Für Schalke geht es in München um alles oder nichts

Peter Müller
Der Trainer und sein wichtigster Spieler: Felix Magath mit dem vom FC Bayern umworbenen Torhüter Manuel Neuer.  Bild: Christof Koepsel/Getty Images
Der Trainer und sein wichtigster Spieler: Felix Magath mit dem vom FC Bayern umworbenen Torhüter Manuel Neuer. Bild: Christof Koepsel/Getty Images

Gelsenkirchen. Die schwankenden Königsblauen müssen am Mittwoch im Pokal-Halbfinale beim FC Bayern die Saison retten. Das Gerangel um Torwart Manuel Neuer nervt Trainer Felix Magath.

Beim Aufwärmspielchen in der Ruine des Parkstadions hatte Jefferson Farfan am Montagnachmittag sichtbar Spaß, als er dem Ball hinterherhechelte, den sechs Teamkollegen im Außenkreis laufen ließen wie die Kugel im Flipper. Dabei plagen den peruanischen Angreifer des FC Schalke 04 Schmerzen im Adduktorenbereich, die ihn noch am Samstag zu einer Pause beim 1:1 gegen Nürnberg veranlassten.

Das nächste Spiel aber will auch der Peruaner, der das Sammeln von Fleißkärtchen nicht zu seinen Hobbys zählt, auf keinen Fall verpassen. Es ist für sein Team, seinen Verein und speziell auch für seinen Trainer das wichtigste Spiel des Jahres: Im DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern in München geht es für Schalke am Mittwoch (20.30 Uhr/live im ZDF und im DerWestenTicker) um alles oder nichts.

Felix Magath hatte sich die Bayern so sehr als Pokalgegner gewünscht – allerdings erst im Endspiel, um dann möglicherweise sogar als unterlegener Finalist in die Europa League einziehen zu können, weil die Bayern trotz ihrer Schwankungen als Champions-League-Teilnehmer zu erwarten sind. Das Los aber bescherte Schalke die schwierigste aller denkbaren Aufgaben: ein Halbfinalduell in München. Was bleibt von der Saison übrig, wenn dieses Spiel verloren geht?

Felix Magath kennt natürlich die Bedeutung – gerade deshalb spielt er sie herunter. „Es gibt in einer Saison öfter Spiele, die wichtig erscheinen“, sagt er und versucht einem Schreckensszenario vorzubeugen: „In einem Halbfinale in München auszuscheiden, das würde mir nicht irgendwelche Sorgen bereiten.“ Wie gewohnt erwähnt er noch, dass der FC Schalke bisher eine gute Saison gespielt habe, „weil wir als einzige Mannschaft außer Bayern im Frühjahr 2011 noch in drei Wettbewerben vertreten sind“. Was sich natürlich in der Summe prima anhört. An Wettbewerb Nummer drei nehmen allerdings auch 17 andere Vereine mit pflichtgemäßer Selbstverständlichkeit teil. Eben in diesem Kerngeschäft namens Bundesliga läuft es, vorsichtig formuliert, nicht gerade wie geschmiert. Und dass Schalke in diesem Jahr die Champions League gewinnt, damit würde selbst Magath „jetzt eher nicht kalkulieren“.

Existenzielle Fragen drängen sich auf. Was passiert, wenn die internationale Perspektive wegfällt? Finanziell wäre selbst die Europa League nur ein Trostpreis, denn sollte Schalke durch einen Heimerfolg gegen Valencia ins Viertelfinale der Champions League einziehen, kämen durch Uefa-Prämien rund sieben Millionen Euro Gewinn hinzu – eine Summe, die durch die Europa-League-Teilnahme nicht garantiert wäre. Doch auch die jetzt schon beachtlichen Champions-League-Auftritte könnten bei einem Pokal-K.o. in München den Eindruck einer verkorksten Saison kaum übertünchen.

Was würde dann aus Felix Magath? Mirko Slomka musste 2008 gehen, obwohl er Schalke ins Champions-League-Viertelfinale geführt hatte. Danach überstand Fred Rutten keine ganze Saison, weil er an der Ausfahrt, die in den europäischen Fußball führte, vorbeigefahren war.

Felix Magath bemüht sich um Gelassenheit, sie schließt allerdings nicht das Dauerthema Manuel Neuer ein. Die Bayern haben ihr Interesse an Schalkes Ausnahmetorhüter bekräftigt, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer posaunt es in jedes TV-Mikro, und sogar Trainer Louis van Gaal ist plötzlich nicht mehr abgeneigt. Der Umworbene selbst nennt dies „einen kleinen Trick vor dem Pokalspiel“, Schalkes Trainer und Manager reagiert genervt: „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um beim FC Schalke über die nächste Saison zu reden“, betont Magath, „sondern wir müssen uns auf die Aufgaben, die vor uns stehen, konzentrieren.“ Erst auf hartnäckige Nachfragen erklärt er Neuer erneut für „unverkäuflich“.

Seit schon 20 Jahren ist der erst 24-jährige Torhüter Mitglied beim FC Schalke. Er ist das Herz, die Seele und das Gesicht einer in Großteilen austauschbaren Mannschaft. Kein Verlust würde mehr schmerzen – Schalkes Fans reagieren bei diesem Thema äußerst sensibel. Neuer hält sich deshalb seit Monaten bedeckt. Sein Anspruch ist es, so viel hat er verraten, auch im Klub international zu spielen.