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FC Schalke 04: Diesen klugen Rat gibt Schalke Talentschmied Norbert Elgert Max Meyer

FC Schalke 04: Diesen klugen Rat gibt Schalke Talentschmied Norbert Elgert Max Meyer

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  • Schalkes erfolgreicher Jugendtrainer Norbert Elgert hat nicht nur für Ex-Schützling Max Meyer einen guten Rat
  • Ein Interview über Talente

Gelsenkirchen. 

Mit der Schalker U19 hat Norbert Elgert am Mittwochabend bei Bayer 04 Leverkusen mit 5:0 gewonnen. Die Schalker sind der A-Jugend-Bundesliga West erneut das Maß aller Dinge.

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Kein Ausbilder hat mehr Talenten den Weg in den Profifußball geebnet als der 61-Jährige. Im Interview spricht Elgert über Max Meyer, ehemalige Spieler, die für die Weltmeisterschaft in Russland infrage kommen und seine Motivation, jeden Tag mit Talenten arbeiten zu wollen.

Herr Elgert, haben Sie Ihre ehemaligen Spieler Mesut Özil und Sead Kolasinac schon in London besucht?

Norbert Elgert: Nein, leider noch nicht. Wir setzen aber alles daran, dass es in diesem Jahr endlich klappt. Vielleicht schaffen wir es ja, die Reise mit einem Spiel von Arsenal gegen Liverpool oder Manchester City zu verbinden, um auch Joel Matip oder Leroy Sané live spielen zu sehen.

Wenn Sie alle ehemaligen Spieler besuchen würden, dann müssten Sie viel Zeit einplanen.

Elgert: Ja, das würde ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen (lacht). Aber das können meine Frau und ich später sicherlich noch nachholen.

Im Juni beginnt die Weltmeisterschaft in Russland. 2014 waren vier Spieler dabei, die durch Ihre Schule gegangen sind. Werden es 2018 noch mehr Spieler sein, die Sie in der U19 ausgebildet haben?

Elgert: Wenn Manuel Neuer gesund ist, ist er dabei. Auch Julian Draxler, Leroy Sané und Mesut Özil werden dabei sein. Ich glaube zudem, dass Benedikt Höwedes noch eine gute Chance hat, weil er bei der letzten WM eine herausragende Rolle gespielt hat. Bei Ralf Fährmann bin ich noch guten Mutes, weil ich ihn für einen der besten deutschen Torhüter halte. Max Meyer hat aufgrund seiner Klasse und seiner Vielseitigkeit ebenfalls gute Chancen.

Wären Sie auch auf die Idee gekommen, Max Meyer als Sechser einzusetzen?

Elgert: Es wäre vermessen, wenn irgendjemand behaupten würde, dass er Max auf der Sechs eingesetzt hätte. Dazu gehöre auch ich nicht. Im Nachhinein war es eine geniale Idee von Domenico Tedesco. Max ist extrem ballsicher, hat Übersicht und Spielverständnis. Unter Domenico hat er sein Spiel gegen den Ball noch einmal deutlich verbessert. Er gewinnt außerdem erstaunlich viele Luftduelle.

Meyers Vertrag läuft im Sommer aus. Was raten Sie ihm?

Elgert: Ich wünsche mir sehr, dass einer der Jungs, die hier groß geworden sind, mal ein bisschen länger bei uns bleibt. Es wäre gut für unseren Club aber ich glaube auch für ihn. Max hat nicht nur sehr viel fußballerisches Talent, sondern darüber hinaus die Bereitschaft, sich permanent zu verbessern und hart an sich zu arbeiten. Er zeigt, dass er malochen kann und unter anderem deswegen super hier hinpasst.

Zuletzt hat Schalke viele Talente aus den Vereinigten Staaten verpflichtet. Nach Weston McKennie, Haji Wright und Nick Taitague kommt im Sommer Zyen Jones dazu. Zufall?

Elgert: In Amerika hat sich der Fußball in den letzten zehn Jahren extrem weiterentwickelt. Es gibt dort immer mehr fußballspielende Kinder und inzwischen auch sehr, sehr gute Trainer. Das spielt sicherlich die größte Rolle. Die Jungs haben in der Regel eine sehr gute Einstellung zum Leistungssport. Aber wir sind nicht nur auf Amerika fixiert.

