Farfan schießt Schalke auf Platz drei

Peter Müller
Jefferson Farfan hat Schalke 04 zum 1:0-Erfolg bei Bayer Leverkusen geschossen. Der Peruaner traf nach einem Solo über den ganzen Platz in der 83. Minute zum entscheidenden Tor. Schalke ist nun Tabellendritter hinter Bayern und Dortmund.

Leverkusen. Sie sprangen sich in die Arme, sie hüpften ausgelassen über den Rasen: Die Profis des FC Schalke 04 haben am Sonntag die richtige Antwort auf die enttäuschende 1:2-Heimniederlage vor einer Woche gegen Kaiserslautern gegeben: Mit einer vor allem kämpferisch vorbildlichen Leistung verdienten sie sich einen ganz wichtigen 1:0-Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen. Ein Sieg, der für die kommenden Wochen eine Richtung vorgibt.

Den Bundesliga-Spieltag nach einem Europapokal-Abend nehmen Trainer oft zum Anlass für die große Rotation. Huub Stevens aber ließ die Schalker Elf, die gegen Larnaka auf Zypern 5:0 gesiegt hatte, unverändert. Wie erwartet hütete erneut der junge Lars Unnerstall das Tor, sein neuer Konkurrent Timo Hildebrand, der an diesem Montagmorgen ab 10 Uhr erstmals mit der Mannschaft trainieren wird, saß in der Nachbarschaft von Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne der Bay-Arena. Von dort sah der frühere Nationaltorwart, wie sich Unnerstall bereits in der neunten Minute vorzüglich bewährte. Leverkusens Außenverteidiger Michal Kadlec und Schalkes offensiver Außen Jefferson Farfan hatten die Rollen getauscht, Kadlec zog vorbei an Farfan nach innen und schoss in Richtung langes Eck – Unnerstall aber flog pünktlich ab und konnte den Ball, den andere vielleicht zur Seite gefaustet hätten, sogar noch sicher in den Händen halten.

Eine solche Szene gibt natürlich Selbstvertrauen, zumal die Schalker in der gesamten Anfangsphase durchaus tonangebend waren. Eine Top-Chance spielten sie in der 14. Minute heraus. Jermaine Jones, unter Huub Stevens deutlich aufgewertet, eroberte den Ball, mit dem Lewis Holtby dann in die gegnerische Hälfte spurtete. Sein Pass nach rechts in den Lauf von Jefferson Farfan war genau der richtige, doch der Peruaner zielte nicht gut genug, der Ball rauschte am zweiten Pfosten vorbei.

Drei Minuten später hatten die Schalker auf einen Elfmeterpfiff gehofft. Michael Ballack kreuzte im Strafraum den Weg von Lewis Holtby, der Routinier traf das Talent dabei mit dem Ellbogen im Nacken. Holtby fiel – vielleicht etwas zu theatralisch. Schiedsrichter Felix Zwayer sah keinen Anlass zum Handeln.

Unnerstall hält gegen Ballack

Zu viele Abspielfehler im Aufbau verhinderten auf beiden Seiten noch mehr Strafraumszenen. Das Spiel war dadurch zeitweise intensiv und doch zerfahren. Aus Schalker Sicht war es allerdings schon erfreulich, dass die gegen Kaiserslautern noch stark verunsicherte Hintermannschaft gut stand. Vor allem die beiden jungen Innenverteidiger erledigten ihren Job leidenschaftlich. Der überragende Joel Matip fing vieles ab, auch Kyriakos Papadopoulos arbeitete aufmerksam.

In der 45. Minute benötigten sie erneut die Unterstützung ihres Torhüters. Michael Ballack hatte sich durchgesetzt und zog ab, im Nachfassen bekam der prima reagierende Lars Unnerstall den Ball dann sicher in den Griff.

Die zweite Halbzeit begann wie die erste: mit vorwärts spielenden, dominierenden Schalkern. Und wieder hatten sie 14 Minuten nach Anpfiff die beste Gelegenheit zur Führung. Julian Draxler setzte sich dribbelstark im Strafraum durch, legte den Ball von der Grundlinie mustergültig nach innen, wo ihn Klaas-Jan Huntelaar direkt abnahm – doch der junge Leverkusener Torhüter Bernd Leno war auch schon da und legte sich in den Weg.

Weil es sich oft rächt, wenn man sich für Vorwärtsdrang und Überlegenheit nicht belohnt, blieb bei den Schalker Fans das ungute Gefühl, dass Leverkusen mit nur einer guten Aktion das Spiel doch noch für sich entscheiden könnte. Und in der 71. Minute wäre es beinahe passiert, doch Stefan Kießlings starker Kopfball flog knapp über die Latte.

Die Partie war kampfgeprägt, genau die richtige Atmosphäre für die erfahrenen Mittelfeldmänner Jermaine Jones und Michael Ballack, die sich ein Privatduell voller Nickeligkeiten lieferten. Hier ein Schubser, dort ein Stoß, ein paar Provokationen mit Worten dazu – und als Ballack Jones dann im Mittelkreis foulte, fühlte sich sogar Huub Stevens dazu aufgerufen, seinem Spieler zur Seite zu springen. Der Schalker Trainer lief zum Rand und beschimpfte Ballack, der gestenreich konterte.

Hochspannende Schlussphase

Zehn Minuten vor Schluss hat der bereits in der acht Minuten mit Gelb getadelte Jones Glück, dass er noch auf dem Feld bleiben durfte, nachdem er gegen Kadlec zwar den Ball getroffen, aber auch durchgezogen hatte. Und kurz danach hatte wieder Lars Unnerstall einen ganz wichtigen Auftritt, als er einen Schuss von Andre Schürrle entschärfte.

Diese Schlussphase war hochspannend, der Höhepunkt aber kam erst noch. In der 82. Minute köpfte Kyriakos Papadopoulos den Ball aus dem Strafraum, Jefferson Farfan drückte Andre Schürrle weg (was die Leverkusener bestraft sehen wollten) und raste dann los. Schalke konterte in Überzahl, Farfan hatte mehrere Abspielmöglichkeiten. Am klügsten aber war es, einfach weiter in Richtung Tor zu rennen und dann selbst den Abschluss zu suchen: Perfekt steuerte der Peruaner den Ball mit dem rechten Fuß ins linke Toreck.

Vorne die eins, hinten die null – für Huub Stevens dürfte es momentan keinen Grund geben, diese Mannschaft zu verändern. Am Mittwoch muss im Schalke im Pokal zum Zweitligisten Karlsruhe (19 Uhr, live im DerWesten-Ticker). Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich Timo Hildebrand dort weiter gedulden müssen.