Felix Magath zweifelt an Schalke

Peter Müller
Schalkes Fans formieren sich unmittelbar vor dem Revierderby in Dortmund gegen Manager und Trainer Felix Magath. Der weist jede Kritik zurück: „Ich glaube, sie werden keinen Besseren finden.“

Gelsenkirchen. Arthur Saager ist kein Krawallmacher. Er hat sich nicht vorgenommen, gezielt für Unruhe zu sorgen, schon gar nicht jetzt, vor dem Derby an diesem Freitagabend bei Borussia Dortmund. „Dieses Spiel wollen wir doch alle gewinnen“, sagt der Fan-Beauftragte des FC Schalke 04. Aber es ist zu viel passiert in der vergangenen Woche, zu viele Fans sorgen sich nach der erschreckenden Vorstellung beim 0:1 gegen Hoffenheim und den folgenden Transfermaßnahmen von Manager und Trainer Felix Magath in höchstem Maße um ihren Verein. Die Aufregung ist groß, Arthur Saager sagt leise, aber verzweifelt: „Die Fans verstehen die letzten Einkäufe von alternden Stars nicht.“

Saager nimmt keine Rücksicht darauf, als Nachfolger des von Felix Magath geschassten Rolf Rojek vom Verein engagiert worden zu sein. In Doppelfunktion ist er nämlich auch noch Stellvertreter des Vorsitzenden Rojek beim Schalker Fan-Club-Verband, Stimmen und Stimmungen registriert er mit seismographischer Genauigkeit. Dass Magath mit seinen Vertrauten stur seine Pläne durchzieht und den Kontakt zu den Fans bisher aufs Nötigste beschränkte, hält Arthur Saager für ein fatales Zeichen der Entfremdung: „Ich nenne es das neue Schalke“, sagt er. „Da geht etwas kaputt. Tradition. Herz. Natürlich wollen wir Meister werden. Aber nicht um jeden Preis!“

Felix Magath rührt in seinem Tee, als er am Donnerstag mit den Vorwürfen konfrontiert wird. Konzeptlosigkeit? Er sei für einen Umbruch geholt worden, entgegnet er, und es sei doch wohl klar, dass dieser Umbruch nicht auf eine Transferperiode beschränkt bleiben könne. „Ich bin kein Zauberer, ich kann nicht mal eben elf Spieler holen, die auf Anhieb die Meisterschaft gewinnen“, sagt er. „Deshalb habe ich einen Vertrag bis 2013 gemacht.“

Es scheint, als sei er froh darüber, sich ausführlich erklären zu können. Mit jedem Wort versucht er sich zu rechtfertigen – oder gar reinzuwaschen. Er fordert Vertrauen ein und will nicht verstehen, dass man ihn nicht versteht. Den Erfolg Borussia Dortmunds macht er vorrangig an Folgsamkeit fest: „Dort haben alle akzeptiert, nur noch kleine Schritte zu gehen, nachdem der Verein finanziell gebeutelt war. In Dortmund wird nicht übereinander hergezogen, da wird die Vereinspolitik von allen getragen. Hier nicht.“

Lob für BVB-Team

Er sei schließlich nicht vom Himmel gefallen, bekräftigt Magath. „Jeder hat gewusst, wer ich bin und wie ich arbeite. Der Aufsichtsrat hat einen starken Mann gesucht, der die Dinge in die Hand nimmt und bestimmt.“ Natürlich vergisst er nicht, auf seinen meisterlichen Erfolg in Wolfsburg zu verweisen. Dort sei es allerdings möglich gewesen, mehr Geld einzusetzen. „Nach Schalke bin ich geholt worden, um den Verein ohne große finanzielle Mittel an die Spitze zu führen. Wenn Sie jemanden finden, der das in einem Jahr schafft, dann darf er gerne meinen Platz einnehmen. Aber ich glaube, Sie werden keinen Besseren finden.“

Magath weigert sich, die Saison bereits als verkorkst zu bewerten. „In der Meisterschaft hinken wir unseren Zielen hinterher, aber durch die Pokal-Wettbewerbe haben wir wieder mehr Geld eingenommen als geplant. Wenn wir es nicht schaffen, einen europäischen Wettbewerb zu erreichen, bricht der Verein doch nicht zusammen. Wir müssten jedenfalls nicht aufgrund der finanziellen Situation Manuel Neuer verkaufen.“

In dieser Atmosphäre tritt Schalke zum Derby an. „Der Gegner ist der kommende Meister“, meint Magath, „die Dortmunder Mannschaft ist sehr geschlossen.“ Auch in diesem Punkt, das wird er wissen, hat sein Team Nachholbedarf.