Gelsenkirchen

FC Schalke 04: Zum Abschied von Huub Stevens: Eine vergessene Szene zeigt die Größe des Jahrhunderttrainers

Legendär: Der FC Schalke 04 holt den Uefa Cup 1997 und Huub Stevens muss noch etwas Wichtiges erledigen.
Legendär: Der FC Schalke 04 holt den Uefa Cup 1997 und Huub Stevens muss noch etwas Wichtiges erledigen.
Foto: imago images & Screenshot YouTube: Zeche Hugo

Gelsenkirchen. Wir schreiben den 21. Mai 1997. Der FC Schalke 04 gewinnt mit Huub Stevens an der Seitenlinie den Uefa-Cup gegen das große Inter Mailand.

Mein Bruder Stefan und ich fassen uns noch heute an den Kopf, wenn wir über die größte königsblaue Nacht aller Zeiten nachdenken. Was sich heute auf den Tag genau vor 22 Jahren im Giuseppe-Meazza-Stadion zutragen sollte, das konnten wir als kleine Schalke-Stöpsel von neun und elf Jahren nicht begreifen.

Während ganz Gelsenkirchen sich feiernd in den Armen lag, tranken wir, stolz wie Oskar, dass wir bis nach dem Elfmeterschießen durchgehalten hatten, ein Glas Milch – und gingen ins Bett.

Schalke holt den Pott – und Huub Stevens ist Huub Stevens

Weihnachten lag dann die Ran-Sat.1-VHS-Kassette mit den Highlights der Saison auf dem Gabentisch. „Drin das Ding und der FC Schalke hat es!“ Unzählige Male hallte die Stimme von Werner Hansch in den Folgejahren durch unser Wohnzimmer.

Auf der VHS-Kassete war auch eine Szene, die mir damals bei der Live-Übertragung entgangen war. Sie zeigt, wie Huub Stevens in der Sekunde des Erfolgs reagierte, als alle Schalker auf dem Rasen vor Freude eskalierten. Ein Moment, der den Charakter des Niederländers auf den Punkt bringt.

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Immer schön eins nach dem anderen

Als Marc Wilmots den entscheidenden Elfmeter im Tor von Gianluca Pagliuca unterbringt, reißt Huub Stevens reflexartig, aber nur ganz kurz die Arme hoch, bevor er sich auf seine wichtige Aufgabe besinnt: Seinen Stift.

Da musste schließlich noch die Kappe drauf. Geht ja nicht, dass die womöglich noch verloren geht in all dem Trubel entfesselter Spieler und Funktionäre. Erst als das gesichert ist, nimmt Huub Stevens Co-Trainer Hubert Neu freudestrahlend in die Arme.

Malocher unter Malochern auf Schalke

Dieser Moment steht für mich sinnbildlich für das Werk des „Knurrers von Kerkrade“. Es zeigt die Einstellung eines Mannes, für den Erfolg nicht selbstverständlich ist, sondern hart erarbeitet. Und zwar Schritt für Schritt.

Eine Einstellung, die unter Malochern in Gelsenkirchen ankommen sollte. Mit der er später völlig zurecht zum Schalker Jahrhunderttrainer gewählt wurde.

„Alles, was wir tun, ist für Schalke“

Weiterer Ausdruck seiner unvergesslichen Art: Als der damaligen Sat.1-Reporter Reinhold Beckmann im Interview ihm auf dem Rasen in Mailand ankündigte, dass die Schalker ihm als Legende ein Denkmal errichten werden, entgegnete Huub Stevens: „Nein, das brauchen sie nicht für mich tun. Das ist Schalke. Und so muss es auch immer bleiben. Alles, was wir tun, ist für Schalke.“

Zwei Mal sollte Huub Stevens nach seiner siebenjährigen ersten Amtszeit diese Aussage wahr werden lassen und sich den Bedürfnissen des FC Schalke 04 komplett unterordnen.

Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt im Jahr 2019, der nach eigenen Angaben schwierigsten Aufgabe in seiner Trainer-Laufbahn, zieht sich der Niederländer als Trainer zurück. Darauf trinke ich bei Gelegenheit mit meinem Bruder ein zünftiges Glas Milch. Bedankt Huub!

 
 

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