Hansi Flick sagt Schalke ab

Der FC Schalke 04 sucht angestrengt einen Nachfolger für den zurückgetretenen Ralf Rangnick. Und hat sich bei Hansi Flick bereits einen Korb geholt. Gut denkbar, dass Manager Horst Heldt ohnehin eher im Ausland Schalkes Möglichkeiten abklopft.

Gelsenkirchen. Auf dem Rasen des alten Parkstadions sprinten am Freitagnachmittag die Profis des FC Schalke 04. Sie bereiten sich unter außergewöhnlichen Bedingungen auf das Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker) vor, seit Donnerstag haben sie keinen Cheftrainer mehr. Seppo Eichkorn, zuvor Assistent des überraschend wegen eines Erschöpfungssyndroms zurückgetretenen Ralf Rangnick, hat als Interimstrainer das Kommando übernommen, er verlangt von den Spielern eine professionelle Haltung, er will nicht zulassen, dass für den Fall des Scheiterns gegen Freiburg eine Ausrede parat liegt.

Ein paar Meter weiter steht ein Mann in Jeans und Jackett auf dem Platz, am Fuß bewegt er einen Ball, am Ohr hält er sein Mobiltelefon. Horst Heldt, Schalkes Manager, ist im Dauerstress. Der traditionell unruhig fahrende Vereinsdampfer ist diesmal unverschuldet in raue See geraten, Heldt muss ihn jetzt wieder in sicheres Gewässer führen. Am Freitag vor dem Training hat er den Mannschaftsrat empfangen, er bindet die erfahrenen Profis ein, um auch in schweren Stunden das neu geschaffene Gemeinschaftsgefühl zu festigen.

Am Donnerstag hat Schalkes Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies noch gesagt, man müsse „den Menschen Ralf Rangnick jetzt über den Verein stellen“. Aber der Klub kann ja nicht einfach eine Spielpause beantragen, zwangsläufig haben sich die Schalker umgehend damit beschäftigt, wie es weitergehen kann. Die Suche nach einem Trainer hat längst begonnen, und sie erweist sich wie erwartet als schwierig. Wie diese Zeitung aus dem Umfeld des Vereins erfuhr, haben die Schalker eilig bei einem aus ihrer Sicht hochinteressanten Trainerkandidaten angefragt: bei Hans-Dieter Flick, dem Assistenten des Bundestrainers Joachim Löw. Doch ebenfalls zügig kam die Absage: Flick hat nicht die Absicht, aus seinem bis 2014 laufenden Vertrag beim DFB auszusteigen.

Der 46-Jährige hätte gut ins Profil gepasst. Schalke sucht weder einen Anfänger noch einen Trainer der ganz alten Schule. Sondern einen, der Rangnicks begonnene Arbeit fortführen kann, der ebenfalls offensiven Systemfußball lehrt und junge Spieler fördert. „Es geht natürlich darum, an der Philosophie des Vereins festzuhalten“, sagt Heldt, der möglichst „zeitnah eine Lösung präsentieren“ will. Dennoch will Schalke nichts überstürzen, Tönnies bekräftigt: „Wir müssen die beste Lösung finden, nicht die schnellste.“

Das Problem: Die nächste Woche ist eine englische, am Donnerstag steht das Europa-League-Spiel gegen Maccabi Haifa (19 Uhr, live im DerWesten-Ticker) an, drei Tage später das Bundesligaspiel beim Hamburger SV. Ein neuer Trainer müsste also schon zu Beginn der Woche loslegen – oder Schalke wartet die drei Spiele ab und nutzt danach die zweiwöchige Länderspielpause.

Mike Büskens hat sich zu Wort gemeldet

An der Gerüchtebörse werden wie üblich viele Namen gehandelt. „Ich werde keinen einzigen kommentieren“, sagt Horst Heldt unmissverständlich. Zu Wort gemeldet hat sich bereits Mike Büskens, einer der auf Schalke ewig beliebten Jungs aus dem Uefa-Cup-Siegerteam von 1997. Der Trainer des Zweitliga-Spitzenklubs Fürth zeigt sich genervt von Spekulationen um seine mögliche Rückkehr. „Das ist nicht unsere Baustelle“, sagt er. „Alle paar Monate, wenn bei den Blauen ein neuer Trainer gesucht wird, wird mein Name genannt.“

Gut denkbar, dass Horst Heldt ohnehin eher im Ausland Schalkes Möglichkeiten abklopft. Zum Beispiel in der Schweiz, wo der frühere Wattenscheider und Münchener Profi Thorsten Fink den FC Basel zum Meister gemacht hat. Oder in Österreich, wo der zweimalige deutsche Nationalspieler Franco Foda Heldts früheren Verein Sturm Graz zum Titel geführt hat. Weiter hinten stehen auch die Schweizer Christian Gross (Young Boys Bern) und Marcel Koller (derzeit vereinslos) in der Kandidatenschlange.

Von diesen Diskussionen müssen sich Schalkes Spieler allerdings möglichst frei machen. Dass auch sie emotional aufgeladen sind, beweist ein bemerkenswerter Satz von Christoph Metzelder. „Wir wollen gegen Freiburg für Ralf Rangnick gewinnen“, sagt er, „und der Sieg soll zeigen, dass er seine Handschrift trägt.“

 
 

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