Wann nehmen Sie potenzielle Neuzugänge zum ersten Mal unter die Lupe?

Elgert: Jeder Club hat Spezialisten. Entweder geht es zunächst über das Scouting oder jemand im Verein bekommt einen Tipp. Wenn es seriös ist, ist es immer besser, dem nachzugehen, als es nicht zu tun. In der Regel kommen die Spieler zu uns ins Training, dann schauen und entscheiden wir gemeinsam. Natürlich immer in Absprache mit der obersten Vereinsebene.

Ab welchem Alter sind Prognosen zulässig, ob ein Spieler den Sprung in den Profifußball schafft?

Elgert: Zulässig sind sie immer, ob sie aber Sinn ergeben, weiß ich nicht. Im Alter von 14, 15 oder 16 Jahren kann noch so viel passieren. Die Fragen sind: Wie gefestigt kann ein Charakter in diesem Alter sein? Wie hungrig bleibt ein Spieler, wenn er schon so früh mit extrem hohen Summen konfrontiert wird? Senkrechtstarter verschwinden ganz schnell wieder. Hinter jedem vermeintlichen Übernacht-Erfolg stecken in Wirklichkeit mindestens zehn Jahre hartes und intelligentes Training. Wir erkennen nur Potenziale. Ich traue es mir nach wie vor nicht zu, über einen 15- oder 16-Jährigen zu sagen: der kommt auf jeden Fall durch. Letztendlich entscheidet es sich nämlich erst, wenn sie oben angekommen sind. Erst wenn es dann richtig losgeht, wissen wir, ob ein Spieler wirklich die Klasse hat, was das Durchhaltevermögen betrifft, was den Umgang mit Erfolg, Misserfolg und mit Hindernissen betrifft.

Domenico Tedesco hat gesagt, dass er keinen Spieler verpflichtet, dem er nicht vorher in die Augen geschaut hat. Halten Sie das genauso?

Elgert: Die Augen sind die Fenster zur Seele deines Gegenübers.

Ihr Stürmer Ahmed Kutucu wurde zuletzt mit dem AS Monaco in Verbindung gebracht. Es hieß, dass er sogar in die Fußstapfen von Kylian Mbappé treten könne. Er hat sich aber für einen Verbleib auf Schalke entschieden.

Elgert: Ahmed ist einer von vielen guten Spielern, die wir haben. Der plötzliche Hype um ihn war sicherlich nicht gut. Er hat neben seinem Talent auch einen sehr guten Charakter, von daher konnten wir das abfangen. Ahmed ist einer von vielen guten Jungs, die ihr Ziel mit harter und intelligenter Arbeit erreichen können. Nicht mehr und nicht weniger. Ich freue mich sehr, dass er bei uns bleibt und wir noch anderthalb Jahre gemeinsam an seiner Entwicklung arbeiten können.

Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft hat Sie als „Lehrer“ gelobt, der sehr erfolgreich ausbildet. Er sagte auch, dass es mehr um individuelle Ausbildung gehen muss. Sie sind aber doch eher ein Trainer, der stets die Mannschaft in den Vordergrund stellt.

Elgert: Ich freue mich über das Lob von Oliver Bierhoff, beziehe dieses aber auch auf die gesamte Knappenschmiede. Das Wir in den Vordergrund zu stellen, schließt nicht aus, verstärkt individuell zu arbeiten – technisch und taktisch. Das geht schon einher.

Anfang Januar sind Sie 61 Jahre alt geworden. Hat sich etwas daran geändert, dass Sie noch so lange weitermachen wollen, wie Sie Spaß daran haben und wie sie Ihre Spieler erreichen?

Elgert: Mir ist schon bewusst, dass es inzwischen für mich deutlich mehr ‚gesterns‘ als ‚morgens’ gibt. Der Mensch wird aber nur etwas durch die Aufgabe, die er zu der seinen macht. Und meine Aufgabe bereitet mir nach wie vor unheimlich viel Spaß. Es macht für mich ganz viel Sinn, jungen Menschen zu helfen, ihnen positive Impulse zu geben und sie dabei zu unterstützen, sich zu entwickeln, zu wachsen und einen erfolgreichen Lebensweg zu gehen. Das ist nach wie vor sehr stark ausgeprägt bei mir.