Gelsenkirchen

FC Schalke 04: 0:2 gegen Hertha BSC - der Fehlstart ist perfekt

Peter Müller
Schalke ist geschlagen: Ondrej Duda (Mitte) überwindet Schalke-Torwart Ralf Fährmann und erzielt sein erstes Tor.
Schalke ist geschlagen: Ondrej Duda (Mitte) überwindet Schalke-Torwart Ralf Fährmann und erzielt sein erstes Tor.
Foto: Getty Images

Gelsenkirchen. Ratlos standen die Profis des FC Schalke 04 auf dem Platz, als der Abpfiff ertönte. Ratlos waren sie zuvor auch im gesamten Spiel. Sie hatten einen Elfmeter verschossen, sie hatten sich einen Konter eingefangen, und sie waren zu schwach und zu nervös, um ihren taktisch disziplinierten Gegner zu bezwingen. Die Königslauen (nein, da fehlt kein b) verloren ihr erstes Heimspiel in dieser Saison gegen Hertha BSC mit 0:1 (0:1), der Fehlstart ist damit perfekt. Zwei Spiele, kein Punkt - der Vizemeister kommt nicht in die Spur.

Nach dem enttäuschenden Auftakt beim 1:2 in Wolfsburg hatte Schalkes Trainer Domenico Tedesco vier Spieler neu in die Startelf berufen: Nabil Bentaleb, Breel Embolo, Yevhen Konoplyanka - und Sebastian Rudy, der erst am Montag vom FC Bayern gekommen war und schon am Sonntag sein Debüt geben durfte. Den durch die Sperre von Matija Nastasic frei gewordenen Platz in der Dreier-Abwehrkette nahm der zurückgezogene Weston McKennie ein.

FC Schalke 04: Schüsschen von Naldo war für Rune Jarstein kein Problem

Schalke bemühte sich zu Beginn um Offensive und hätte in Minute zwölf in Führung gehen können - oder besser: müssen. Nach einer nur scheinbar geklärten Ecke wurde der Ball noch einmal hoch auf Naldo geschlagen, der sich offenbar selbst darüber wunderte, dass er plötzlich frei vor dem Torwart stand: Das Schüsschen von Naldo war für Rune Jarstein kein Problem. Die Schalker aber protestierten - und Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigte an: Videobeweis. Und danach: Elfmeter! Marko Grujic hatte den Ball, bevor er bei Naldo landete, mit der Hand gespielt.

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Daniel Caligiuri, eigentlich ein sicherer Schütze, trat an - und schob den Ball flach links am Tor vorbei.

Schalke hatte also die Doppelchance zur Führung vertan, doch es kam noch dicker: In der 15. Minute konterten die Berliner, Javairo Dilrosun ließ Weston McKennie stehen, passte in die Mitte, wo Ondrej Duda frei zum Schuss kam - Salif Sané fälschte den Ball auch noch unhaltbar für Ralf Fährmann ab. 1:0 für Hertha, das schlug den Schalkern aufs Gemüt.

Trainer Domenico Tedesco stellte die Abwehrformation auf eine Viererkette um, Weston McKennie rückte ins Mittelfeld vor. Doch das Gegentor hatte den Schalkern jegliche Unbeschwertheit genommen. Die Verunsicherung war sichtbar. Das Anlaufen gegen die gut stehenden Berliner wurde mühsamer, es gab technische Fehler, auch ungenaue Pässe. Und einen ganz dicken Bock: Abdul Rahman Baba und Salif Sané behinderten sich gegenseitig und machten so die Bahn frei für Salomon Kalou, der von rechts allein auf Ralf Fährmann zulief, die lange Ecke anpeilte, den Ball aber um ein paar Zentimeter am Tor vorbei schoss (35.).

Auch nach der Pause tat sich Schalke schwer. Die Aktionen waren häufig etwas zu hektisch, etwas zu unsauber. Und die Berliner strapazierten die Nerven der Schalker zusätzlich durch provozierendes Zeitspiel. Schalkes Trainer Tedesco nahm zwei personelle Veränderungen vor, er brachte Suat Serdar für den in seinem ersten Spiel auf Schalke enttäuschenden Sebastian Rudy und Guido Burgstaller für den ungefährlichen Breel Embolo.

Nach einer Stunde wurden auch die Zuschauer unruhig, es gab erste Pfiffe, als Baba auf der linken Seite nicht zielstrebig den Weg nach vorne suchte, sondern lieber hinten herum spielte. Es fehlten zündende Ideen, es fehlten Power und Durchschlagskraft. In der Nachspielzeit sah Yevhen Konoplyanka wegen einer Notbremse die Rote Karte - und den anschließenden Freistoß versenkte Duda zum 2:0; in der 96. Minute.

Und so war diese Niederlage dann nicht zu verhindern, und so kommen nun zwangsläufig Erinnerungen auf an den Saisonstart vor zwei Jahren. Damals verloren die Schalker fünf Spiele nacheinander, die Panik wurde von Woche zu Woche größer. Ein Blick auf den Spielplan verheißt momentan nichts Gutes: Nächster Auswärtsgegner ist in zwei Wochen Borussia Mönchengladbach, und danach kommt der Meister FC Bayern in die Arena. Für ausgeprägten Optimismus besteht also derzeit wenig Anlass.

So spielten Schalke 04 und Hertha BSC

Schalke: Fährmann - Sané, Naldo, McKennie - Caligiuri, Rudy (51. Serdar), Bentaleb, Baba (73. Harit) - Uth, Embolo (57. Burgstaller), Konoplyanka. Trainer: Tedesco

Hertha: Jarstein - Stark, Rekik (6. Dilrosun), Torunarigha - Duda, Grujic, Maier, Mittelstädt - Lazaro, Kalou (90.+4 Jastrzembski) - Ibisevic (67. Lustenberger). Trainer: Dardai

Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)

Tore: 0:1 Duda (15.), 0:2 Duda (90.+6).

Besonderes Ereignis: Caligiuri (Schalke) schießt Elfmeter am Tor vorbei (13.).