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Gelsenkirchen

FC Schalke 04 setzt gegen die Kellerkinder auf Demut

Hier stellt der Trainer seine Spieler auf die Partie in Mainz ein: Domenico Tedesco bei der Arbeit.
Foto: Lukas Schulze
Schalke spielt Freitag in Mainz – das erste von fünf Duellen gegen Abstiegskandidaten. Tedescos Rezept: Den Gegner nicht am Tabellenplatz messen.
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Gelsenkirchen. Der Weg in die Champions League führt für Schalke 04 – salopp formuliert – durch den Keller. Mit dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 beginnt für die Königsblauen an diesem Freitag (20.30 Uhr/ Eurosport Player) eine Serie von Spielen gegen Mannschaften, die vom Abstieg bedroht sind. Der Spielplan meint es damit auf den ersten Blick gut mit Schalke. Aber Trainer Domenico Tedesco weiß, wie es im Keller zugehen kann – sogar aus eigener Erfahrung. Sein Rat: „Die Tabelle ausblenden“ – und die Gegner nicht als Kellerkinder betrachten.

Vier Reisen zu den vier Letzten

Fünfmal spielt Schalke in den verbleibenden neun Bundesligaspielen noch gegen Mannschaften, die um den Klassenerhalt kämpfen. Die nächsten vier Auswärtsreisen gehen sogar ausnahmslos zu den Vereinen, die gegenwärtig die letzten vier Plätze der Bundesliga belegen: An diesem Freitag Mainz (Platz 16), in einer Woche Wolfsburg (15.), am 7. April Hamburg (17.) und am 22. April Köln (18.). Und zwischendurch kommt noch der SC Freiburg (13.) in die Arena.

Spiele, in denen Schalke zwar der Favorit ist, die aber alle auch ihre eigenen Stolpergefahren mit sich bringen. Tedesco: „Hamburg ist nicht Wolfsburg, und Wolfsburg ist nicht Mainz. Das sind alles unterschiedliche Mannschaften mit unterschiedlichen Trainern.“ Und darauf gilt es, Schalke vorzubereiten. Als erstes Mainz – „ein Team“, so Tedesco, „das wir nicht dadurch definieren, dass die Mainzer im Tabellenkeller stehen.“ Sondern dadurch, welche Stärken und Schwächen die Mannschaft hat.

Viel Herz, viele Flanken - und ein Sieg in Berlin

Den Mainzern attestiert Schalkes Trainer „unheimlich viel Herz“, und weil Fußballspiele manchmal auch über die Leidenschaft entschieden werden, sagt er: „Wir müssen in puncto Aggressivität, Körperhaltung und Mentalität mindestens gleichziehen, um eine Chance zu haben.“ Ganz spezifisch bereitet er seine Mannschaft auf viele Mainzer Flanken vor und auf das erfolgreiche Nachsetzen nach den zweiten Bällen – das hatte zuletzt beim 1:0-Sieg gegen Hertha BSC nicht so gut geklappt.

Apropos Hertha: Die Mainzer hatten zuvor in Berlin mit 2:0 gewonnen – „und zwar souverän mit zahlreichen Torchancen“, wie Tedesco ergänzt. Das ist für ihn eher ein Nachweis der Leistungsstärke des Gegners als der Tabellenplatz.

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Die Erfahrung aus Aue hilft

Man könnte dies ein Starkreden des Gegners nennen, aber es ist eher ein Zeichen von Demut: Schalke hat in dieser Saison nicht so viele Punkte geholt, weil die Mannschaft ihren Gegnern hoch überlegen ist, sondern weil sie konzentriert an die Sache herangegangen. Und außerdem kann sich Tedesco gut in die Lage der nun kommenden Kellerkinder hineinversetzen, weil er selbst vor einem Jahr in einer ähnlichen Situation steckte.

Am 8. März 2017 übernahm er in der 2. Liga den Abstiegskandidaten Erzgebirge Aue und führte das Team zum Klassenerhalt – ein Kunststück, das ihn als ehemaligen U19-Trainer der TSG Hoffenheim in letzter Konsequenz dann wenige Wochen später auch für Schalke interessant machte. Aus seiner Erfahrung in Aue weiß der heute 32-Jährige: „Wenn man in der Tabelle unten steht, kann man Kräfte entwickeln, an die du vorher gar nicht denkst – in so einer Situation kann man jede Mannschaft schlagen.“

Königsklasse als Traum und Ziel

Genau deswegen misst Tedesco die kommenden Schalker Gegner eben nicht an ihrem misslichen Tabellenstand, sondern an ihren sportlichen Merkmalen. Dass der Weg in die Champions League für Schalke trotzdem durch den Keller führt, ist kein Widerspruch, auch wenn Tedesco das so nie ausdrücken würde. Es war Abwehrspieler Matija Nastasic, der in dieser Woche das Ziel Champions League auch offen formuliert hatte.

Schalkes Trainer kann damit leben, dass der zuverlässige Serbe damit ein Stück weit aus der Deckung gekommen ist: „Es ist doch normal, dass die Spieler Wünsche, Träume und Ziele haben – das gehört im Sport dazu.“ Nastasic steht nicht in Verdacht, den Weg der Demut verlassen zu haben.

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