Für Schalkes Uchida trudelt eine Menge Fanpost ein

Falk Blesken
Auf dem Platz hat konnte sich Atsuto Uchida noch keinen Stammplatz erkämpfen. Zu schwankend waren seine Leistungen im königsblauen Trikot. Die Herzen der Schalker Fans hat der kleine Japaner jedoch längst erobert.

Gelsenkirchen. Vielleicht schauen sie gar nicht neidisch, vielleicht sind sie sogar erleichtert. Aber ein wenig komisch dürfte es renommierten Stars wie Raul und Klaas-Jan Huntelaar oder Bravo-Typen wie Julian Draxler und Lewis Holtby schon vorkommen. Dass ausgerechnet dieser kleine Japaner, dieser Atsuto Uchida sie derart abhängt.

Vergleiche mit Yves Eigenrauch

„Die anderen Kollegen sind meistens verwundert und sprechen mich an“, sagt der 23-Jährige - leicht verlegen grinsend. Worüber verwundert? Worauf sprechen sie ihn an? Auf die unfassbar große Menge an Fanpost, die beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 an Uchida adressiert eintrifft. Wäschekörbe, Kisten sind am Ende eines Monats mit den Briefen gefüllt. Kein anderer Spieler des Revierklubs habe jemals so viel Fanpost erhalten, heißt es.

Dass ausgerechnet Uchida diese Mengen an Sympathiebekundungen zuflattern, erscheint auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar. Obwohl bei seinen Ballberührungen, wie einst beim Kult-Schalker Yves Eigenrauch ein langgezogenes „Iiiiiiiives“, ein leiseres, aber leidenschaftliches „Uschiiiii“ durch die Arena hallt. Doch die sportlichen Leistungen, sie schwankten eben seit seinem Dienstantritt 2010. Uchida fiel zwar nie arg ab, stach allerdings auch zu selten heraus.

Uchida hat Stammplatz vorerst sicher

Dass er in den vergangenen Spielen als rechter Verteidiger in der Startelf stand, war daher anfangs allein dem Verletzungspech von Benedikt Höwedes und Marco Höger geschuldet. Dass er am Samstag im mit Blick auf die Absicherung der Qualifikationsplätze für die Champions League wichtigen Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (18.30 Uhr) erneut beginnen wird, das verdiente sich der Japaner allerdings durch starke Auftritte in den vergangenen Wochen. Högers Rückkehr in den Kader zu Wochenbeginn dürfte daran nichts ändern.

Als bescheiden erzogener Japaner würde Uchida aber nie auf die Idee kommen, bei Trainer Huub Stevens einen Stammplatz einzufordern. Er erklärte nach dem Sieg in Kaiserslautern nur: „In der ersten Halbzeit habe ich auf der Seite gespielt, wo die Reservebänke stehen. Da weiß man als Spieler eben, dass man sehr im Fokus steht und der Trainer dich genau beobachtet.“

Draxler kann Briefe nicht entziffern

Befragt werden Spieler aus Japan übrigens stets von einer Batterie an Reportern, die jedes Wort unverzüglich in die Heimat weiterleiten. Auf die Frage, ob er daheim ein Star sei, antwortet der Königsblaue trotzdem mit einem entschiedenen „Nein“. Die Nachfrage bei den Journalisten zeigt jedoch: Der Schalker gehört sehr wohl zu den Top-Fußballerin seines Landes. Und das vermuten Huntelaar oder Draxler auch, wenn sie ihn auf seine Fanpost ansprechen. „Julian Draxler sitzt ja in der Kabine neben mir“, erzählt Uchida, „der veräppelt mich immer.“

Lesen können Draxler und Co. die Post nämlich nicht. „Der größte Teil der Fanpost kommt aus Japan“, erzählt Uchida. „Wenn ich von Deutschen Schreiben erhalte, werden die Nachrichten oft zusammen mit der Post für andere Spieler geschickt.“ Die sollen ihn dann bitten, „auch eine Autogrammkarte beizulegen“. Machen sie dann auch, ganz ohne Neid.