Erste Pleite für Di Matteo - Schalke mit 0:1 in Leverkusen

Abpfiff! Hängende Köpfe bei den Schalkern, Jubel bei der Werkself.
Abpfiff! Hängende Köpfe bei den Schalkern, Jubel bei der Werkself.
Foto: Getty Images
Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo musste beim Auswärtsspiel in Leverkusen die erste Pleite bei seinem neuen Klub einstecken. Bei der Werkself unterlagen die Königsblauen mit 0:1. Hakan Calhanoglu erzielte das Tor des Tages mit einem Traum-Freistoß.

Leverkusen. Jetzt hat es auch Roberto Di Matteo erwischt. Der Italiener kassierte am Samstagabend als neuer Trainer des FC Schalke 04 seine erste Niederlage. Bayer Leverkusen gewann verdient mit 1:0, weil sich die Schalker im gesamten Spiel nicht eine einzige echte Torchance erarbeitet hatten.

Schalkes Trainer Roberto Di Matteo vertraute der Mannschaft, mit der er am Dienstagabend beim 4:3-Zittersieg gegen Sporting Lissabon in der Champions League in die zweite Halbzeit gegangen war: Eric Maxim Choupo-Moting ersetzte auf der Zehner-Position Kevin-Prince Boateng, der sich in der ersten Hälfte gegen Lissabon am Sprunggelenk verletzt hatte.

Auf Leverkusener Seite saß ein Mann nur auf der Bank, der besonders heiß auf dieses Spiel war: Kyriakos Papadopoulos, der von Schalke für eine Saison ausgeliehene Innenverteidiger, kam nicht von Beginn an zum Einsatz, obwohl er am Mittwoch beim 2:0-Erfolg gegen Zenit St. Petersburg nach seiner Einwechselung den zweiten Treffer besorgt und gut gespielt hatte.

Bayer machte in der ersten Halbzeit das Spiel, nahm Tempo auf, wann immer es möglich war, traf aber auf konzentriert verteidigende Schalker, die ihre Defensivarbeit geschlossen verrichteten: Ob Klaas-Jan Huntelaar, ob Eric Maxim Choupo-Moting, ob Chinedu Obasi: Sie alle waren sich nicht dafür zu schade, lange Wege zurückzugehen und bei der Abwehrarbeit zu helfen.

Schalke macht nichts aus kurzzeitiger Überzahl

Ab der 17. Minute spielte Leverkusen sieben Minuten lang nur mit zehn Mann, ohne dass Schalke aus der Überzahl Kapital schlagen konnte. Stefan Reinartz hatte sich einen Cut unter dem Auge zugezogen - durch einen Ellbogenschlag des zu Recht dafür mit Gelb getadelten Marco Höger. Die Leverkusener Mediziner versuchten lange, Reinartz wieder spielfähig zu bekommen, doch es musste dann doch gewechselt werden: Tin Jedvaj kam ins Spiel.

In der 28. Minute flog der erste tatsächlich gefährliche Schuss auf das Schalker Tor. Hakan Calhanoglu hatte aus 20 Metern abgezogen, doch Ralf Fährmann tauchte rechtzeitig ab und parierte. Aufatmen konnten die Schalker dann in der 32. Minute, in der sie großes Glück hatten, nicht in Rückstand geraten zu sein: Julian Draxler leistete sich einen haarsträubenden Rückpass, den der vorgesehene Adressat Atsuto Uchida niemals hätte erreichen können, der flinke Heung Min Son zog mit dem Geschenk auf und davon und bediente schließlich etwas zu ungenau Stefan Kießling, der um einen Tick zu spät heranrutschte und den Ball knapp verpasste.

Nach vorne ging für die Schalker nur wenig. Die Wege durch die Mitte waren meist zugestellt. Manchmal versuchten sie es mit weiten Flankenwechseln, doch auch dies war kein durchschlagendes Rezept. Weil Julian Draxler hinter einen Kopfball, der dann auch in den Armen von Bernd Leno landete, keinen Druck bekam, beendeten sie die ersten Hälfte, ohne dem Gegner auch nur einmal gefährlich zugesetzt zu haben.

Calhanoglu mit Gefühl und viel Effet

Zu Beginn der zweiten Halbzeit gerieten sie noch mehr unter Druck, doch das 0:1 kassierten sie durch einen ruhenden Ball: Hakan Calhanoglu zirkelte einen direkten Freistoß knapp vor der linken Strafraumkante perfekt ins linke obere Toreck. Der Ball hatte so viel Effet, dass Ralf Fährmann nicht mehr herankam.

In der 56. Minute wechselte Schalkes Trainer Di Matteo Chinedu Obasi aus, der es versäumt hatte, an seine starke Leistung vom Dienstag gegen Lissabon anzuknüpfen. Die rechte Offensivseite der Schalker beackerte nun Sidney Sam, der ehemalige Leverkusener, der vom Bayer-Publikum mit einem Pfeifkonzert begrüßt und auch anschließend bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde.

Schalke hätte jetzt mehr tun müssen, stand aber zunächst weiter hinten, weil Leverkusen nicht nachließ und auf ein zweites Tor drängte. Nach wie vor waren die Gäste aus Gelsenkirchen also mit Abwehrarbeit beschäftigt, ohne Entlastung zu finden. Schon beim Spielaufbau waren die Schalker hilflos. Wiederholt schoben die Verteidiger den Ball quer hin und her, brachen dann wieder ab und passten zurück auf Ralf Fährmann, weil sich beim Versuch des Eintritts in die gegnerische Hälfte kein Türchen öffnete.

In der 68. Minute hätte sich dann beinahe doch noch eine gute Chance ergeben. Choupo-Moting zog an, passte auf Huntelaar, der den Ball direkt aufs Tor bringen wollte, doch Emir Spahic brachte ein Bein dazwischen.

Schalke wird selbst initiativ

Immerhin schienen die Schalker nun begriffen zu haben, dass sie selbst mehr die Initiative ergreifen mussten, um zum Ausgleich kommen zu können. Ein paar Minuten lang schafften sie es, das Spiel komplett vom eigenen Strafraum fernzuhalten und die Leverkusener Abwehr wenigstens mal ein wenig zu beschäftigen.

Für die letzten acht Minuten sendete Bayer-Trainer Roger Schmidt ein klares Signal: Er nahm den Torschützen vom Feld und brachte einen Defensivspezialisten: Hakan Calhanoglu ging, und es kam nun doch noch Kyriakos Papadopoulos, der mithelfen sollte, die knappe Führung über die Zeit zu bringen.

Doch dann wurde es hektisch. Auf der Mittellinie sprang Tin Jedvaj dem für Roman Neustädter eingewechselten Jan Kirchhoff von hinten in die Hacken - Schiedsrichter Manuel Gräfe zögerte nicht und zeigte dem Leverkusener die Rote Karte.

Doch auch gegen zehn Leverkusener schafften es die Schalker in den letzten Minuten nicht mehr, Leverkusens Torwart Bernd Leno nah zu kommen. Am Ende mussten sie sich nicht darüber wundern, dieses Spiel verloren zu haben.

 
 

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