Gelsenkirchen

Eskalation in Schalkes Aufsichtsrat - so kam es zum Zerwürfnis

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies während des Heimspiels gegen RB Leipzig.
Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies während des Heimspiels gegen RB Leipzig.
Foto: imago
  • In Schalkes Aufsichtsrat herrscht dicke Luft
  • Mitglied Andreas Horn wird Unsportliches und unehrenhaftes Vorgehen vorgeworfen
  • Er klagte gegen eine Suspendierung - und bekommt Recht

Gelsenkirchen. In der Pause vor der Urteilsverkündung öffnete Schalkes Anwalt Dr. Damian Hecker die Fenster und lüftete den Sitzungssaal 201 des Essener Landgerichtes einmal richtig durch.

Dabei schien die Sache da schon klar: Andreas Horn, vom Schalker Ehrenrat für zwölf Monate seines Amtes als Aufsichtsrat enthoben, bleibt Mitglied des Kontrollgremiums – so entschied das Gericht am Montag. In der Verhandlung darüber ging es auch um dicke Luft. Und zwar um die, die vor einem Jahr in Schalkes Aufsichtsrat geherrscht hatte.

Tönnies stellte sich auf Schalke 2016 zur Wiederwahl

Es waren höchst turbulente Wochen damals im Vorfeld der Jahreshauptversammlung 2016, auf der sich Clemens Tönnies zur Wiederwahl stellte und anschließend von den Mitgliedern auch gewählt wurde.

Ausgangspunkt für die internen Streitigkeiten war eine Aufsichtsratssitzung am 15. März 2016, auf der Tönnies nach heftiger Debatte um Worte rang. Überliefert ist seine Aussage: „Wenn Ihr alle mich nicht mehr wollt, dann gehe ich halt. Ihr könnt mich aber doch nicht wie einen alten Hund vom Hof jagen. Wenn Ihr alle mich nicht mehr wollt, dann müsst Ihr mir eine goldene Brücke bauen.“

Andreas Horn nutzt die „goldene Brücke“

Sieben Aufsichtsräte sprachen sich darauf für Tönnies aus, drei hielten sich bedeckt. Und Andreas Horn, einer von ihnen, suchte in den Folgewochen das Gespräch mit Tönnies und berief sich dabei darauf, dass Tönnies selbst von einer „goldenen Brücke“ gesprochen hatte.

Es tauchte der Vorschlag auf, man möge einen anderen Aufsichtsrat zum freiwilligen Rückzug bewegen, auf dessen Platz sich Tönnies für dann nur noch ein verbleibendes Jahr bewerben könne. Solche „Deals“, so rechtfertigte sich Horn, als der Vorgang von Tönnies beim Ehrenrat angezeigt wurde, seien in der Politik üblich.

Einstweilige Verfügung

All diese Dinge waren vor einem Jahr im Vorfeld der Jahreshauptversammlung schon durchgesickert. Man muss sie nur heute noch einmal erzählen, um zu verstehen, warum die Sache so eskalierte und nun an diesem Montag, also knapp ein Jahr später, vor dem Landgericht landete.

Dort ging es um den Beschluss des Schalker Ehrenrates, der Horn für ein Jahr von seinem Amt als Aufsichtsrat suspendierte. Der Arzt aus Heidelberg ging dagegen vor und erwirkte vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den Ehrenrats-Entscheid vom 27. Februar 2017. Richter Michael Dickmeis erschienen die darin aufgeführten Argumente „zu dünn“ für eine zwölfmonatige Sperre. Außerdem sei Horn vom Ehrenrat nicht hinreichend rechtliches Gehör gewährt worden.

Unsportliches und unehrenhaftes Vorgehen

Der Ehrenrat lastete Horn bei dessen Gesprächen mit Tönnies Verstöße gegen die Satzung und das Leitbild des FC Schalke 04 an und nannte dessen Vorgehen „unsportlich“ oder „unehrenhaft“.

Diese Vorhaltungen konnte Richter Dickmeis nicht teilen – er prüfte „den Versuch der Täuschung“ von Horn gegenüber Tönnies und unterbreitete nach kurzer Verhandlung einen Vergleichsvorschlag: Der sah vor, dass der Beschluss des Ehrenrates mit der Verhandlung an diesem Montag enden würde und Horn danach seine Tätigkeit im Aufsichtsrat wieder aufnehmen könnte.

„Sanktionen gegen mich waren unangemessen“

Schalkes Anwalt Dr. Hecker war nicht befugt, darüber zu entscheiden: Und auch, nachdem er sich 15 Minuten lang telefonisch mit den nicht bei der Verhandlung anwesenden Vereinsvertretern beraten hatte, konnte er dem Vergleichsvorschlag nicht zustimmen.

Es war allerdings da schon abzusehen, dass das Gericht dem Antrag von Horn auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zustimmen würde. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Horn nach der Verhandlung zur WAZ: „Das Gericht hat unsere Auffassung bestätigt, dass die Sanktionen gegen mich unangemessen waren.“

Essener Landgericht entscheidet zum zweiten Mal

Das Essener Landgericht hat damit schon zum zweiten Mal in knapp zwei Jahren eine einstweilige Verfügung gegen einen Beschluss des Schalker Ehrenrates erlassen: Im August 2015 hatte sich Axel Hefer, ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrates, gegen eine Suspendierung von drei Monaten gewehrt.

Mit dicker Luft kennt man sich aus im Schalker Aufsichtsrat.

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