Forderungen an den DFB nach der Werner-Schwalbe - ein Kommentar

Pit Gottschalk
Timo Werner entschuldigte sich am Sonntag für seine unfaire Aktion.
Timo Werner entschuldigte sich am Sonntag für seine unfaire Aktion.
Foto: imago/Picture Point LE
  • Nach seiner Schwalbe muss Timo Werner zwingend gesperrt werden
  • Auch für Schiedsrichter Bastian Dankert sollte eine Zwangspause bekommen
  • Ein Kommentar

Diese Einschätzung zunächst vorneweg: Es hat nicht an der Schwalbe und am folgenden Elfmeter gelegen, dass Schalke 04 bei RB Leipzig verloren hat. Trotzdem muss der Streit um Timo Werners Unsportlichkeit aufgearbeitet werden. Hier steht mehr auf dem Spiel als ein Punktverlust.

Stand der Dinge ist: Timo Werner hat getan, was Deutschland zweimal zu WM-Siegen geführt hat. Er hat einen Elfmeter herausgeschunden und seine Schwalbe mit missverständlichen Andeutungen zu verschleiern versucht. Inzwischen hat er seinen Fehler eingestanden und sich entschuldigt.

Was ist dem DFB der Fairplay-Gedanke wert?

Das Nachbeben übernimmt jetzt der DFB-Kontrollausschuss. Der Verband muss entscheiden, welchen Wert er dem Fairplay-Gedanken beimisst. Immer wieder appelliert der DFB an die Vorbildfunktion für Kinder- und Jugendsport. Das lässt nur den einen Schluss zu: Werner wird vorübergehend gesperrt. Das ist die erste Forderung. Fußballprofis bekommen nur so ein Gespür dafür, was richtig ist und was falsch.

Schonungslos darf der DFB auch nicht mit Schiedsrichter Bastian Dankert sein. Wer den Anspruch auf das Schiedsrichterwesen erhebt, muss an der Pfeife Spitzenklasse erwarten und Fehlleistungen ahnden dürfen. Dankert hätte den Betrugsversuch sehen müssen. Hat er aber nicht.

Kunstpause für Dankert

Also bleibt dem DFB keine Wahl: Wenn seine Gerichtsbarkeit auf dem Rasen ernstgenommen werden soll, muss er Dankert eine Kunstpause verordnen. Ihm unterstellt ja niemand Absicht. Aber Fehler ist Fehler. Erst in der Rückrunde sollte Dankert sich wieder bewähren dürfen. Das ist die zweite Forderung. Ist die populistisch? Natürlich. Aber Schiedsrichter können nur so erkennen, dass auch sie einem Leistungsprinzip unterworfen sind.

Vielleicht ist es sogar naiv zu glauben, dass man Spieler dazu erziehen könnte, Betrugsversuche noch auf dem Rasen zuzugeben, und die Schiedsrichter zu mehr Kommunikation mit den Spielern auf dem Rasen zu ermahnen. Aber lebt der Fußball nicht von seiner romantischen Vorstellung?

Schalke helfen keine der Maßnahmen

Millionen werden für den Fairplay-Gedanken ausgegeben. Vielleicht helfen Appelle und Sanktionsmöglichkeiten, siehe oben, zum Verständnis, was eine solche Kampagne in der Praxis bedeutet. Spieler erziehen und Schiedsrichter ermahnen: Das ist die dritte Forderung.

Schalke 04 werden die Maßnahmen wenig nutzen. Die Punkte sind weg. Dem Fußball aber hilft ein bisschen Gerechtigkeit doch sehr. Auch im Nachhinein.

Schalker geben sich besonnen

Allein der Umsicht auf Schalker Seite ist zu verdanken, dass der Streit nicht eskaliert ist. Torwart Fährmann und Kapitän Höwedes haben Timo Werner ausdrücklich in Schutz genommen und ihm bescheinigt, dass er die Gelbe Karte für Fährmann unverständlich fand.

Als die Trickserei aufflog, hätten die Wortpfeile tiefer fliegen können. Doch Schalke tat gut daran, den wahren Grund für die Niederlage zu erkennen und aufzuarbeiten: die Leistung in der zweiten Halbzeit. Respekt! Das zeugt von Weitsicht und Selbstkritik. Darauf sollte der Anhang schuld sein und nicht länger Timo Werner verdammen. Er wird schon seine Strafe kriegen.

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