Fährmann hat bei Schalke keinen Freifahrtschein

Manfred Hendriock
Mathias Schober (35) hat durchaus noch Hoffnung, auf seine „alten Tage“ noch einmal im Schalker Tor zu stehen. Denn Ralf Fährmann erhält nach seiner Rückkehr aus Frankfurt keine Garantie, dass er das Erbe von Manuel Neuer antreten wird.

Sellin/Stralsund. Ralf Fährmann und Mathias Schober sind gute Kollegen, das merkt man schon alleine dran, wie die beiden miteinander umgehen. Im Training feuern sich die Torleute gegenseitig an, freuen sich über gute Paraden, analysieren auch die Fehler. „Wir beide verstehen uns gut“, bestätigt Ralf Fährmann (22) und berichtet: „Auch während meiner Zeit in Frankfurt haben wir immer Kontakt gehalten.“ Die Freundschaft ändert freilich nichts daran, dass beide jetzt auch in Konkurrenz zueinander stehen: Mathias Schober (35) hat durchaus noch Hoffnung, auf seine „alten Tage“ noch einmal im Schalker Tor zu stehen.

Denn Trainer Ralf Rangnick und Manager Horst Heldt stellen Ralf Fährmann nach seiner Rückkehr aus Frankfurt ganz bewusst keinen Freifahrtschein aus, dass der Heimkehrer auch automatisch das Erbe von Manuel Neuer antreten wird. „Jeder hat die Chance, sich anzubieten“, sagt Heldt und schließt dabei auch den noch völlig unerfahren Lars Unnerstall (20) mit ein. Seine Begründung: „Die sollen sich gegenseitig nach vorne bringen.“ Konkurrenz, so argumentiert der Manager, „hat noch keinem geschadet.“

Schalke gewann gegen Holstein Kiel

Freilich bringt dieser Konkurrenzkampf mit sich, dass den Schalker Torleuten ganz besonders auf die Finger geschaut wird. So auch am Samstag beim letzten Testspiel im Rahmen des Trainingslagers auf Rügen, als Schalke auf der Rückfahrt in Stralsund gegen den Regionalligisten Holstein Kiel mit 4:2 gewann. Das Spiel an sich war nicht wirklich der Rede wert – die Schalker Spieler hatten nach der hohen Trainingsbelastung schwere Beine und beließen es bei den Toren durch Edu (15.), Lewis Holtby (23.), Hao Junmin (55.) und Alexander Baumjohann (63.). Es war der dritte Sieg im dritten Testspiel der Blauen, und nach einer ansehnlichen ersten halben Stunde hatte die zweite Halbzeit nur noch ein „überschaubares Niveau“, wie Rangnick eingestand.

Diskutiert wurde danach vor allem über das erste Gegentor durch Tim Siedschlag. Denn Ralf Fährmann ließ sich bei einem Freistoß von der halblinken Seite von zwei Gegenspielern im Strafraum irritieren, so dass der Ball ohne weitere Berührung ins Netz trudelte. Bei einer solchen Freistoßflanke sieht jeder Torwart der Welt unglücklich aus, und es lässt sich kaum abschließend beurteilen, ob man von einer Teilschuld des Schlussmanns reden kann. Rangnick nahm Fährmann auf jeden Fall aus der Kritik: „Der Fehler war ganz klar im Abwehrzentrum. Wenn so ein Ball durchgeht, ist er für jeden Torwart schwer einzuschätzen.“ Auch Heldt wollte nicht von einem Fährmann-Patzer reden: „Entscheidend ist, dass zwei Mann im Strafraum freigestanden haben. Die haben ihm die Sicht versperrt.“

Schalker Tor bleibt nach allen Seiten offen

Während Trainer und Manager sich in diesem konkreten Fall also hinter Fährmann stellten, bleibt das Schalker Tor trotzdem nach allen Seiten offen – auch für einen möglichen weiteren Neuzugang. Fährmann hofft, dass der Konkurrenzkampf sich positiv auswirkt – „das treibt auch an“, sagt der 22-Jährige.

Bisher hat Fährmann mit solchen Duellen freilich eher schlechtere Erfahrungen gemacht. Auch schon auf Schalke. Als sich Manuel Neuer im Sommer 2008 einen Mittelfußbruch zuzog, eröffnete der damalige Trainer Fred Rutten einen Zweikampf zwischen Schober (damals der Favorit) und Fährmann (damals der Herausforderer). Nachdem sich Fährmann beim 0:3 im Testspiel beim Wuppertaler SV Borussia einen Patzer erlaubte, siegte zunächst Schober. Bis der sich ebenfalls verletzte, und Fährmann dann seine zweite Chance beim Schopf packte.