran ihr Manager, derart auf der Palme waren? Alle Diskussionen drehten sich um ein Duell, um das zwischen Joel Matip und Luuk de Jong. Und um den Pfiff des schottischen Schiedsrichters Craig Thomson. Einen Pfiff, der Schalke 04 den Einzug in das Viertelfinale mindestens sehr erschwert. Im Rückspiel am kommenden Donnerstag müssen die Königsblauen nun einen Rückstand aufholen und für das direkte Weiterkommen mit zwei Toren Differenz gewinnen.

Einen Augenblick lang hatte Matip nicht aufgepasst, hatte falsch zu Ball und Gegner gestanden – und schon war ihm de Jong entwischt. Ob Matip den Holländer bei der Verfolgung berührte? Und wenn ja, ob diese Berührung vor oder bereits im Strafraum stattfand? Nicht erst nach dem Studium der Fernsehbilder waren die Antworten eindeutig: Erstens trat sich de Jong selbst in die Hacken, zweitens knapp vor dem Strafraum. Doch Thomson entschied auf Elfmeter für die Gastgeber, den der Gefoulte zum 1:0 verwandelte. Matip sah außerdem wegen einer Notbremse die Rote Karte. „Der Schiedsrichter hat gepfiffen, aber es war der Pfiff des Tages, des Jahres.

Stevens stinksauer

Ich glaube, es müssten acht Leute da stehen, um das zu erkennen. Das ist lächerlich“, kommentierte Trainer Huub Stevens später die Entscheidung süffisant. Die imposante, fast englische Stimmung im Enscheder Stadion „De Grolsch Veste“, der taktisch clevere, wenn auch erneut fast Torchancen lose Auftritt der Schalker – all das war nebensächlich. „Ich beantworte keine Fragen auf Niederländisch“, herrschte Stevens einen Landsmann in der Pressekonferenz an, „ich bin wütend, auf alle, auf die ganze Welt.“

Angriffslustig klärte der Trainer den holländischen Journalisten anschließend noch auf: „Weißt du wie das in Deutschland genannt wird? Eine Schwalbe.“ Selbst dessen Einwand, „wenn die Deutschen die Schwalbe nicht erfunden hätten“ konterte Stevens mit „dann hätten die Niederländer sie nicht kopiert“. Das Schlusswort lieferte erneut Heldt: „Wir können das Ergebnis im Rückspiel drehen, aber ich hoffe, dass wir bessere Schiedsrichter haben.“