Gelsenkirchen

Heidel spürt nach dieser Saison mit Schalke keine Genugtuung

Jetzt geht der Blick wieder nach oben: Schalke-Manager Christian Heidel und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies.
Jetzt geht der Blick wieder nach oben: Schalke-Manager Christian Heidel und Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies.
Foto: firo

Gelsenkirchen.  Normalerweise ist der Bauch der Arena zwei Stunden nach Spielschluss tatsächlich ein Ort der Ruhe – nur das Rauschen der Reinigungsmaschinen durchtrennt dann manchmal die Stille, die hier Einzug hält. In dieser fast besinnlichen Atmosphäre wollte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters am Samstag eine gute Spiellänge nach dem Saisonschluss einfach nur ein Bier trinken, doch er kam kaum dazu: Immer wieder sprachen ihn glückliche Menschen an, um ihren Dank für diese Saison zum Ausdruck zu bringen.

Fans bedanken sich für diese Saison

Schalke hatte die Sperrstunde nach hinten verlegt: Bis 22 Uhr floß das Bier im La Ola, und es wurde getanzt. Anfangs mischten sich sogar die Spieler, die sonst ihren eigenen Bereich haben, unter die feiernden Edel-Fans. Alle waren: Ganz verliebt in Schalke.

Die Party zum Saisonfinale nach dem 1:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt hatte die Stimmung so hochgehalten, wie es der Anlass mit dem Gewinn der deutschen Vizemeisterschaft verdiente. Nach dem Abpfiff lief ein fünf Minuten langer Film mit den Bildern der Saison über den Video-Würfel – es war die pure Emotionalität.

Der Titel des Films war von Marketing-Vorstand Alexander Jobst klug gewählt: „Die Rückkehr der Leidenschaft.” Dies sollte zum Ausdruck bringen, dass Schalke neben dem Erfolg, der sich an der Tabelle ablesen lässt, in dieser Saison noch etwas sehr, sehr Wertvolles vollbracht hat: Dieses kostbare Schalke-Gefühl wieder zu wecken. Man musste nur in die Arena schauen, um das zu spüren. „Das ist hier eine Dimension, die ihresgleichen sucht”, sagte Christian Heidel, der Sportvorstand.

Der frühere Mainzer Heidel war vor zwei Jahren angetreten, um den Verein gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Peters und Jobst neu aufzustellen. Er wollte andere Ideen einbringen, ohne Bewährtes zu vernachlässigen. In seinem ersten Jahr war dieser Weg noch erfolglos geblieben, weil Schalke mit Platz zehn zum ersten Mal nach sieben Spielzeiten die Qualifikation für den Europapokal verpasst hatte. Als Heidel nun gefragt wurde, ob er Genugtuung verspüren würde, stritt er dieses Gefühl aber ab: „Ich hatte die Verantwortung für die schlechte Saison im letzten Jahr und ich habe die Verantwortung für eine bessere Saison in diesem Jahr. Natürlich ist das jetzt wesentlich angenehmer, aber das hat nichts mit Genugtuung zu tun.”

Indes konnte sich Heidel den Hinweis nicht verkneifen, dass die Spieler, die er im Vorjahr nach Schalke geholt hatte, wohl doch nicht so schlecht gewesen sein können, wie sie damals gespielt hatten: „Gefühlsmäßig konnte bei uns im letzten Jahr ja keiner den Ball stoppen. Das sind aber dieselben Spieler, die jetzt mit acht Punkten Vorsprung Zweiter wurden.“

Tatsächlich waren im Sommer mit Amine Harit und Bastian Oczipka nur zwei Neuzugänge von anderen Vereinen gekommen. Fast alle anderen waren schon im ersten Heidel-Jahr verpflichtet worden, konnten damals aber – wie zum Beispiel Benjamin Stambouli – nicht überzeugen. „Ich habe immer an diese Jungs geglaubt, sonst hätten wir sie im Sommer ausgetauscht“, beteuerte Heidel: Er habe damals schon das Gefühl gehabt zu wissen, „an welchen Hebeln wir ansetzen müssen“.

Deswegen tauschte er Trainer Markus Weinzierl aus – und landete mit Domenico Tedesco einen Volltreffer. Der 32-Jährige gilt schon jetzt als Heidels dritte große Trainer-Entdeckung nach Jürgen Klopp und Thomas Tuchel zu seinen Mainzer Zeiten. Tedesco führte Schalke in seinem ersten Jahr zur Vizemeisterschaft – mit acht (!) Punkten Vorsprung. Für Schalke ist es die siebte Vizemeisterschaft seit Einführung der Bundesliga. Und nur 1972 war der Vorsprung auf den Tabellendritten ähnlich groß (damals neun Punkte nach der Zwei-Punkte-Regel vor Borussia Mönchengladbach).

Stolz trugen die Schalker Spieler nach dem Abpfiff das Transparent mit der ehrenvollen Aufschrift „Deutscher Vizemeister S04“ über den Rasen und eröffneten damit eine Party, an deren Ende Vorstand Alexander Jobst sagen sollte: „In sechs Jahren auf Schalke war das mein schönster Tag.“

 

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